Bogenschießen

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Volle Konzentration, Christina Nöbauer beim Langbogenschießen
Eule mit Pfeilen
Darstellung des Ullr, des Beschützers der Bogenschützen

Das Bogenschießen ist eine Art des Sportschießens, die man zu jeder Jahreszeit indoor und outdoor ausüben kann.

Allgemeines

Beim traditionellen Bogenschießen werden im freien Gelände mit einem Bogen Pfeile auf 3-D-Tier-Attrappen oder Tierabbildungen auf Papierauflagen geschossen, in der Halle auf Zielscheiben. Bis vor kurzem ein Sport für Exoten, boomt das Bogenschießen seit einigen Jahren. Speziell im Pinzgau und im angrenzenden Tirol findet sich eine in Europa sonst nirgendwo vorkommende Dichte an Freiluft-Bogenschießplätzen, den so genannten Bogensport-Parcours. Aber auch in den anderen Bezirken, in der Stadtnähe Salzburgs und im angrenzenden Bayern wird das traditionelle Bogenschießen immer mehr praktiziert.

Im Mai 2010 wurde die Bogensport-Europameisterschaft 2010 nach IFAA-Reglement in Stuhlfelden im Oberpinzgau veranstaltet. Es haben etwa 1500 Schützen und Schützinnen aller Bogen- und Altersklassen aus vielen Ländern Europas teilgenommen und einige Titel gingen auch in den Pinzgau.

Die Sportart

Grundsätzlich ist das „Pfeilbogenschießen“ ein Sport für jung und alt. Kinder können unter Aufsicht von Erwachsenen mit etwa fünf Jahren beginnen, Senioren den Sport solange betreiben, solange sie fit genug sind, um das Schießen und die Bewegung im Gelände sicher zu bewältigen. Es ist ein sozialer Sport, der meist in bunt gemischten Gruppen von drei bis fünf Schützen und Schützinnen ausgeübt wird.

Das Bogenschießen wird entweder nur zum Spaß und als entspannende Freizeitbeschäftigung betrieben oder auch wettbewerbsorientiert. Wettbewerbsorientierte Schützen und Schützinnen nehmen an nationalen oder auch internationalen Turnieren teil. Sie müssen fit sein und haben je nach Ehrgeiz ein geringeres oder höheres Trainingspensum zu bewältigen. Es gelten auch die sonst im Sport üblichen Dopingregeln. Das Trainingspensum von Spitzenschützen ist ebenso hoch wie in anderen Sportarten. Bei Animationsturnieren gibt es – je nach festgesetztem Reglement – Bogen- und Altersklassen. Bei Staats-, Europa- und Weltmeisterschaften gilt ein international anerkanntes Reglement, das alle Bogen- und Altersklassen und alle Abläufe auf das Genaueste festlegt. Die internationalen Meisterschaffen werden offen ausgeschrieben. Die Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Lizenz, die über die Zugehörigkeit zu einem der Bogenschießen-Vereine erworben werden kann.

Ausrüstung

Zum Bogenschießen sind Pfeil und Bogen, Armschutz, Schießhandschuh oder Tab, festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung Voraussetzung. Der Bogen wird in der Hand getragen oder kann auch in einem Gürtelhaken eingehängt werden. Die Pfeile befinden sich in einem Köcher, der entweder am Rücken oder an der Hüfte (am Gürtel) getragen werden. Darüber hinaus sind einige zusätzliche Ausrüstungsgegenstände gebräuchlich, die das Leben von Bogenschützen erleichtern.

Bogen und Bogenklassen

Der Bogen besteht grundsätzlich aus dem Griffteil in der Mitte und den Wurfarmen an den beiden Enden. An diesen ist die Sehne aus Kunststoff befestigt, auf der im mittleren Teil der so genannte Nockpunkt aufgesetzt ist, der eine Orientierung zum Einnocken des Pfeils gibt. Die Sehne kann unterschiedlich stark gespannt sein – eine Frage des Könnens und der Feinabstimmung. Das Zuggewicht von heute gebräuchlichen Bögen reicht von etwa 15 bis zu 90 Pfund. Üblicherweise wird von Erwachsenen ein Bogen mit einer Zugstärke zwischen 30 und 60 Pfund verwendet. In der Regel haben die bei Frauen gebräuchlichen Bögen ein geringeres Zuggewicht, wodurch ihre Leistungen etwas unter denen der männlichen Schützen bleiben, da das Zuggewicht die Flugkurve des Pfeils bestimmt und diese die Trefferquote beeinflusst. Je nach Bauart und Baumaterial des verwendeten Bogens gibt es eigene Klasseneinteilungen. Hier ein grober Abriss:

  • Der Primitivbogen oder Historical Bow wird aus einem Stück Holz gefertigt. Mit diesem Bogentyp ist das Schießen am schwierigsten und anspruchsvollsten.
  • Der Langbogen oder Longbow ist ein Compositbogen, der aus mehreren, miteinander verleimten Hölzern und ev. auch Karboneinlagen besteht. Auch er ist ein Bogen, dessen Beherrschung eine wahre Kunst ist.
  • Der Recurvebogen oder Bowhunter-Recurve besteht entweder aus mehreren Hölzern oder aus einer Kombination von Holz- und Metallteilen. Die Wurfarme zeigen eine Gegenkurve (re-curve). Ein kurzer Stabilisator ist erlaubt. Je nach Unterklasse sind auch längere Stabilisatoren verwendbar. Mit dieser etwas technischeren Bogenart ist das Treffen grundsätzlich leichter (aber auch nicht leicht).
  • Der Compoundbogen ist ein sehr technischer Bogen, der mittels Seilumlenkungen und anderen technischen Vorrichtungen das präziseste Schießen und Treffen erlaubt. Auch bei diesem Bogen gibt es je nach Ausstattung und Bauart zahlreiche Untergruppen. Bei den Spitzencompoundschützen wird um Millimeter gerungen.

Pfeile

Der Pfeilschaft besteht entweder aus Holz, aus Aluminium oder aus Karbon. Je nach Bogenstärke und Auszugslänge des Schützen – bei Erwachsenen liegt der Auszug je nach Armlänge zwischen 22 und 31 Zoll - hat der Schaft eine bestimmte Länge. Der Durchmesser des Pfeilschaftes bestimmt die Steifigkeit (Spine-Wert) des Pfeils. Die grundsätzliche Bauweise ist immer dieselbe. Am vorderen Ende des Pfeils befindet sich eine Spitze aus Metall, die entweder geklebt oder geschraubt ist. Am hinteren Ende ist die sog. Nocke, mit der man den Pfeil auf der Sehne des Bogens „einnockt“. Sie besteht in der Regel aus Kunststoff, kann aber auch direkt vom Schaft herausgearbeitet und zusätzlich mit Bindfaden verstärkt werden. Vor der Nocke werden drei Federn aufgeklebt oder mit Bindfadenwicklung befestigt. Die Federn sind meist aus Federn des amerikanischen Truthahns gestanzt und können je nach Geschmack und Überzeugung unterschiedliche Formen und Farben haben. Sie ermöglichen den Pfeilflug und stabilisieren ihn. Auf Aluminium- und Karbonpfeilen befinden sich meist Federn aus Kunststoff.

Holzpfeile werden für das Schießen mit Primitiv- und mit Langbögen eingesetzt. Sie bestehen entweder aus Zedern- oder aus Fichtenholz. Aufgrund des „lebenden“ Materials sind Holzpfeile anderen Einflüssen ausgesetzt als Pfeile aus Aluminium oder Karbon. Ihr Gewicht kann z.B. trotz exakt gleicher Länge und gleichem Durchmesser variieren, was den Pfeilflug beeinflusst. Holzpfeile reagieren auf Luftfeuchtigkeit und unterliegen auch sonst den bestehenden Witterungseinflüssen. Das Schießen mit Holzpfeilen ist daher grundsätzlich anspruchsvoller als mit Pfeilen aus Aluminium oder Karbon.

Aluminiumpfeile sind für Primitivbögen und Langbögen nicht erlaubt. Sie werden meist von Recurveschützen verwendet. Aluminiumschäfte können standardisiert hergestellt werden und sind stabiler als Holzpfeile.

Karbonpfeile sind ebenfalls für Primitiv- und Langbögen verboten. Sie kommen bei Recurve- und Compoundbögen zum Einsatz und setzen sich in diesen Bogenklassen mehr und mehr durch. Sie sind teuer, durch schlechte Witterung wenig beeinflussbar und haben sehr gute Flugeigenschaften.

Sportstätten

Traditionelles Bogenschießen wird meist im Freien ausgeübt. Zu Trainingszwecken wird auch in Hallen geübt und es gibt auch Hallenbewerbe.

Parcours und Ziele

Ein regulärer Bogenschießparcours weist 28 Ziele auf. Diese sind meist 3-D-Tierattrappen aus Kunststoffmischungen. Es können aber auch Papierauflagen (Tierbilder in Originalgröße) zur Verwendung kommen. Da es sich beim traditionellen Bogenschießen um das sog. jagdliche Bogenschießen handelt, sind auf allen Zielen die Verwundungs- und Tötungszonen eingezeichnet. Ein Treffer in dieser Zone zählt mehr als ein Treffer außerhalb. Die Ziele sind im Gelände so aufgestellt, dass einerseits eine möglichst jagdliche Platzierung erfolgt. Eine Ente findet sich am Bach, ein Reh am Waldrand u.s.f. Andererseits müssen die Ziele so stehen, dass auf jede Tierattrappe ohne Gefährdung von Mensch (oder ev. anwesender lebender Tiere) gezielt und geschossen werden kann. Am interessantesten und anspruchsvollsten ist ein Gelände, das unterschiedliche Bedingungen bietet. Die Entfernungen reichen je nach Tiergröße von wenigen Metern bis zu ca. 60 Metern.

Halle und Ziele

In Hallen wird auf Zielscheiben aus Papier geschossen. Die Entfernung liegt je nach Halle und Reglement bei rund 20 m.

Vereine und andere Veranstalter

Es gibt in Salzburg mehrere Bogensport-Vereine, die unter www.oebsv.com - das ist der offizielle Webauftritt des Österreichischen Bogensport-Verbandes - im Internet abgerufen werden können. Darüber hinaus betreiben einige private Gastbetriebe Bogensport-Anlagen. Allein im Pinzgau befinden sich Parcours in Unken (Heutal), in Maria Alm (Jufen), in Viehhofen (Glemmerhof), in Niedernsill, in Stuhlfelden, in Mittersill und in Hollersbach. Die Sektion Bogensport im Heeressportverband Saalfelden ist österreichweit der mitgliederstärkste Bogensportverein im traditionellen Bereich und einige seiner Mitglieder konnten Welt- und Europameistertitel nach Hause bringen.

Erfolgreiche Bogensportler

Einige der bisher international erfolgreichsten Bogensportler und Bogensportlerinnen aus dem Bundesland Salzburg sind die Langbogenschützen und Langbogenschützinnen

Quellen