Gastmahl Festung Hohensalzburg

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Beim "Gastmahl auf der Festung Hohensalzburg" am 23. Jänner 1511 ließ Erzbischof Leonhard von Keutschach den Salzburger Bürgermeister Hans Matsperger und seine Ratsherren festnehmen.

Die Schlittenfahrt der Ratsherren

30 Jahre zuvor hatte Kaiser Friedrich III. der Stadt Salzburg den Salzburger Ratsbrief gewährt, und der gerade am 18. Jänner 1511 gewählte Bürgermeister Matsperger war ein persönlicher Gegner des Fürsterzbischofs. Leonhard von Keutschach waren die in diesem Ratsbrief festgeschriebenen Freiheiten der Bürger schon lang ein Dorn im Auge. So lud er, was seinerzeit nicht unüblich war, den Bürgermeister und die Ratsherren im Winter 1511 zu einem Essen in die Festung Hohensalzburg ein, wo Leonhard bevorzugt residierte.

Kaum war der letzte Gast erschienen, schloss sich die Tür zum Gastraum, und Leonhard ließ sie alle gefangen nehmen; verschont blieb nur ein Ratsherr, der sich verspätete. Dort eröffnete er ihnen lautstark eine in 16 Punkte gefasste Anklage, die im Vorwurf seiner geplanten Ermordung gipfelte. Danach ließ er zehn der Gefangenen mitten im Winter und nur leicht bekleidet auf Schlitten nach Radstadt bringen.

Nach dem Bericht des Chronisten Leonhard Tornator soll zur Einschüchterung der Gefangenen sogar der öffentliche Henker diese Fahrt mitgemacht haben. Um das Leben der Gefangenen nicht zu gefährden, unterzeichneten Vertreter der Bürgerschaft am 3. Februar 1511 den ihnen vorgelegten Vertrag, mit dem die Stadt unter anderen auf das ihr von Kaiser Friedrich III. 1481 verliehene Recht der freien Ratswahl verzichtete und akzeptierte, dass stattdessen die Ratsverwaltung – so wie vor 1481 - in die Hände des Stadtrichters und zweier Bürgermeister gelegt wurde, die wiederum von der Bürgerversammlung vorgeschlagen und vom Erzbischof persönlich bestätigt werden mussten.

Nach der raschen Kapitulation mussten auch die Gefangenen dem nach Radstadt gereisten Erzbischof ihrer Unterwerfung aussprechen und durften danach am 6. Februar 1511, nach elf Tagen in Gefangenschaft, wieder nach Salzburg zurückkehren. Bürgermeister Matsperger, der ebenfalls mehrfach das Bürgermeisteramt innehabende Virgil Schwaiger sowie die Räte Jörg Saurer und Wolfgang Kletzl wurden zudem auf Lebenszeit von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Der Zwist zwischen der Stadt und dem Erzbischof, bei dem Hans Matsperger eine tragende Rolle spielte, endete am 8. Februar 1511 mit der Wahl und der erzbischöflichen Bestätigung der beiden Bürgermeister Virgil Fröschlmoser und Hans Ritzinger.

Quellen