Heustadel

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Der Heustadel im Mitterpinzgau, Ritzenpost 10
Heustadel mit Leichenbrettern am Weg nach Ramseiden

Heustadel dienen der Bergung und Zwischenlagerung des Futterheus auf Futterwiesen und Almen in den Salzburger Berggebieten.

Beschreibung

Heustadel sind einfache kleine Rundholzblockbauten, die auf einem Klaubsteinsockel oder lediglich auf Ecksteinen aufgesetzt sind. Heute meist mit Dachziegeln eingedeckt, war das Dach früher als Schwerdach ausgeführt. Heustadel haben in der Regel zwei Öffnungen, die an der Rückseite und an der Vorderseite liegen und der Ein- und Ausbringung des Heus dienen. Die Seitenwände sind geschlossen. Die Räume zwischen den Rundhölzern werden nicht abgedichtet. Unter dem Einstiegsloch befinden sich manchmal Ausnehmungen, die als Aufstiegshilfe dienen.

Verwendung

Der Bergeraum in den Wirtschaftsgebäuden der Bauernhöfe konnte nicht das gesamte, für das Vieh im Winterhalbjahr benötigte Heu aufnehmen. Auch war es vor der Mechanisierung während der Heuernte, die immer unter Wetterdruck stand, nicht möglich, Heu von Wiesen, die vom Hof mehr oder weniger entfernt lagen, in das zentrale hofeigene Wirtschaftsgebäude einzubringen. Es wurden daher auf den Viehweiden Heustadel errichtet, in denen das dort gewonnene Heu gelagert und erst bei Bedarf im Winter zum Hof gebracht wurde. Das Heu wurde in mit Stricken gebundenen Ballen auf „Achsel und Kopf“ in die Heustadel eingetragen oder mittels Heugabel vom Heuwagen aus eingeworfen. Heute sind viele Heustadel bereits abgekommen oder werden dem Verfall preisgegeben, weil sie auf Grund veränderter Wirtschaftsweise nicht mehr benötigt werden und ihre Erhaltung ohne Verwendungszweck zu arbeitsaufwändig und kostspielig ist. Das Abkommen der Heustadel bedeutet einen kulturellen Verlust, da sie optisch die Bergweidelandschaft als Kulturlandschaft geprägt haben und zum Teil noch prägen, gehört aber zu jenen Veränderungen, die sich durch eine mechanisierte und rationalisierte Landwirtschaft in den Berggebieten zwingend ergeben.

Heuziehen

Von den hochgelegenen Heustadeln wurde im Hochwinter „zeitig am Morgen“, wenn der Schnee noch hart ist, das Heu „auf einen 20 m langen, richtig ausgelegten“ Strick „gefasst“, mit einem Kloben und zwei „Taschln“ zusammengebunden zu einem „Bun“ (100 kg, „4 Schuh breit und 5 Schuh lang“). Das zweite Bun wird auf das erste schräg aufgelegt, dass es hinten schleift. In flotter Fahrt geht es zu Tal, an flachen Stellen wird das „Heubrett“, das hinten am Bun befestigt ist, unter den Bun geschoben; gebremst wird mit dem birkenen „Dillstecken“.“

Bildergalerie

Literatur

  • Herbst, Hubert: Der Heustadel im Mitterpinzgau, Ritzenpost 10, HG Saalfeldener Museumsverein Schloss Ritzen

Quellen

  • Eigenartikel von Christina Nöbauer
  • Richard Treuer, "Bergheimat Pinzgau", Verlag der Salzburger Druckerei, Salzburg 1977