Scharfetter

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Die Familie Scharfetter ist eine alte Salzburger Familie.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft

Der Name wird auf das Bauerngut Scharfett in Flachau zurückgeführt.

Die älteste urkundliche Nennung „Scharfert“ ist aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts überliefert; um 1304 wird das Gut als „Scharviehtses“ genannt, um 1455 als „Scharficht“ erwähnt. Der Bau war ursprünglich zusammen mit Schloss Höch, dem Thurnhof und dem Specherhof Teil einer befestigten Talsperre.[1]

Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts heißen die Besitzer nach dem Gut, also Scharfiecht(er), Scharffitter, Scharpfieter usw. Auf den ersten dieser Besitzer, Hans Scharfiecht(er), folgten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dessen Sohn Erhard, diesem nacheinander seine Söhne Wilhelm und Rudbert, gefolgt von Rudberts Söhnen Vitus und – 1547 – Johannes (Hans). Bis 1736 blieb der Hof im Familienbesitz, im Zuge der Protestantenvertreibung von 1731/32 musste er verkauft werden.

Slawische Wurzel?

Nach Fritz Scharffetter[2] ist „Scharfitt“ eines der wenigen slawischen Worte im Pongau und bedeutet „Riedgras“[3][4][5].

Schar-Fetter?

Nimmt man hingegen einen Ursprung in der deutschen Sprache an, so ist der Name „Scharfett“ offenkundig aus zwei Teilen zusammengesetzt; und geht man von einer möglichst alten Namensform wie „Scharficht“ (zur allerältesten Namensform „Scharfert“ und zum Wortteil „-ses“ in „Scharviehtses“ gibt es in der Literatur keine Aussagen) aus, so liegen die Trennung Schar-Ficht und für den Bestandteil „Ficht“ die Gleichsetzung mit dem Nadelbaum Fichte auf der Hand[6].

Schwieriger ist die Deutung des Namensteils „Schar“: Folgende Deutungen werden angeboten:

„Scharfeucht ist jene Fiche, die man in einem Holzmaiße stehen läßt, damit sich um dieselbe, als Samenbaum, das Junggewächs scharen könne. Vgl. Schm. II. 446. […] Verschieden hievon diend die „Scher- oder Schermfichten“ […], große weitästige Bäume, unter welchen das weidende Vieh bei Ungewitter Schutz sucht. Aber beide Benennungen, „Schar- und Scherfeucht“, können auch Beziehungen zu den „Schorn-“, „Schern“- und „Scharn“gütern aufweisen, welche nachweislich […] die „Schergenlehen“ (von ahd. „Scarjo“) waren.“[11]

Scharf-…??

Erwähnt (aber abgelehnt) wird auch die Deutung als „Scharfer Etter[12]“ (spitzer Zaun)[13].

Auf einer Deutung als „Scharf-Vetter“ mag die ostpreußische Schreibweise „Scharffetter“ beruhen, die aber mit der ursprünglichen Bedeutung nichts zu tun hat.

Allgemeines zur Verbreitung und Genealogie

Nach der Zahl der Telefonbucheintragungen (2004: rund 300 in Österreich, Deutschland, der Schweiz und denUSA) zu schließen, verteilen sich die Träger des Namens Scharfetter, einschließlich der Schreibvariante "Scharffetter", zu ungefähr je einem Drittel auf den Pongau, das übrige Österreich und in der Bundesrepublik Deutschland. Die Verbreitung in Deutschland ist hauptsächlich auf die Protestantenvertreibung von 1731/32 zurückzuführen, als deren Folge unter den Salzburger Emigranten mehrere Scharfetter-Familienzweige nach Ostpreußen (genauer: Preußisch-Litauen) gelangten; dort entstand auch die Schreibvariante mit ff, die in Deutschland viel zahlreicher ist als die mit einfachem f.

Ein großer Teil der heute lebenden Scharfetters und Scharffetters leitet sich von den oben genannten, seinerzeitigen Besitzern des Scharfetthofes ab, die somit als Hauptlinie bezeichnet werden kann. Es gibt aber insbesondere eine Gasteiner Linie, die mit dem Weitmoserschlössl verbunden ist und bis ca. 1600 zurückverfolgt werden, jedoch nicht an die Hauptlinie angeschlossen werden kann.

Genealogischer Überblick über die Hauptlinie

(Bezüge zu Ostpreußen sind kursiv geschrieben)

Hans Scharfetter (* 1547), bis 1584 Besitzer des Scharfetthofes

Bekannte Namensträger

Quellen

Fußnoten

  1. Friederike Zaisberger (siehe unten "Quellen") S. 455/456.
  2. Fritz Scharffetter (* 2.9.1890 in Ernstfelde, Kreis Insterburg, Ostpreußen), Oberforstmeister in Hildesheim, Begründer der Hildesheimer Linie der Scharffetters, s.u.
  3. Fritz Scharffetter, Manuskript betreffend die Abstammung seiner Familie von den Salzburger Emigranten des Jahres 1732 und weitere Geschichte in Ostpreußen, oJ.
  4. Die Deutung als „Riedgras“ ist bei Fritz Scharffetter nicht belegt und auch anderweitig nicht nachvollziehbar. Das Alpenslawische, das als Quellsprache in Betracht kommt, ist am nächsten mit dem Slowenischen verwandt, auf Slowenisch heißt „Riedgras“ aber „ločje“. (Anm. K. I.)
  5. Slowenisch „šar“ bedeutet „fleckig, bunt“ (Maria Hornung, Lexikon österreichischer Familiennamen [öbv&htp Verlag Wien 2002], S. 120, Eintrag „Scharl“).
  6. Ob der Wortteil „ fiecht “ tatsächlich auf „Fichte“ zurückzuführen ist, wäre noch vertiefend zu untersuchen. Zwar ist die mittelhochdeutsche Form des Baumnamens tatsächlich „viehte“, im bairisch-österreichischen Dialekt wäre aber die Form „Feicht“ zu erwarten. (Anm. K. I.)
  7. Helmut Silbernagl, Almsommer (2003), Verlag Bergemann + Mayr; Willibald Mayrhofer, Quellenerläuterungen für Haus- und Familienforscher in Oberösterreich (1992), Glossar: „Robotverzeichnisse“.
  8. Leopold Ziller, Salzburger Familiennamen (1986).
  9. Zaisberger (aaO) S. 455/456: „Der gegenüberliegende Specherhof und Scharfett geben mit ihren Namen einen Hinweis auf ihre alte Grenzfunktion: Specher wird von »ausspähen, ausschauen« abgeleitet, Scharfett kommt von »Scharfichte«, was soviel bedeutet wie Grenzfichte. Gemeint ist damit die Grenze zwischen dem Besitz der Herren von Guetrat am Oberlauf der Enns und der Herrschaft Wagrain, …“
  10. Franz Valentin Zillner, Busch und Baum, Wald und Au in salzburgischen Flur- und Ortsnamen, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 20, 1880, S. 130-147 (138).
  11. Es gab oder gibt in Reitdorf auch ein Bauerngut „Scharrbach“. (Anm. K. I.)
  12. Der Etter war ein Zaun, der in der Zeit vom Spätmittelalter bis ins 19. Jh. das Dorf von der Flur trennte. Vgl. Düppeler Lexikon, Artikel „Zäune“ (http://www.dueppel.de/lexikon/zaun.htm [2004]), unter Verweisung auf Karl Siegfried Bader: Studien zur Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Dorfes, Teil 1: Das mittelalterliche Dorf als Friedens- und Rechtsbereich, Weimar 1957; denselben, Rechtsformen und Schichten der Liegenschaftsnutzung im mittelalterlichen Dorf, Wien-Köln-Graz 1973.
  13. Fritz Scharffetter aaO.

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