KTM-Motorfahrzeugbau KG, Kronreif & Trunkenpolz Mattighofen

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1. Mai Rennen 1958 : der rollende Verkaufswagen des Motorenwerkes KTM - eine Idee von Ernst Kronreif, der das Marketing von KTM machte
KTM alt-neu Fahrradpräsentation in Mattighofen

Die Fahrrad-, Moped- und Motorradfirma KTM-Motorfahrzeugbau KG, Kronreif & Trunkenpolz Mattighofen wurde 1934 in Mattighofen im Innviertel, Oberösterreich gegründet. Am 23. September 2012 gewann Matthias „Hiashi“ Walkner aus Kuchl auf KTM den MX3-Motocross-Weltmeistertitel 2012, 27 Jahre nach dem letzten Gewinn eines Österreichers (Heinz Kinigadner).

Geschichte

1934 gründete der Innviertler Hans Trunkenpolz am Marktplatz von Mattighofen eine Schlosserwerkstätte. 1937 folgte der Verkauf von DKW-Motorrädern, 1938 der Automarke Opel. Während des Krieges führte seine Frau den Betrieb, der sich auf die Instandsetzung von Dieselmotoren für die Wehrmacht spezialisiert hatte.

Nach dem Krieg, 1952, die Reparaturaufträge waren stark rückläufig, begann die Idee des eigenen Motorrads Gestalt anzunehmen. Ein Jahr später stand der erste Prototyp mit einem 98-cm³-Sachs-Motor aus dem Gunskirchner (Oberösterreich) Rotax-Werk auf den Rädern - die "Moser R 100". Aufgrund der kriegsbedingten, politischen Nachwehen konnte Trunkenpolz (noch) nicht seinen früheren Firmennamen "KTM" führen, sondern war der Kompagnon von Moser.

Der Name KTM war aber schon seit 1934 existent, noch ehe der 1953 neu hinzukommende Kompagnon Ernst Kronreif I., aus Hallein-Taxach, in die Firma eintrat. Der dann langjährig gültige volle Firmen-Wortlaut war "KTM-Motorfahrzeugbau KG, Kronreif & Trunkenpolz Mattighofen ". Vorher bedeutete KTM: "Kraftfahrzeuge, Trunkenpolz, Mattighofen". Es gibt auch Quellen (Typenscheine), in denen vor 1953 KTM "Kraftfahrzeuge, Trunkenpolz, Moser" ausgelegt wird.

Es folgten die Jahre der Motorräder "Tarzan", "Mustang" und der kleinen 125 cm²-Rennmotoren, zunächst mit umgebauten MV-Agusta-Motoren, später vom österreichischen Konstrukteur Ludwig Apfelbeck konzipierten Rennmotor. Erwin Lechner wurde zum bekanntesten KTM-Rennfahrer der 1950er-Jahre neben Ernst Kussin, Albert Brenter, Edi Kranawetvogl, Paul Schwarz und anderen.

Schon 1955 kam der Motorrad-Roller "Mirabell" auf dem Markt. Dem folgte 1957 der erste Moped-Roller der Welt (!), der "Mecky" und 1960 schließlich der bekannte "Pony-Roller" (es gab Pony I und Pony II, der 1962 heraus kam).

1958 versuchte der Salzburger Landeshauptmann Josef Klaus vergeblich, KTM zur Ansiedlung in Hallein unter Beteiligung der Grill-Werke zu bewegen. Es scheiterte daran, dass Grill nicht die Freigabe der Entschädigungssumme vom Finanzminister erhielt.

1962 starb Hans Trunkenpolz völlig überraschend. Sein Sohn Erich, der seit 1955 im Unternehmen tätig war, übernahm die Firma und führte sie bis zu seinem Tod 1989. Bereits 1960 war der rührige, am Vertriebssektor unermüdlich agierende Gesellschafter Ernst Kronreif I. verstorben.

Die bereits Ende der 1960er Jahre einsetzende Krise bei Mopeds und Motorrädern - man konnte sich mittlerweile auch ein (kleines) Auto leisten - führte auch bei KTM zu großen Problemen um 1960. Doch Erich Trunkenpolz setzte auf neue Produkte und Märkte. 1961 begann man mit dem Bau und Export eines "Schweizer Mofas" in die Schweiz. Der "Pony II"-Roller war 1962 das richtige Produkt zur richtigen Zeit und 1964 wurde mit der Fahrradproduktion in Mattighofen begonnen.

Den Motorsport hatte man auch nicht aus den Augen gelassen. Man setzte nun auf Geländemaschinen, war im Wertungssport und bei Moto-Cross-Veranstaltungen vertreten. Vor allem mit dem Modell "Comet" wurden zahlreiche Erfolge nach Hause gebracht. 1967 formierte sich eine neues Geländesport-Team bei KTM. 1968 begann die Serienfertigung einer echten und vollkommen neuen Geländesportmaschine, der "Penton". 1972 konnte man unter folgende KTM-Modellen für den "normalen" Gebrauch wählen: Comet-Racer, Comet 500, Comet 502, Comet 504 S, Comet Cross, Minicross, Hobby 2 und Pony Super 4.

1975 kam das Modell 125 RS für die Straße heraus. Es war das erste Modell mit Druckgussrädern und Scheibenbremsen (anfangs nur vorne).

1980 wurde der Firmenwortlaut nochmals in "KTM Motor-Fahrzeug KG" geändert. Nach dem Tod von Erich Trunkenpolz 1989 kam es dann 1991 zum Konkurs des Unternehmens. 1992 wurde das Unternehmen unter dem Sanierer Dipl.-Ing. Stefan Pierer neu strukturiert und ist heute (2008) der zweitgrößte Motorradhersteller Europas hinter BMW[1].

KTM Werk in Mattighofen
KTM Teilezentrum in Mattighofen, Aufnahme Okt. 2012

Modelle (Auswahl)

1953 wurde mit der Produktion eines KTM-Leichtmotorrads begonnen. Das Fahrzeug wog 61 kg und lief etwa 60 km/h Spitze, der Preis betrug öS 6.500.-- (ca. € 480.--).

Fahrräder und Mofas

Hobby automatic HS 26 Herrenfahrrad DS 26 Damenfahrrad

Mopeds

Mirabell, 1955, ein 125 cm² Motorrad-Roller
Mecky, 1957, der erste Moped-Roller der Welt (!) mit Sachs Motor
Pony I, 1960
Pony II, 1962, gab es zunächst mit üblicher Fußschaltung, später mit einem Wipp-Fußschalter
Comet, 1964, das erste Sport-Moped mit gebläsegekühltem Puch-Motor, Mitte der Siebziger Jahre dann "Comet Grand Prix RS" mit Druckgussrädern und Scheibenbremsen

Motorräder

Straßenmotorräder

Tarzan, 125 cm³
KTM Tourist, 1955, 125 cm³
Mustang, 125 cm³ 1959 ....

Moto-Cross

Penton, 1968
Modell 495 MC 1982 mit 56 PS

Rennsportliche Erfolge

1954 - 1959

Bereits 1954 bei der "Internationalen Alpenfahrt" waren schon zwei 125-cm³-KTM-Tourist-Motorräder mit fußgeschaltenen Dreigang-Rotax-Motor dabei.

Der erste motorsportliche Erfolg stellte sich bereits im Sommer 1953 ein. Bei der Wertung quer durch das untere Mühlviertel gingen die Plätze ein bis vier in der Klasse bis 100 cm³ an KTM: 1. Erich Trunkenpolz, 2. Hans Trunkenpolz (Stiefbruder von Erich), 3. Ernst Kussin, 4. F. Teufl. Bei der Gaisberg-Wertungsfahrt im selben Jahr gingen die Plätze zwei bis fünf (Alois Hoffmann, Erich Trunkenpolz, Erwin Lechner, Ing. Hitzl), sowie acht (Leopold Kaidsch, der als Einbeiniger Rennen fuhr) an KTM. Die beiden Ränge dazwischen wurden vom schärfsten Salzburger Konkurrenzmodell der damalige Zeit belegt: zwei HMW (Halleiner Motorenwerk)-Mopeds!

1954, beim Straßenrennen von Mattighofen, am 25. April, gewann Erich Trunkenpolz die 125-cm³-Tourenmaschinen-Klasse mit einem Schnitt von 74,481 km/h. Erwin Lechner fuhr noch auf Puch, mit der er die 175-cm³-Tourenmaschine-Klasse vor Erich Trunkenpolz auf KTM gewann. Auch Ernst Kussin war dabei: auf Norton 500 gewann er in der Klasse über 350 cm³.

Es folgte der Sieg von Erich Trunkenpolz in der 125-cm³ beim Straßenrennen in Hallein am 2. Mai, Zweiter wurde Hoffmann vor Edi Kranawetvogl (beide auf KTM). Kranawetvogl gewann auch die 100-cm³-Klasse vor Sauseng, ebenfalls auf KTM, 3. wurde Adolf Golser auf einem Moped. Die österreichische Alpenfahrt wurde von Albert Brenter und Edi Kranawetvogl auf KTM 125 bestritten. Dabei gewann Brenter in der 125 cm³ Klasse.

1955 erfolgte der Einstieg in den Straßenrennsport. Das KTM Team trat mit der - neuen - KTM Tourist erstmals bei der Wintertourenfahrt des ÖAMTC an, gewann zwei Goldmedaillen (Kranawetvogl, Lechner) und drei Bronzemedaillen (Schwarz, Pfeiffer und Inge Weikinger, die spätere Gattin von Edi Kranawetvogl). Und so ging es dann auch weiter: “Vom Bisamberg zur Höhenstraße”, Straßenrennen St. Pölten, Straßenrennen Mattighofen und natürlich beim 1. Mai Rennen in Salzburg, um nur einige der Rennen aufzuzählen, bei denen es für KTM stets die Plätze unter den ersten drei oder vier gab. Mit einer Vollverkleidung versehen, waren die KTM-Renner (mit MV-Agusta-Motoren) die Sensation beim 1. Rupert-Hollaus-Gedächtisrennen am 1. Mai 1955 auf dem Autobahnrundkurs Salzburg-Liefering. Paul Schwarz und Erich Trunkenpolz, der Sohn des Firmengründers, belegten die Plätze eins und zwei. Weitere bekannte Salzburger Rennfahrer, die KTM fuhren, waren Edi Kranawetvogl und Albert Brenter (Hallein).

1956 gab es mit Kurt Statzinger (Wiener Neustadt) und Egon Dornauer (Hallein) die beiden ersten Goldmedaillen bei den "Six Days". Franz Albert (Wörgl, Tirol) gewann das Zeller Eisrennen und das Straßenrennen in Mattighofen. Paul Schwarz hielt beim 1.-Mai-Rennen in Salzburg tapfer mit und wurde 5. im Rennen, das der deutsche August Gustl Hobl auf DKW gewann.

KTM wird Orange

Ernst Kronreif I., der stets auf der Suche nach neuen Ideen zur werbewirksamen Bekanntmachung von KTM war, kam auch auf die Idee, als Firmenfarbe Orange zu wählen. Zur "Six Days" erschien Kronreif mit einem Kastenwagen, einem Porsche 1300 und seinem Lancia Spyder - alle waren blau/orange lackiert! Aufregung gab es dann am ersten Abend der "Six Days". Der Porsche war weg! Brenter hatte ihn vor seinem Quartier stehen und den Zündschlüssel stecken lassen. Die Polizei suchte den Wagen zwei Stunden lang, bevor sie den Dieb fasste: es war Paul Schwarz vom KTM-Team, der sich den Porsche für eine "dringende" Fahrt ausgeliehen hatte. Da er weder Papiere noch Pass bei sich hatte, wurde er vorübergehend verhaftet.

1957 gewann KTM erstmals die österreichische Motorrad-Straßenmeisterschaft der 125-cm³-Klasse mit einer Vier-Takt-Rennmaschine, die bei 12 000 U/min 18 PS leistete. Schon im Februar beim "Porsche Gedächtnis Rennen" am Zeller See dominierten KTM-Maschinen: In der 125-cm³-Klasse Skijöring siegte Paul Schwarz vor Manfred Magnus und Erwin Lechner (alle drei auf KTM), in der Klasse bis 175 cm³ Skijöring wurde Schwarz Vierter und Lechner Sechster. Mit den 125-cm³-Maschinen wurde dann auch noch im Eisrennen bis 175 cm³ durch Franz Albert der Sieg und durch Schwarz ein zweiter Platz heraus gefahren; Lechner wurde in diesem Rennen Vierter. In den Rennen bis 250 und 350 cm³ konnten die 125-cm³-Modelle noch jeweils Zweite werden mit Albert (250 cm³) und Lechner (350 cm³). Dabei konnte Erwin Lechner mit seiner 125er sogar Maxwald auf seiner 350er AJS hinter sich lassen.

Beim internationalen Motocross von Riga, UdSSR (heute Hauptstadt von Lettland), einer der größten Veranstaltungen im damaligen Ostblock, kamen alle fünf gestarteten KTM-Teilnehmer ins Ziel. Erwin Lechner in der 125-cm³- Klasse wurde 7., Kurt Statzinger 9., Edi Kranawetvogl in der 175-cm³ Klasse sogar 2. !!, Inge Weikinger wurde 10.

1958 gewann KTM bereits zum vierten Mal die Geländesport-Staatsmeisterschaft in der Klasse bis 125 cm³. Bei der Sechstagefahrt in Garmisch (Bayern) holte sich KTM die Silbermedaille. Erwin Lechner mischte in den folgenden Bewerben mit: bei der ersten Frühjahrsfahrt des Oberösterreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring-Club in Engelhartszell wurde er Sieger; Eisenstädter Bergwertung - überlegener Sieger; Motocross in Judenburg - Sieger, Kapfenberger Schlossbergrennen - Sieger. 1958 brachte Erwin Lechner zahlreiche Erfolge im Geländesport für KTM mit dem neuen KTM-Rennmotor nach Hause, der vom Österreicher Ing. Ludwig Apfelbeck konstruiert wurde. Apfelbeck wurde schon 1955 von Trunkenpolz ins Unternehmen geholt.

1959 begann mit zwei Siegen und einem zweiten Platz beim Zeller Eisrennen. Im Laufe des Jahren gewann Erwin Lechner mehrmals oder belegte zweite, dritte oder vierte Plätze: Kapfenberger Schlossrennen, Waldviertler Wertungsfahrt, Flugplatzrennen Zelt-weg, Sollböck-Bergwertung bei Scheibbs, internationale Berglandfahrt, Enzian-Wertungsfahrt und und und;

1960 - 1999

Nicht mehr erlebte Kronreif aufgrund seines unerwartet frühen Todes am 24. Mai 1960 die Erfolge dieses Jahres. Lechner gewann entweder die Rennen, in denen er startete oder wurde Zweiter. Beim Flugplatzrennen Zeltweg fuhr er auf dem 3,2 Kilometer langen Rundkurs die schnellste Runde mit einer Schnittgeschwindigkeit von 112,94 km/h auf der 125-cm³-Maschine in der 175 cm³ Klasse.

Seit 1965 engagierte sich KTM dann im Geländesport, wo die Firma bis heute noch Welterfolge erzielt. 1967 formierte sich eine neues Geländesport-Team bei KTM: Siegfried Stuhlberger, Gerhard Weber, Hans Trunkenpolz (Halbbruder von Erich Trunkenpolz) und Toni Kiemeswenger. 1968 begann die Serienfertigung einer echten und vollkommen neuen Geländesportmaschine, der "Penton". 1970 wird Manfred Klerr auf einer 250-cm³-Maschine österreichischer Staatsmeister im Gelände. Ein Jahr später gelingen die ersten Weltmeisterschaftspunkte im Moto-Cross-Sport und zwei Moto-Cross-Staatsmeistertitel.

Mit den Russen Moiseev und Roulev gelang 1973 KTM ein guter Griff und es gab mehrmals Weltmeisterschaftspunkte. Und schließlich folgte 1974 der erste Weltmeistertitel in der 250-cm³-Klasse mit Gennadij Moiseev aus (damals) Leningrad (heute St. Petersburg) in der (damals) UdSSR (heute Russland). Auch 1977 und 1978 holte sich KTM den Weltmeisterschaftstitel in dieser Klasse. 1984 wurde Heinz Kinigadner 250 cm³-Weltmeister im Moto-Cross.

21. Jahrhundert

2003 schließlich stieg KTM in die Straßen-Motorrad-Weltmeisterschaft mit einer 125 cm³ Maschine ein.

Am 23. September 2012 sicherte sich Matthias „Hiashi“ Walkner aus Kuchl MX3-Motocross-Weltmeisterschaftstitel 2012.

KTM Historic Sternfahrt

Plakat für das 4. Oldtimer-Treffen für Automobile und Motorräder 2012

In Erinnerung an einen der beiden Mitbegründer, Ernst Kronreif I., veranstaltete sein Sohn, Ernst Kronreif II. zusammen mit der KTM Austria Historic Interessensgemeinschaft mit Obmann Peter Frohnwieser aus Salzburg-Gnigl (Zweirad Frohnwieser) erstmals am 24. Mai 2009 die KTM Sternfahrt zum Gasthof Hohlwegwirt.

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. die in München, Bayern beheimatete deutsche Motorradfirma wurde 1916 gegründet und stellte schon 1929 "das schnellste Motorrad der Welt" her. Im Straßenrennsport brachte ihr jedoch erst die 1935 entstandene Konstruktion von Oberingenieur Schleicher den Durchbruch an die Spitze. 1938 errang Schorsch Meier mit einer BMW 500 Kompressor Werk-Rennmodell den Europameistertitel und gewann 1938 die Senior TT als erster Ausländer auf einer nicht-englischen Maschine