Zunftzeichen und Schilder in der Salzburger Altstadt

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Herrengasse 26

Zunftzeichen hatten in früherer Zeit die Funktion der heutigen Hausnummern. Anhand der Zunftzeichen konnte man sich in der Stadt Salzburg orientieren.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

das kunstvolle Schild weist auf einen Schuhmacher hin; doch diesen gibt es nicht mehr am Kranzlmarkt 4 in der Salzburger Altstadt; verschwunden, wie viele andere Traditionsbetriebe in der Salzburger Innenstadt

Geht man heute durch Salzburg und blickt an den Hausfassaden mit offenen Sinnen nach oben, so erkennt man, dass diese Stadt ein zutiefst religiöser Ort war, der seit altersher Geborgenheit und harmonisierte Ausgewogenheit darstellte und ausübte.

Ein besonderer Höhepunkt, ein Spiegelbild sind die vielen religiösen Schmuckformen der Haus-, Handwerks-, Zunft-, der Steinmetz-Zeichen als Symbole der Werkstatt, der bürgerlichen Architektur, am, im und um das Haus, ja als religiöse Identität im Stadtzentrum. Ein natürlicher Hausverstand, schöpferische Ideen und die Schmuckfreudigkeit der Laien waren für das Zusammenleben von großer Bedeutung. Mit möglichst einfachen Mitteln wurden „Merkbilder“ geschaffen, die Anschauung vermittelten. Für das Auge, das noch sehen und finden konnte, wurde ein Blickpunkt geschaffen. Man zeigte, was man war und wer man ist, um mit den Zierformen der Kreativität, das Design seiner persönlichen Note anzupassen und die verinnerlichte Frömmigkeit und den sozialen Status hervorzuheben. Man konnte trotz großer Bescheidenheit nach außen zeigen, wer hier lebt.

Beeindruckend sind die liebevoll gestalteten Details dieser frommen Hauszeichen, sie heiligen zugleich den Ort, ja stellen ihn unter den Schutz Gottes oder des jeweiligen Patrons. Sie bitten um den Segen des Schöpfers.

Judengasse

Schafschurzeichen Judengasse 9

So ist zum Beispiel auf dem Haus Judengasse 9 eine Tuchschurschere mit Handwerkswappen um 1509 zu sehen. Die Tätigkeit des Tuchscherens ist ein wichtiger Arbeitsvorgang bei der Feintuchherstellung. Die Tuchkaufleute wohnten meist mit ihren Arbeitern bei der Werkstätte. Im Nebenhaus Judengasse 11 (Marsoner & Rainer, Vereinigte Kellereien Meran-Salzburg) vor dem Stiegenaufgang ist eine kleine, uralte Steinsäule mit einem Totenkopf einst als Weihwasserbecken und Symbol für die Vergänglichkeit in Verwendung. Darüber befand sich ein Votivbild in rotmarmornem Steinrahmen. In der schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeit bekreuzigte sich noch jeder Hausbewohner mit dem Weihwasser. Das Muttergottesbild ist verschwunden, und im Weihbrunnkessel der Schädeldecke sind zahlreiche Zigarettenstummel ausgedrückt. Die Häuser der Judengasse sind alle unterkellert und haben einen Ausgang zur Salzachseite.

Höllbräu Judengasse 15

Hebt man in der Judengasse 15 den Blick nach oben, ist ein prachtvolles schmiedeeisernes Brauereiwahrzeichen, ein Steckschild des „Höllbräus“in luftiger Höhe. Zusätzlich kämpft „Seelenwäger“, der Heilige Michael, in Ritterrüstung mit Schwert am „haws am Egk“ der Judengasse zum Waagplatz hin. Er ist der Begleiter der guten Seelen in das Paradies und verstößt die Bösen in die Hölle des Satans. Im Höllbräu waren bis 1404 die Synagoge und die Judenschule von Salzburg untergebracht.

Das Haus Mozartplatz 4, die „Andrettersche Behausung“ der einstige Adelssitz derer von Rehlingen um 1592, ist ein nobles Bürgerhaus an der Stadtmauer mit eigener Kapelle und der Geschichte des Besitzes in Stein gehauen. Die mit W. A. Mozart befreundete, sehr musikalische Familie Antretter gab auch die „Antretter Serenade“ (KV 185) für eine Aufführung in der Hauskapelle Mariae Himmelfahrt in Auftrag.

Pfeifergasse

Die ältesten Hauszeichen, auch Hausmarken genannt, zeigen meist religiöse Darstellungen. Genauso, wie es auf dem Lande heute noch üblich ist, bat man um den Schutz Gottes für Haus und Bewohner. Viele Kreuzdarstellungen, Madonnen, Lokalheilige und Wappen findet man in der Altstadt von Salzburg.

Eine der älteren und besonders schönen Darstellungen einer Steinmetzarbeit, eine Kreuzigungsgruppe, findet man in der Pfeifergasse 4. Die im Kaiviertel gelegene Pfeifergasse hat den Namen der sehr wohltätigen Stifterin „Chunigund Ameyßlin, der Frau des Dom- Stadtpfeifers“.

Steinmetz-Zeichen aus dem Mittelalter sind an vielen Objekten zu finden, sie erlauben auf Grund der so genannten „Meisterpunzen“ eine genaue Datierung der Steinmetzarbeiten. Auch die Schmiedeeisenarbeiten können durch Zunftzeichen eines Schlüssels für den Kunstschmied, eines Hufeisens – Hufschmied -, oder eines Nagels - als Punze für den Nagelschmied - dem jeweiligen Gewerbe zugeordnet werden.

Zirkelwirt Pfeifergasse 14

Das prachtvolle schmiedeeiserne Steckschild Pfeifergasse 14 „beym Wirthshauß zum goldenen Cirkel“ von 1647 hat den vergoldeten Zirkel, als Symbol der Baumeister, im Steckschild. Nach der Überlieferung wird berichtet, dass die Freimaurer und Geheimgesellschaft der Illuminaten ihren Logensitz im Zirkelwirt hatten. Zu Mozarts Zeiten ist die Freimaurerloge „Zur Fürsicht“ im Zirkelwirt nachweisbar.[1]

Restliches Kaiviertel

Die Plainer Madonna über dem Eingangsportal des Hauses Chiemseegasse 2 ist aus einem profilierten Gewände heraus gearbeitet und mit einem kleinen, einrollierten Kupferdach abgedeckt.

Im Mittelalter, um das 12. Jahrhundert, wurde es notwendig, die einzelnen Häuser zu kennzeichnen, da Straßennamen zu dieser Zeit noch unbekannt waren. Man verwendete Zunft- und Handwerkszeichen, Haus- und Steckschilder als Orientierungshilfe, da die meisten Menschen Analphabeten waren. Adelsgeschlechter und wohlhabende Bürger brachten „sprechende Wappen“ an. Ein eigener Beruf war der „Schildermaler“. Der Brauch, eigene Hauszeichen zu führen, ging auch auf die Geschäfte und Kaufläden über. Die Stadthäuser hatten damals noch keine Auslagenfronten, daher war ein Hinweis auf das Gewerbe notwendig.

Marienbild Kaigasse

Redlich, Gottesfürchtig, fromm und fleißig waren die Salzburger Bürger. Es gab Regionale Heilige, denen man am Ort eine besondere Verehrung entgegen brachte. Hausmadonnen, im Schatz-Durchhaus, dem Platzl und der Linzer Gasse, Mariendarstellungen und der Heilige Nepomuk im Kaiviertel. Auch die außen angebrachten Glockenzüge für die einzelnen Wohnungen sind am Kajetanerplatz Nr. 4, neben einer Mariendarstellung mit flankierten Engeln noch aktiv erhalten. Die Heilige Familie, der Heilige Rupert, wie des öfteren die Plainer Madonna finden in der Steinmetzekunst von Salzburg ihren Niederschlag. Emotionale Bindungen zu lokalen Heiligen und künstlerische Ausdrucksformen sind dem Zeitgeist unterworfen.

Kunst am Haus steht oft in engem geheimnisvollem Zusammenhang mit christlichen, mittelalterlichen und magischen, uralten Schutzzeichen, die oft noch heidnischen Ursprungs sind. So ein Symbol zeigt der kleine, in der Herrengasse 26 eingemauerte Kopf unter einer Madonnendarstellung und einem Schild mit der Jahreszahl 1509. Die Herrengasse wurde einst auch „Pfaffen- oder Hundsgasse“ genannt. Die Straßen und Plätze hatten zu dieser Zeit zwar Namen, doch die Häuser waren nicht nummeriert.

Im Kaiviertel und der Herrengasse waren vorwiegend Adelige, die hohe Geistlichkeit und Domherren beheimatet, daher haben die Lokalheiligen eine besondere Beliebtheit.

Schildermalerei

Die Schildermalerei entwickelte sich zu einem wichtigen Erwerbszweig, zu einer Spezialität, die auch heute von zahlreichen Touristen staunend bewundert wird.

Älteste Bäckerei
Zunftzeichen der Firma Haidenthaller in der Linzer Gasse
das Brau-Zunftzeichen am Haus des Hotels Kasererbräu im Kaiviertel

Fast nur mehr in Museen zu finden sind die uralten Emailschilder mit großer Werbewirksamkeit, wie die Innungszeichen der Brauer, Bäcker, Bader, Metzger, Barbiere, Besen-, Bürstenbinder, Lampen-, Haftel-, Mieder-, Putz- und Korsettenmacher. Bemalte Brezelbuben waren einst als Werbefiguren mit frisch duftenden Brezeln vor den Backstuben aufgestellt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch noch in der Getreidegasse – Anzeigenklassiker der Reklame – Geschäftsschilder der Spezerey- & Kolonialwarenhandlung Stranz & Scio mit den Kaffee- und Tee-Mohren als Werbebotschaften der Kaffeerösterei. Im Hausflur und auf den Eisentoren zu Mozarts Geburtshaus waren handgemalte Steckschilder mit speziellen, jahreszeitlichen Ankündigungen. Auch die künstlerisch wertvollen „Turbantürken“ mit den noblen Rauchutensilien der Tabakindustrie existierten als große Raritäten. Hervor zu heben ist das uralte, in Stein gemeißelte Symbol der Schwarzbrotbäckerei bei der einstigen Mühle in St. Peter. Es zeigt die seit Jahrhunderten gleich gebliebenen Formen den Brotlaib- und die Strutzenform des im Kloster gebackenen, üblichen Roggenbrotes für die Mönche.

Kulturpflege betrifft auch die aussagekräftige, religiöse Kleinkunst am Bau, als Zeugnisse traditioneller Lebensformen von einst. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.

Am alten Hafnerhaus Steingasse Nr. 28 ist neben alten Steintorgewänden und prachtvoll verzierten Schmiedeeisengittern aus dem Mittelalter ein qualitätvolles Keramikrelief der Künstlerin Luise Spannring (* 1894, † 1982) welches an die langjährige Tradition des Hafnergewerbes in diesem Haus erinnert.

Bilder des Alltagslebens zeigen Zunftzeichen, Handwerksdarstellungen der Bader, Apotheker, Wagner, Gast- und Bräuhauszeichen in der Salzburger Altstadt. Die Bildersprache der Haus- und Zunftzeichen war für die einst nicht lesen könnenden Menschen eine vertraute Orientierungshilfe, mit der sie ihren Weg fanden.

Die Gaststätten-, Wirtshaus-, Apotheken- und Handwerksbezeichnungen waren früher vor jedem Haus, jedem Durchgang angebracht. Heute sind dies große Raritäten und begehrte Sammelobjekte.

Literatur

  • Lorenz Hübner Salzburg Geschichte / 1792
  • Das Buch der Zeichen und Symbole/ Knaur 1975
  • Lexikon der Kunstmotive/ 1978
  • Lexikon Christlicher Kunst/Herder 1980
  • Richard Mell, Salzburg 1903
  • Dr. Walter Vogl / „Freimaurer Herberge, Das Wirthshauß beym goldenen Zierggl“
  • Bernhard Paumgartner /Salzburg 1966/ (Paumgartner wohnte in Mozarts Geburtshaus viele pers. Gespräche)
  • Rudolph Klehr / Die Steingasse/ Die Getreidegasse
  • Anton Tantner: Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung. Marburg: Jonas Verlag, 2007.
  • Oliver Hochadel: Die Erfassung der Seelen. Griff des Staates nach Soldaten: Der Wiener Historiker Anton Tantner untersucht die Geschichte der Hausnummern. In: Die Presse, 18.04.2005.
  • Pers. Aufzeichnungen Adele Sungler zur Fremdenführerprüfung 1978 und mündliche Hinweise Prälat Dr. J. Neuhardt
  • Alle dazugehörigen Photos: Adele Sungler

Quelle

  • dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an Salzburgwiki gesandt

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