Hans Matsperger

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johannes "Hans" Matsperger (* unbekannt; † 1514) war Fernhändler und einer der markantesten Bürgermeister von Salzburg.

Abstammung und Herkunft

Die Wurzeln der Familie Matsperger liegen vermutlich auf dem Gut Matsperg im ehemaligen Gerichtsbezirk Altentann (heutige Gemeinde Henndorf am Wallersee). Im 15. Jahrhundert kauften sie sich in Salzburg an und wurden zu angesehenen Kaufleuten und Bürgern. Sie besaßen Häuser in der Linzer Gasse, in der Judengasse, am Rathausplatz, in der Getreidegasse, in der Nonntaler Hauptstraße und in der Steingasse, wobei die Häuser in der Judengasse auch als Gewölbe und Speicher für ihre Kaufmannsgüter benützt worden sein dürften.

Die bekanntesten Vertreter dieses Geschlechts waren der Stadtrat Erasmus Matsperger der Ältere, dessen Sohn Erasmus Matsperger der Jüngere (bedeutender Kaufmann; v. a. im Fernhandel mit Venedig) und Hans Matsperger. Die geneaologische Zuordnung des Hans Matsperger gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Heinz Dopsch gibt ihn als Sohn des Erasmus d. Ä. und als Bruder des Erasmus d. J. an.(1). Michaela Krissl (2) wiederum stellt ihn in ihrem Aufsatz als Sohn des Heinrich († 1484; Bruder des 1503 verstorbenen Hans Matsperger des Älteren) und dessen Frau Katharina († 1482) und als möglichen Bruder eines Ruperts († 1487), eines Heinrichs und einer Erentrud an. Neben fehlenden Aufzeichnungen erschweren auch die verschiedenen Namensschreibweisen (Matsperger, Matschberger, Matschenberger, Matsberger, Matzsperger, Mätsperger, Mäczenperger) eine Zuordnung.

Biographie

Berufliche Tätigkeiten

Hans Matsperger war als Kaufmann im Fernhandel, u. a. auch mit der Lagunenstadt Venedig aktiv. Später beteiligte er sich, wie viele weitere Salzburger Bürger, als Gewerke am florierenden Bergbau in Gastein. Den Handel mit Venedig verfolgte er aber weiterhin und war 1508 einer der ersten Salzburger, die in dem, nach einem Brand neu errichteten, Fondaco dei Tedeschi Gewölbe pachteten.

Politische Ämter

1498(3), 1501 und 1504 scheint Matsperger als Rat der Gemeinde, 1507 als Verweser auf. In den Jahren von 1507(4) bis 1511 war er als Bürgermeister der Stadt Salzburg eine der bis heute bedeutendsten Personen in diesem Amt. Seine Rolle in der Geschichte Salzburgs sicherte er sich als erbitterter Gegenspieler von Erzbischof Leonhard von Keutschach im Streit um die Ausweitung bzw. Erhaltung der Bürgerrechte im beginnenden 16. Jahrhundert.

Die Auseinandersetzung mit Erzbischof Leonhard von Keutschach

Als Bürgermeister stand Matsperger in erbittertem Widerstand zu Erzbischof Leonhard von Keutschach in dessen Auseinandersetzungen mit der Stadt. Die Streitigkeiten waren zurückzuführen auf den Erlass des Ratsbriefs von 1481 durch Kaiser Friedrich III. Wurden die Bürgermeister bis dahin vom Erzbischof selbst eingesetzt, so legte der Ratsbrief nunmehr die unabhängige und freie Wahl eines Stadtrates und des Bürgermeisters, ohne Einspruchsrecht des Erzbischofs, fest. Die erste Wahlversammlung der Gemeinde fand am 25. Jänner 1482 statt, als zwölf aus den vier Stadtvierteln gewählte Stadträte aus ihrer Mitte mit Hans Knoll den ersten frei gewählten Bürgermeister erkoren. Während sich Erzbischof Johann III. Beckenschlager mit diesem neuen System arrangierte und seine Nachfolger Friedrich V. Graf von Schaunberg und Sigmund II. von Hollenegg die städtischen Freiheiten bestätigten, wurde 1495 mit dem energischen Leonhard von Keutschach ein Mann zum Erzbischof gewählt, der gewillt war, alle ihm zustehenden Rechte auch in der Stadt Salzburg rigoros durchzusetzen.

Obwohl es bereits unter den Vorgängern Matspergers Differenzen zwischen dem aufstrebenden Bürgertum und dem Erzbischof gab, erreichte der Konflikt mit Hans Matsperger an der Spitze einen neuen Höhepunkt. Dieser hatte nämlich im Sinn, Salzburg zur reichsfreien Stadt zu machen und sie somit noch weiter dem Macht- und Einflussbereich des Erzbischofs zu entziehen.

Nach jahrelangen Streitigkeiten und gegenseitigen Anschuldigungen zeigte sich Leonhard von Keutschach nach der am 18. Jänner 1511 erfolgten Wiederwahl Matspergers zum Bürgermeister dermaßen verärgert, dass er am 23. Jänner den Stadtrat, den ihm verhassten Bürgermeister und einige weitere Gemeindemitglieder zur Tafel lud und die gerade angekommenen „Gäste“ sogleich verhaften und auf die Festung Hohensalzburg führen ließ. Dort eröffnete er ihnen lautstark eine in 16 Punkte gefasste Anklage, die im Vorwurf seiner geplanten Ermordung gipfelte. Danach ließ er zehn der Gefangenen mitten im Winter und nur leicht bekleidet auf Schlitten nach Radstadt bringen. Nach dem Bericht des Chronisten Leonhard Tornator soll zur Einschüchterung der Gefangenen sogar der öffentliche Henker diese Fahrt mitgemacht haben.

Um das Leben der Gefangenen nicht zu gefährden, unterzeichneten Vertreter der Bürgerschaft am 3. Februar 1511 den ihnen vorgelegten Vertrag, mit dem die Stadt unter anderen auf das ihr von Kaiser Friedrich III. 1481 verliehene Recht der freien Ratswahl verzichtete und akzeptierte, dass stattdessen die Ratsverwaltung – so wie vor 1481 - in die Hände des Stadtrichters und zweier Bürgermeister gelegt wurde, die wiederum von der Bürgerversammlung vorgeschlagen und vom Erzbischof persönlich bestätigt werden mussten.

Nach der raschen Kapitulation mussten auch die Gefangenen dem nach Radstadt gereisten Erzbischof ihrer Unterwerfung aussprechen und durften danach am 6. Februar 1411, nach elf Tagen in Gefangenschaft, wieder nach Salzburg zurückkehren. Bürgermeister Matsperger, der ebenfalls mehrfach das Bürgermeisteramt innehabende Virgil Schwaiger sowie die Räte Jörg Saurer und Wolfgang Kletzl wurden zudem auf Lebenszeit von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Der Zwist zwischen der Stadt und dem Erzbischof, bei dem Hans Matsperger eine tragende Rolle spielte, endete am 8. Februar 1511 mit der Wahl und der erzbischöflichen Bestätigung der beiden Bürgermeister Virgil Fröschlmoser und Hans Ritzinger.

Siehe auch

Literatur und Quellen

Fußnoten

1Heinz Dopsch: „Geschichte Salzburgs. Stadt und Land.“ Band 1/II. Seite 826
2Michaela Krissl: Die Salzburger Neubürger im 15. und 16. Jahrhundert. Seite 106
3Die Angabe zum Jahr 1498 könnte sich nach Krissl (s. o.) aber auch auf Hans Matsperger d. Ä. beziehen.
4Laut Dopsch (s. o.) trat er das Bürgermeisteramt bereits 1506 an.
Zeitfolge