Friaul-Julisch Venetien

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Friaul-Julisch Venetien ist die nordöstlichste der 20 italienischen Regionen.

Lage

Im Norden grenzt die Region an Südtirol und Österreich (Kärnten, im Osten an Slowenien, im Süden an das Adriatische Meer und im Westen an Venetien (Hauptstadt Venedig).

Historische Bezeichnungen

Sie besteht aus den beiden historischen Teilen Friaul (im Norden) und Julisch Venetien (entlang der Adria).

Allgemeines

Rund 2,3 mal so viele Einwohner wie Salzburg hat es, also rund 1,34 Millionen. Und mit Triest eine eigentlich noch österreichische Hauptstadt. Triest war von 1382 bis 1918 habsburgisch-österreichisch, also über fünf Jahrhunderte. Die langen Einfahrtsstraßen werden von Palazzi im Wiener Ringstraßenstil dominiert. Dann ist da noch die heimliche Hauptstadt, Udine. Über viele Jahrhunderte hinweg war sie es ja auch. Das erste friulanische Parlament fand Platz auf dem Burgberg in Udine.

Die Liste der reizvollen Orte und Landschaften im Friaul ist lange: der Karst zwischen Triest und Görz erinnert an die Karl-May-Filmkulissen und mit der Grotta Gigante bietet er auch eine eindrucksvolle Sehenswürdigkeit. Im anschließenden Collio-Weingebiet, das sich zwischen Görz und Cividale del Friuli der slowenischen Grenze entlang zieht, gedeihen, so sagt man, die besten Weißweine Italiens. Romantische Orte Còrmons oder Gradisca d'Isonzo laden zum Verweilen ein. Natürlich mit einem Besuch in den örtlichen Enoteche, den zentralen Weinverkostungs- und Verkaufsstellen. Und schließlich die Lagunen zwischen Grado und Lignano mit ihren uralten Fischerhütten aus Schilf (Casoni), dem Marienwallfahrtsort San Barbana und dem alten römischen Hafen von Aquileia (samt Dom).

An die venezianische Dominanz bis ins 18. Jahrhundert erinnern unter anderem die wohl einzigartige sternförmig angelegte Festungsanlage von Palmanova und die Villa Manin bei Codroipo. Der letzte Doge von Venedig, Ludovico Manin, ließ sich diese Villa im 16. Jahrhundert als seine Sommerresidenz erbauen.

Valvasone mit der ältesten Orgel im Friaul, San Vito al Tagliamento – die zweitälteste Stadt der Region mit einem kleinen mittelalterlichen Stadtkern, Spilimbergo mit seinem faszinierenden romanischen Dom, Sacile – auch „Klein Venedig“ wegen der Wasserläufe im Stadtkern genannt, Porcia mit dem Schloss und dem Kirchturm, wo alljährlich zu Maria Himmelfahrt ein Eselrennen auf der Rampe des Kirchturms stattfindet, Civitale am Natisone mit der Teufelsbrücke und viele viele andere kleine Orte;

Aber auch die touristischen Zentren um Grado und Lignano ziehen alljährliche viele Erholungssuchende an. Es sind nicht nur die wassersportlichen Möglichkeiten der Region, die Sportbegeisterte anlocken, sondern auch die Golfplätze bei Görz, Grado, Lignano und Udine. Alle von hoher Qualität und bei Insidern längst bekannt. Und wer eine Einkaufsstadt sucht, findet sie in Pordenone, Hauptstadt der westlichsten Provinz vom Friaul. Messestadt mit weitläufigen Einkaufsstraßen, die ihren Ausgang im mittelalterlichen Stadtkern nehmen – allesamt Fußgängerzone.

Fünf Regionen in Italien genießen Sonderstatus (Selbstverwaltung): Friaul-Julisch Venetien, Sardinien, Sizilien, Trentino-Südtirol (Alto Adige), Aostatal; die Furlaner sind Nachkommen der Kelten bzw. Rätoromanen (zu denen auch die Graubündner und Ladiner zählen); ihre Sprache ist neben dem Italienischen auch ein rätoromanischer Dialekt, das Furlanisch (Grüß Gott heißt: „bon di’“ oder „mandí“); starke Auswanderung in der Nachkriegszeit; 1976: schweres Erdbeben im nördlichen Friaul;

Kurorte

Italien hat rund 200 Thermalbäder und Kurorte sowie 300 Sorten Mineralwasser; im Friaul:

  • Arta Terme (bei Tolmezzo): schwefelhaltiges Mineralwasser, bei Arthritis, Bronchitis, Hautkrankheiten, Darm- und Leberleiden;
  • Grado: Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte der florentinische Arzt Dr. Giuseppe Barellai die Heilkraft des Sandes am Strand von Grado; die Leute lachten nicht schlecht, als 1883 die große Kuranstalt von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet wurde; das stark salzhaltige Meerwasser und der jod-/salzreiche Sand wird bei folgenden Leiden angewandt: Rheumatismus, Ischias, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen der oberen Luftwege, Frauenleiden
  • Lignano: die selben Anwendungen wie bei Grado;

Salzburgbezüge

Im historischen Handel spielten Orte im Friaul eine Rolle für Salzburg. Die kleine Grenzstadt, im Friaul gelegen, aber lange Zeit unter venezianischer Herrschaft, Venzone (deutsch Peuschelsdorf), erlangte bescheidenen Reichtum auch durch die Händler von Salzburg. In Venzone war Zoll zu leisten, bevor es weiter nach Venedig gehen konnte. Auch verdiente man gut am Niederlagerecht.

Nur wenige Kilometer südlich von Venzone, dort, wo sich die Täler in die Tiefebene vom Friaul ergießen, liegt die Stadt Gemona, (deutsch Glemaun). Am alten Dom, der leider bei den beiden Erdbeben 1976 (Mai und September) völlig zerstört wurde, befand sich ein Bildnis vom Hl. Rupert mit seinem Salzfass (die heutige Abbildung am Dom ist eine Nachbildung). Wohl brachte man aus dem Salzburger Raum Salz bis nach Gemona und nahm am Rückweg allerlei Spezereien, Gewürze und Wein mit. Salzburger Händler hatten in Gemona Räume zur Lagerung angemietet.

Auch Wein wurde gerne nach Salzburg gehandelt. So ist uns aus dem Jahr 1385 ein Sendbrief des Christof Pruner als Aufgeber von Gemona an den Salzburger Georg Aiglen wegen eines Weintransportes bekannt.

Spilimbergo, Spengenberg, im Friaul, früher hatten die Salzburger Erzbischöfe in diesem Gebiet Besitzungen; hier im Bild der "Palazzo Dipinto", der "bemalte Palast" der Spengenberger

Und auch sonst gab es noch Beziehungen mit dem Friaul: auf der Handelsstraße zwischen Treviso (Venezien) und Pordenone (Friaul) lag das Gut Naunzel (Italienisch Noncello), das durch eine Schenkung von Kaiser Heinrich III. den Salzburger Erzbischöfen gehörte, mit der Pfarre St. Rupert. Und reiste man von Pordenone weiter in Richtung Gemona, kam man durch Spilimbergo, dem Spengenberg (bekannt für seinen herrlichen Dom und die Mosaikenschule): auch dort musste man Zoll bezahlen - nach der Größe der Frachtstücke, gemessen wurde mit der so genannten Spengenberger Elle.

Personen

Sonstiges

  • Das Grödiger Fischspezialitätengeschäft Walter Grüll Fischhandel von Walter Grüll bezieht zwei Mal die Woche frische Ware aus Marano Lagunare, einem der wichtigsten Fischerhäfen der Adria in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien.
  • Die geografische Abkürzung für die geografische Angabe der Höhe über dem Meeresspiegel, m ü. A. (Meter über Adria) wird im Hafenbecken von Triest am Molo Sartorio bestimmt.
  • Der Donau-Alpen-Adria-Radpilgerweg führt von Passau in Bayern bis auf die Wallfahrtsinsel San Barbana in der Lagune von Grado.
  • Der Schriftsteller und Maler Günther Schatzdorfer lebte und arbeitete in Duino.

Siehe auch

Quellen