Pfarrkirche zu Ehren der Hll. Johannes des Täufers und Johannes Evangelista
Aus Salzburgwiki
Die Pfarrkirche zu Ehren der Hll. Johannes des Täufers und Johannes Evangelista (auch: Pongauer Dom) ist die Stadtpfarrkirche von St. Johann im Pongau und auch das Wahrzeichen der Stadt.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Im Jahre 924 wird ein Gebiet bei einer kleinen Kirche erstmals als St. Johann erwähnt. 1074 erfolgt die erste urkundliche Nennung des Namens der Kirche zum hl. Johannes. 1244 wird die Kirche mit der Mutterpfarre St. Veit im Pongau dem Salzburger Domkapitel einverleibt. Im Jahre 1325 erhält St. Johann einen eigenen Seelsorger und ist damit das älteste Vikariat Salzburgs.
1329 erfolgte die Einweihung der Kirche zu Ehren der Heiligen Johannes dem Täufer und Johannes des Evangelisten auf dem heutigen Standort.
In den Jahren 1618/19 wurden umfangreiche Kirchenrenovierungsarbeiten vorgenommen. So erhielt die Kirche einen neuen Altar und Tabernakel.
1855 fiel die Kirche, wie viele Gebäude des Ortes, beim großen Marktbrand, den Flammen zum Opfer. Während der Jahre 1855 und 1856 wurden die Reste der zerstörten Kirche abgetragen. Am 1. Mai 1857 konnte mit den Grundaushebungen für das neue, wesentlich größere Gotteshaus, begonnen werden. Eine dreischiffige Kirche im neugotischem Stil war geplant.
Die Bausteine wurden vom Zederberg,vom Rettenstein, aus Lend, Hüttau und hauptsächlich aus Vorderkleinarl herbeigeschafft. Das Holz wurde zum größten Teil in einem Wald in der Nähe des Jägersees geschlagen. Das Langhaus der Kirche war im Jahre 1862 so weit fertiggestellt, dass es am 28. Oktober des selben Jahres eingeweiht werden konnte. Die Kirche hatte noch keinen Turm. An der Westseite war ein einzelner Turm mit einer Höhe von 72 Metern geplant. Im Frühjahr 1870 konnte mit dem Bau des Turmes begonnen werden. Am 22. Juni 1871 machten sich plötzlich Bauschäden bemerkbar. Risse im Mauerwerk wurden sichtbar und vergrößerten sich allmählich. Eine Kommission von Sachverständigen stellte so schwere Schäden am Mauerwerk fest, dass mit dem Einsturz des Turmes gerechnet werden musste. Die Kirche wurde sofort gesperrt und die Bewohner der umliegenden Häuser evakuiert. Der Turm stürzte noch am Nachmittag des selben Tages unter gewaltigem Getöse in sich zusammen und riss zwei Felder des Kirchenschiffes mit. Die Ursache für das Unglück soll ein schadhafter Grundpfeiler gewesen sein. Stundenlang wurde der Ort von einer riesigen Staubwolke eingehüllt.
Vor dem Einsturz des Turmes wurden die Gottesdienste während der Bauarbeiten in der neben der Kirche befindlichen Annakapelle abgehalten. Danach wurde in einer Ecke des neuen Friedhofes über einem Altar eine Bretterhütte errichtet, wo von nun an die Gottesdienste stattfanden. Die Gläubigen nahmen unter freiem Himmel daran teil. Nachdem die stehengebliebenen Teile des Kirchenschiffes mit einer Bretterwand verschalt worden waren, konnten die Gottesdienste wieder in die Kirche verlegt werden.
Nach neuen Plänen eines Salzburger Architekten wurde in dreijähriger Bauzeit die Vorderfront der Kirche neu gestaltet und anstelle des einen Turmes wurden nun zur Entlastung der Grundmauern zwei etwas niedrigere Türme, mit einer Höhe von je 62 Metern, errichtet.
Die Kirchengemeinde war durch den Brand im Jahre 1855 finanziell schwer geschädigt und konnte sich den Wiederaufbau des eingestürzten Turmes nicht leisten. Vom damaligen Ministerpräsident Adolf Fürst Auersperg wurde aus unbekannter Hand der ansehnliche Betrag von 40.000 Gulden übermittelt und ermöglichte so den Neubau.
Zu Weihnachten 1875 läuteten zum ersten Mal seit dem Brand wieder die Glocken in der Kirche. Die Schlusssteinlegung erfolgte am 3. September 1876 und vollendete somit den Kirchenneubau. Der Schlussstein befindet sich oberhalb der Eingangstüre zum Aufgang im Nordturm. Er wird von einer Marmorplatte bedeckt die folgende Inschrift trägt: „Ecclesia aedificata a XV. Julii MDCCCLV usque III. September MDCCCLXXVI.“
1881 konnte nun die neue Kirche durch Erzbischof Dr. Albert Eder feierlich eingeweiht werden.
In den weiteren Jahren erhielt die Kirche zwei Wandgemälde durch den St. Johanner Maler Josef Gold. Neben dem Hauptaltar wurden zwei Seitenaltäre im neugotischen Stil errichtet.
Während des Ersten Weltkrieges waren die Glocken der St. Johanner Kirche verstummt. Sie wurden abgenommen und zur Herstellung von Kanonen eingeschmolzen. Erst 1923 wurden neue Glocken geweiht.
Unter Dechant Karl Völk (1948-1976) wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Kirche und der Annakapelle durchgeführt. Die Sanierung der beiden Kirchtürme wurde während der Amtszeit von Pfarrer Balthasar Sieberer (1976-1988) vorgenommen.
Im September 2010 wurde mit umfangreichen Reparatur- und Sanierungsarbeiten begonnen. Zur Ausführung kamen 12 neue, in den Farben Violett und Gold gestaltete Kirchenfenster nach Entwürfen des Radstädter Künstlers Mag. Wilhelm Scherübl, die das himmlische Jerusalem darstellen. Weiters wurde die Orgelempore erweitert und renoviert. An der Südseite wurde ein neuer, barrierefreier Eingang errichtet. Die Kirchensanierung soll 2012 abgeschlossen werden. Sie fällt in die Amtszeit von Pfarrer Mag. Adalbert Dlugopolsky.
Rundgang durch den Pongauer Dom
Der Innenraum der Kirche wird durch zwei Säulenreihen mit jeweils sieben achteckigen Säulen geprägt. Die Zahl sieben steht für bestimmte Ereignisse in der Heiligen Schrift, z.B. die sieben Schöpfungstage, die sieben Plagen, die sieben Sakramente, die sieben Siegel in der Offenbarung. Die zwei mal sechs Fenster an den Längsseiten der Kirche sollen an die zwölf Apostel erinnern.
Hochaltar
Der Salzburger Architekt Josef Wessicken wird als Entwerfer des 1881 in Form eines gotischen Schreins fertig gestellten Hochaltars vermutet.
Zu Seiten der Kreuzigungsszene sind die Heiligen Josef und Johannes der Täufer (Kirchenpatron) dargestellt. Über der Kreuzigungsgruppe ermöglicht eine offene Nische den Durchblick auf ein Glasfenster, in dem Christus als Heiland der Welt dargestellt ist.
Die Kreuzigungsgruppe wird an hohen Marien-Feiertagen durch eine Statue der Gottesmutter Maria bzw. in der Osterzeit durch den auferstandenen Jesus ausgetauscht.
Seitenaltäre
Beide Seitenaltäre sind der Gottesmutter Maria geweiht. Der rechte der „Unbefleckten Empfängnis Mariä“, der linke der „Rosenkranzkönigin“. Der linke Seitenaltar zeigt auch Szenen aus dem Alten Testament: Gideon mit dem Lamm sowie Mose und der brennende Dornbusch.
Rechts über dem Altar ist ein fast 5 Meter hohes Gemälde mit dem Titel „Jesus am Ölberg“ angebracht. Dieses Gemälde stellt den thematischen Beginn des anschließenden Kreuzweges dar. Über dem linken Altar bildet das ebenso hohe Gemälde „Auferstehung Jesu“ den Abschluss des Kreuzweges.
Predigtkanzel
Die Kanzel wurde 1890 im neugotischen Stil errichtet. Sie besteht aus einem Kanzelfuß und Kanzelkorb und ist mit einem Schalldeckel versehen. Im Kanzelkorb sind die Reliefs von Christus und den vier Evangelisten angebracht. Den Schalldeckel zieren die Figuren des Moses sowie der Heiligen Petrus und Paulus.
Kreuzweg
Der Kreuzweg ist in 14 Reliefbildern dargestellt und befindet sich an den Längsseiten der Kirche. Geschaffen wurde er vom Grödner Bildhauer Johann Rifesser.
Lourdeskapelle
Im rechten Turmuntergeschoss ist die, während der Innenrenovierung (1962-1967) neu gestaltete Lourdeskapelle untergebracht. In dem eher kleinen Raum befindet sich ein Schrein mit Reliquien der Hl. Bernadette von Lourdes, eine marmorne Madonna von Otto Katzlberger und eine von Jakob Adlhart geschaffene Skulptur „Christus im Grab“. An der Wand erinnert eine Gedenktafel an den in St. Johann im Pg. verstorbenen Dechant Karl Völk.
Friedhof
In der Regel waren die geweihten Begräbnisstätten unmittelbar um die Kirchen herum angeordnet. So war es ursprünglich auch in St. Johann. 1807 sollte der Friedhof verlegt werden, wurde dann aber nur erweitert. Infolge des Kirchenneubaues nach dem Brand im Jahre 1855 wurde der Friedhof von seiner alten Stelle entfernt und jenseits der Wagrainer Straße angelegt.
Besonderheit – Wochenstube für größte heimische Fledermausart
Im St. Johanner Dom befindet sich die größte Wochenstube des Großen Mausohrs, unserer größten heimischen Fledermausart. Seit 1998 werden die Mausohren, die im Dom leben und ihre Jungen aufziehen, regelmäßig gezählt. Bisher wurden zwischen 600 und 800 Mausohrweibchen beobachtet. Bei der im Juni 2010 stattgefundenen Zählung durch Experten der Salzburger Naturschutzabteilung konnte ein Ergebnis von 850 ausfliegenden Fledermäusen erreicht werden. Dies ist der absolute Rekordwert für Fledermaus-Wochenstuben in Salzbug.
Den Winter verbringen die Flattertiere in der Naturhöhle Entrische Kirche in Klammstein in Dorfgastein.
Gottesdienstzeiten
- Samstag 19.00 Uhr (Winterzeit 18.00 Uhr)
- Sonntag 9.00 und 19.00 Uhr
- Fatimafeier an jedem 13. des Monats um 19.00 Uhr
Quellen
- Stadtbuch St. Johann im Pongau
- Chronik von St. Johann im Pongau
- Kirchenführer der Pfarre St. Johann im Pongau
- Pongauer Nachrichten