Khuen von Belasy

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Die Khuen von Belasy (auch: Kuen …, auch: … Belasi, Belassy, Belassi udgl.) sind ein Südtiroler Adelsgeschlecht, das neben mehreren Salzburger Domklerikern insbesondere einen Erzbischof (1560 bis 1586), Johann Jakob Khuen von Belasy, stellte.

Inhaltsverzeichnis

Name und Herkunft

Khuen ist (hier) eine Kurzform des Vornamens Konrad[1]. Der Namenszusatz „von Belasi“ weist auf den seinerzeitigen Stammsitz Castel Belasi[2] im Trentiner Nonstal (Val di Non), Gemeinde Campodenno, hin.[3]

Die im Jahr 1560 erfolgte Wahl des Domherrn Johann Jakob Khuen von Belasy zum Erzbischof von Salzburg leitete eine nahezu zweihundertjährige Epoche der Dominanz von Südtiroler Adelsgeschlechtern (Khuen von Belasy, Welsperg-Raitenau, Wolkenstein, Lichtenstein, Lodron, Spaur, Thun-Hohenstein, Firmian ua.) im Salzburger Domkapitel ein, die, vielfach miteinander versippt, in dieser Epoche zahlreiche Salzburger Domherren sowie überwiegend die Salzburger Erzbischöfe stellten.

Verschiedene Linien

Eine Schlüsselstellung in der Genealogie der Khuen von Belasy nimmt Pankraz Khuen von Belasi (* 1443, † 14. Jänner 1520) ein. Er war Pfleger von Naudersberg[4] und verheiratet mit Potentiana von Firmian.

Pankraz Khuen wurde von Kaiser Maximilian I. im Jahr 1513 mit Lichtenberg (Vinschgau) belehnt, nachdem er sich als Hauptmann des Nons- und Sulztales (beides im westlichen Trentino) bewährt hatte. Pankraz ließ die Wehranlage modernisieren und ausbauen. Als Huldigung an Kaiser Maximilian ließ er das kaiserliche Wappen und das Allianzwappen der Khuen und Firmian anbringen.[5] Er hatte die Söhne

1573 wurden dieses Jakobs Söhne Hans († 1578), Rudolf († 1581) und Jakob († 1593) mit Mathias’ Sohn Blasius († 1578) in den Reichsfreiherrenstand erhoben als „Khuen von Belasi zu Lichtenberg, Freiherren auf Neuen Lempach“ (Neulengbach, Niederösterreich, 1567 dem Rudolf Khuen pfandweise verliehen).[1] Aber auch Oberstkämmerer Matthias Khuen von Belasi († 1578) erhielt am 21. Juli 1573 den Reichsfreiherrnstand.

Johann Jacobs (III.) († 1607) Söhne (Hans) Georg († 1643/47) und (Hans) Jakob (IV.) († 1639) wurden mit zwei Diplomen vom gleichen Datum, Regensburg 30.10.1630, in den Reichsgrafenstand erhoben; der erstere mit dem Prädikat „von Lichtenberg“, der andere mit dem Prädikat „von Lichtenberg und Gandegg“.[1]
Nach anderer Lesart wurden Johann Jacobs (IV.) (* 1589, † 1639) Söhne Matthias, Karl Balthasar und Leopold nebst ihrem Vetter Jakob (?) am 27. Juli 1640 in den Reichsgrafenstand erhoben.[6]

Nochmals mit stärkerer Verzweigung:
Pankraz

Schloss Lichtenberg und Schloss Gandegg blieben jahrhundertelang die Hauptsitze verschiedener Zweige der Familie.

Übersichtsweise sind die von Pankraz Khuen von Belasi und Potentiana von Firmian ausgehenden Linien die folgenden:

Pankraz Khuen von Belasi (* 1443, † 1520), verh. mit Potentiana von Firmian[8]

Die Khuen von Belasy im Salzburger Domkapitel

In zeitlicher Ordnung waren die Khuen von Belasy im Salzburger Domkapitel wie folgt vertreten:

Die böhmische (österreichische), dann slawonische Linie

Johann Jacob (IV.) Khuen von Belasi (* 1589, † 1639) hatte sich mit der Herrschaft Landstein (1639 – 1668) in Böhmen ansässig gemacht, und seine Linie wurde daher die „böhmische“ genannt, bis nach dem Tode seines Ururenkels Anton Franz Grafen Khuen von Belasy (* 2. September 1732, † 5. Juni 1788), der zu Agram (Zagreb, Kroatien) an seinen beim Sturm auf Dubica erlittenen schweren Wunden gestorben war, dessen Witwe Josefa[19] 1796 von seiner Witwe verkauft wurde. Ihr Sohn Anton (II.) (* 29. Juli 1783 Wien, † 23. Februar 1823 Preßburg) heiratete Karoline Viczay de Loós et Hédervár (* 1789 Hédervár, † 1839 Nustar), die ihm die Kinder Maria (*1811), Heinrich (*1812), Anton Leopold (* 1817) und Karl (*1818) schenkte. Anton Leopolds Sohn Karl (* 23. Mai 1849, † 1918), ungarischer Ministerpräsident, erbte von seinem Onkel, dem letzten Grafen Viczay, die Herrschaften Vicza und Hédervár in Ungarn, worauf er sich ab 1874 nach Namens- und Wappenvereinigung Grof Khuen-Belasi-Héderváry nannte.[1]

Eine Pinzgauer Linie (Dietrich Kuen von Belasy)

Von einem Neffen des Erzbischofs, dem oben genannten Dietrich Kuen von Belasy (verh. mit Ursula Maria von Silberberg, s.o.), ging eine (hier so genannte) Pinzgauer Linie aus, die (nach 1722) mit Max Johann Preisgott Khuen von Belasy erlosch.[20] Zu dieser Linie liegen folgende bruchstückhafte Informationen vor[21]:

1590 oder 1598 erwarb Dietrich Kuen von Belasy das am Nordufer der Zeller Sees gelegene Schloss Prielau; zwischen 1610 und 1614 kaufte er die zwei Güter Kammerhof und baute sich dort das Schloss Kammer.

1624 baute Christoph Khuen von Belasy Schloss Lichtenau zu einem typischen Salzburger Ansitz aus. Bis 1663 blieb Schloss Lichtenau im Besitz der Khuen von Belasy.

Freiherr Karl Khuen kaufte 1640 Schloss Rosenberg in Zell am See. Nach seinem Tod konnte sein Sohn Wolf Wilhelm Khuen das Erbe krankheitsbedingt nicht antreten, weshalb es 1662 an die Familienmitglieder und Brüder Hans Sigmund und Erasmus Khuen von Belasy überging. Nach deren Tod verkauften es die beauftragten Kuratoren 1670 an Freiherr Georg Dietrich Khuen zu Kammer. Von dessen Töchtern wurde das Schloss 1706 an Maximilian Johann Preisgott Graf Khuen zu Kammer und Prielau übergeben, der es bis 1716? besaß.

1722 verkaufte Max Johann Preisgott Khuen von Belasy den gesamten zwischen Zell am See und Saalfelden gelegenen Besitz an das Bistum Chiemsee.


Verschiedene Personen

Johann Franz Graf Khuen von Belasi (* 12. August 1649 in Hall in Tirol; † 3. April 1702 in Brixen), Sohn von Johann Franz Khuen von Belasi und Margarete geb. von Trapp, war von 1685 bis 1702 Fürstbischof von Brixen.[22]

Johann Ernst (auch: Josef Ernst[23]) Warmund Graf Khuen von Belasy († 26. August 1709) war von 1702 bis 1709 Komtur (Kommandeur) des St. Ruperti-Ritter-Ordens. Er fiel in einem zwischen kaiserlichen und französischen Truppen im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges vorgefallenen Gefecht am Rhein.[24][25]

Khuen von Auer

Gleichen Ursprungs wie die Khuen von Belasy waren die Khuen von Auer (Aur), deren Geschlecht mit Arnold (†1380) begann und im Jahr 1762 mit Johann Franz Anton im Mannesstamm erlosch.

Quellen, Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Friedrich Lanjus, Die blühenden Geschlechter des österreichischen Uradels, Abschnitt „Khuen von und zu Belasi, Grafen von Lichtenberg“.
  2. Vgl. Castel Belasi auf www.tr3ntino.it, und auf www.questotrentino.it; sowie „Cenni Storici“ auf www.comune.campodenno.tn.it – von 1368 bis in die 1950er-Jahre im Familienbesitz.
  3. Der Name mag ungarisch anmuten und es gab in der Tat eine ungarische ("slawonische") Linie dieses Geschlechts, die Wurzel des Namens ist aber romanisch und wohl vom griechischen Namen Blasius abgeleitet.
  4. Schloss Naudersberg in Nauders am Reschenpass, Tiroler Oberland.
  5. „Die Grafen“ auf schlosslichtenberg.com.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 Franz von Krones, Artikel „Khuen“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 708–709;
  7. Bezeichnung „freiherrliche Linie“ nach Franz von Krones; da diese Linie 1622 erlosch, konnte sie an der 1630 bzw. 1640 erfolgten Grafenstandserhebung der Nachkommen Hans Jakobs (I.) keinen Anteil haben.
  8. 8,0 8,1 8,2 Die bei Johann Riedl - Salzburg's Domherren. Von 1514-1806, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK) 7, 1867, S. 122-278 - wiedergegebenen Aufschwörungsstammbäume 95, 96, 97 und 99 geben ein klares Bild der Abstammungsbeziehungen der dieser Familie entstammenden Domherren bis zu ihrem Vorfahren Pankraz Khuen von Belasy, enthalten aber keine sonstigen biographischen Angaben wie zB Jahreszahlen. Von Johann Jakob (V.) fehlt der Aufschwörungsstammbaum; dass er Bruder Franz Carls war, berichtet Riedl an anderer Stelle (aaO S. 145 Nr. 95).
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 9,6 9,7 9,8 9,9 „Khuen“ auf patricus.info enthält zahlreiche präzise Angaben von Namen und Lebensdaten.
  10. Nach Franz von Krones „Letzter der freiherrlichen Linie“.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 Geneall.net-Eintrag „Johann Baptist Freiherr Khuen von Belasi“.
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 12,5 Johann Riedl (aaO S. 126 ff, insb. S. 146) macht knappe biographische Angaben, insbesondere aber solche zu Erwerb und Resignation des jeweiligen Kanonikats.
  13. „Die Grafen“ auf schlosslichtenberg.com..
  14. http://www.geneall.net/D/per_page.php?id=555469
  15. Geneall.net
  16. Geneall.net
  17. Zur Genealogie: http://our-royal-titled-noble-and-commoner-ancestors.com/p4463.htm.
  18. Urgroßmutter der Salzburger Fürsterzbischöfe Guidobald Graf von Thun und Hohenstein und Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein, vgl. deren Aufschwörungsstammbäume (Nr.n 267 und 265) bei Johann Riedl, aaO.
  19. Geb. 1759 in Sopron als Maria Jozefa Sándor de Szlawnicza, Tochter des Antál Sándor de Szlawnicza und der Eszter Viczay de Vicza, † 26. August 1803 in Graz als Gräfin Attems.
  20. Beitrag von Ivo Khuen am 9. Oktober 2011 auf der Diskussionsseite Johann Jakob Khuen von Belasi.
  21. Salzburgwiki-Artikel Schloss Prielau, Schloss Kammer und Schloss Lichtenau
  22. Vgl. den Wikipedia-Artikel „Johann Franz Graf Khuen von Belasi“.
  23. Anton von Schallhammer, Das erzbischöflich salzburgische Kriegswesen, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 7, 1867, S. 24-45 (37).
  24. Corbinian Gärtner, Geschichte und Verfassung des im Jahre 1701 für den Salzburger Adel errichteten, militärischen Ruperti-Ritter-Ordens. Salzburg, Mayrische Buchhandlung 1802. S. 189.
  25. Als Ordenskomtur war er vermutlich Salzburger und könnte daher der vorhin erwähnten, ungenügend erschlossenen „Pinzgauer Linie“ zuzurechnen sein.
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