Aigen

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Die Salzburger Stadtteile
Detailausschnitt Aigen
Schloß Aigen, Ostansicht
Aigen, Ansicht vom Hellbrunner Berg aus, mit dem Gaisberg dahinter
das ehemalige Gästehaus von Schloss Aigen, die Waldvilla, gleich hinter der Aigner Kirche
Aigen-Impression
Gasthof Schloss Aigen
Aigen-Panorama vom Hohen Göll bis zum Kapuzinerberg

Aigen ist ein Stadtteil im Südosten Salzburgs am Fuße des Gaisbergs und galt zu Beginn des 21. Jahrhunderts als einer der teuersten Wohnbezirke der Landeshauptstadt.

Lage

Nördlich von Aigen liegt der Stadtteil Parsch, wobei die Nesselthalergasse, der Grünraum um das alte Bauerngehöft Jägergut und die Villa Fischbach westlich der Bahnlinie die Grenze zu Parsch bilden, und östlich derselben der Preuschenpark um den Abfalterhof und die Maria-Cebotari-Straße. Im Westen bildet die Salzach, im Osten der Gaisberg eine natürliche Grenze. In Aigen leben etwa 10.000 Bewohner.

Geschichte

Zum Namen: aigen, althochdeutsch eigan bedeutet "haben, besitzen" und bezeichnet als Substantiv vor allem das (ererbte) Grundeigentum, bzw. den freien Eigenbesitz. Das "Eigentuom" bezeichnet mittelhochdeutsch das freie Besitzrecht. Ein Aigner ist daher ein freier, nicht abgabepflichtiger Bauer.

Aigen ist wesentlich ein Villenviertel. Der Großteil dieser Villen mit ihren großen Parkanlagen entstand dabei zwischen 1850 und 1914. Berühmte Villen sind der Grünbichlhof (erbaut 1855), die Villen Honsig und Erlenburg, und vor allem die Villa Walburga (erb. 1863), die 1883 umgebaut wurde und dann Villa Lamberg hieß und die 1924 nach einem neuerlichen Umbau als Trapp Villa Berühmtheit - nicht zuletzt auch durch den Film "Sound of Music" - erlangte. Die bekannte Familie Trapp wohnte in dieser Villa bis zu ihrer Emigration 1938, zu der neben einem weitläufigen Park auch eine Landwirtschaft gehörte.

Mit der Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn 1860 begann wieder ein wirtschaftlicher Aufschwung, den auch Aigen merkte. Das wohlhabende Bürgertum entdeckte Aigen neu als bevorzugten Wohnort. Auch adelige Verwaltungsbeamte und Offiziere im Ruhestand begannen sich in Aigen ihre Sitze zu errichten: Lanser, Andessner, Schnehen, Esterhazy, Mayr-Melnhof und andere kamen.

Am 1. Jänner 1939 wurde Aigen nach Salzburg eingemeindet.

Den Kern des Stadtteils bildeten die Aigner Kirche und das Schloss Aigen. In deren Umgebung lagen verstreut Bauernhöfe, Gutshöfe und Ansitze, so genannte "Schlössln". Diese ländliche Iydlle vor den Toren der Stadt Salzburg wurde dann Ausflugsziel. Besonders um 1800 besuchten die Salzburger gerne den Naturpark Aigen, der unter Ernst Fürst Schwarzenberg in Form des romantischen englischen Landschaftsgartens umgebaut wurde. Die dortigen Quellen wurden als heilkräftig betrachtet, sodass dort auch ein Heilbad entstand.

Die Napoleonischen Kriege und die damit zusammenhängende Wirtschaftskrise ließ erst wieder um 1850 neue Bautätigkeiten zu:

sowie von einigen ihrer Hofdamen wie

Alle Villen im Überblick

Kirche und Schloss Aigen mit Schlosspark

Einige der unten angeführten Objekte lagen bzw. liegen im heutigen Salzburger Stadtteil Parsch.

a = dieses Objekt ist im wesentlich noch heute (2010) vorhanden
b = dieses Objekt wurde im Laufe der Zeit (mehrmals) stark verändert
c = dieses Objekt existiert heute (2010) nicht mehr
Name, Baujahr Name, Baujahr
a, Schloss Aigen, 15., 17. 18. und 19. Jh. a, Villa Jany, (Ornig), 1884 (1903)
a, Flederbachschlössl, 16. Jh. c, Villa Rudholzer, Attems, 1904 - 1975
a, Doktor-Schlößl, 17. Jh. a, Villa Erlenburg, Honsig, 1906
a, Luegmayerschlößl, (Villa Voglsang), 16. (19.) Jh. b, Villa Max-Ehrler, 1908
a, Fondachhof, 18. (19.) Jh. a, Villa Honsig, Czerwenka, 1909
a, Belvedere, 18. (19.) Jh. a, Landhaus Berger, 1909
a, Abfalterhof, Preuschen, 17., 18. (19.) Jh. a, Villa Ripper, 1909
c, Villa Stolz, Waldburg-Zeil, Kuhn, 1845 - 1997 a, Villa Prandstätter, Haslinger, 1911
c, Villa Höfel, 1850 - 1970 a, Villa Wagner, 1912
b, Villa Fischbach, Überacker, 1851 (19., 20. Jh.) a, Villa Tibisch, 1912
b, Villa Philips, Horvath, 1853, 20. Jh. a, Villa Schwarz, Lanz, 1913
c, Villa Hahn, Thurn & Taxis, 1854 - 1960 a, Villa Kummer, Schönburg-Hardtenstein, 1922
a, Grünbichlhof, Villa Kahlenbeck, 1855 a, Villa Biewald, 1924
b, Villa Coudenhove I, Salm, 1856 (20. Jh.) a, Villa Sarnthein, 1926
c, Villa Bellegarde, (Grein, Preuschen), 1860 - 1963? a, Haus Weidlich, 1932
b, Villa Walburg, Lamberg, Trapp, 1863 (19., 20. Jh.) a, Haus Birkle, 1933
b, Villa Andessner (Czernin, 1862/63 (20. Jh.) a, Villa Pittner, 1933
b, Villa Lanser, Gyllenstorm, 1862/63 (20. Jh.) a, Villa Reif, 1936
b, Villa Coudenhove II, Reedl, 1861 (20. Jh.) a, Haus Walter, 1936
c, Villa Schnehen (Handel), 1863 - 1970 a, Haus in der Weichselbaumsiedlung, 1939
b, Villa Wilhelmshöhe, (Widmann, Bonn), 1870 (20. Jh.) a, Haus an der Kulstrunkstraße, 1951
b, Villa Esterhazy, Zeller, 1870 (20. Jh.) a, Haus an der Weissenbachstraße, 1951
a, Villa Joachim, Künßberg, 1876 a, Villa an der Apothekerhofstraße, 1963
a, Villa Mayr-Melnhof, 1876 a, Haus Gänsbrunn, 1963
a, Waldvilla, Schwarzenberg, 1886 a, Haus an der Josef-Thorak-Straße, 1975
a, Villa Schmederer, 1887 a, Haus an der Kreuzbergpromenade, 1976
c, Villa Weinbründl, (Hubertus), 1889 (1909) - 1965 a, Haus an der Schwarzenbergpromenade, 1976
a, Villa Muckenburg (Jung, Scheck), 1875, 1910 a, Haus an der Glaser Straße, 1982
a, Villa Fackler, Herbert Fux, 1901 a, Haus an der Traunstraße, 1987

sonstige historische Bauten

Aigner Kirche

Hauptartikel: Aigner Kirche
Stadtpfarrkirche Salzburg-Aigen
Aigner Kirche, Ostansicht

Die Kirche wurde 1852 eine eigene Pfarre. Zwischen 1909 und 1911 wurde das Aigner Kirchlein, nachdem es den Anforderungen einer Stadtpfarrkirche in keiner Weise mehr entsprach, nach den Plänen von Franz Wagner in einem völligen Umbau um ihre eigene Achse gedreht und so entscheidend erweitert. 1969 wurde die Kirche unter Diözesan-Architekt Karl Pirich restauriert.

Friedhof Aigen

Hauptartikel: Friedhof Aigen

Der Friedhof Aigen wurde 1891 angelegt, da der alte Friedhof um die Aigner Kirche herum zu klein geworden war.

Schloss Aigen

Hauptartikel: Schloss Aigen

Das Schloss Aigen ist bereits 1402 als „Freies Eigen“ im Besitz des Domkapitels erwähnt und wurde 1614 zu einem Adelssitz. In der Barockzeit war Schloss Aigen im Eigentum des Grafengeschlechtes Kuenburg. 1804 wurde es vom Salzburger Domherren Ernst Fürst Schwarzenberg erworben. Franz Karl Graf Revertera-Salandra übernahm dann 1961 den Besitz, den heute sein Sohn Landolf Graf Revertera führt.

Der Aigner Park

Hauptartikel: Naturpark Aigen

Um 1780 entstand in der Zeit der Aufklärung der englische Landschaftspark östlich des Schlosses Aigen, der unter dem Domherrn Ernst Fürst Schwarzenberg 1804 deutlich ausgebaut wurde und bald mit seinem Kanzeln, Glorietten, Grotten, Eremitagen, bewaldeten Hängen, verschlungenen Wegen, Aussichtspunkten, Schluchten, Wasserfällen, Kanzeln und Brücken international Berühmtheit erlangte. Die dortigen Quellen wurden als heilkräftig betrachtet, sodass auch ein Heilbad hier entstand. Der Park mit einen Wegen, Aussichtspunkten, Grotten und Wasserfällen stellt eines der wichtigsten Denkmäler der Gartenbaukunst des frühen 19. Jahrhunderts dar.

Sebastian Rosenegger (* 1772) war Kunstgärtner und stand ab 1804 in den von Fürst Schwarzenberg in Aigen, wo der damals weit bekannte Park sein Arbeitsbereich war.

Aigen und seine Teile

Aigen mit Gaisberganteil

Glas

Der älteste Siedlungskern im Raum Aigen ist der heutige Stadtteil Glas, dessen Namen vermutlich auf einen römischen Ortsbegriff Glasa zurückgeht, das an der alten Römerstraße lag welche von Salzburg in den Süden über Cuccule (Kuchl) nach Teurnia (bei Spittal an der Drau, Kärnten) und weiter nach Aquileia (Friaul-Julisch Venetia) führte. Erste Aufzeichnungen über den Ort Glasa sind schon um 700 (Zeit des hl. Rupert) bekannt. Im Mittelalter war Glas ein verträumtes Bauernnest, Hochwasser-sicher am Schwemmkegel des Gaisbergs gelegen, dessen höher gelegener Teil Oberndorf hieß. Der älteste erhaltene Teil des Dorfes ist das Doktor-Schlößl, das ehemalige Schloss Radaun, das erstmals 1116 im Eigentum des Benediktinenstifts Nonnberg erwähnt ist, sowie das Hotel Doktorwirt, das ehemalige "Frieseneggergut zu Aigen", das bis ins 17. Jahrhundert zum Schloss Radaun gehörte, das der verheirateten Tochter des Dombaumeisters Santino Solari und ihrem Gatten Dr. Franz Mayr gehörte und auf dem der Doktor im Doktor-Schlößl und Doktorwirt zurückzuführen ist.

Aigen Mitte

Das zentrale Gebiet von Aigen entwickelte sich in wesentlichen Teilen zwischen dem Schloss Aigen und dem dann 1876 errichteten Bahnhof Aigen als Villenviertel, das in einer vorerst lockeren Bebauung zwischen 1850 und 1914 entstand. Zuerst bauten etwa der Domherr Karl Stolz, der Maler Johann Fischbach und einige Hofdamen der Kaiserin-Witwe Carolina Augusta (die selbst in Aigen etliche Sommer verbrachte) hier in großzügig-lockerer Bebauung ihre Villen. Eine flächige Verbauung - vor allem auch der salzachnahen Teile von Aigen Mitte setzte dann nach 1950 ein.

Zwischen Schloss Aigen, dem Friedhof Aigen und der Westbahn wurden zwischen 1968 und 1971 die so genannten Revertera-Gründe verbaut. Dort wurden Einfamilienhäuser an der Anton-Wildgans-Straße und mehrgeschossige Wohnhäuser an der Ludwig-Anzengruber-Straße und der Arthur-Schnitzler-Straße errichtet. Die Sammelachse für diese drei Bebauungsgebiete bildet seither die Josef-Kainz-Straße.

Abfalter

Hauptartikel: Abfalter

Zum Namen: Der Name apfal-ter ist ein mittelhochdeutscher Begriff (althochdeutsch affrolta), der damals neben dem "apfelboum" benutzt wurde und Apfelbaum hieß (Die Silbe "-ter" ist in ähnlicher Gestalt etwa im englischen "tree" erhalten). In der Heckenlandschaft von Aigen-Abfalter war früher der Holzapfel (die wilde Urform des Apfels) nicht selten. Vielleicht war auch auch ein Kulturapfelbaum namensgebend für diese alte Kulturlandschaft.

Um 1900 stand im Zentrum des Stadtteiles inmitten eines großen Parks lediglich die Villa Preuschen. Diese Villa wurde nach 1887 im späthistorisierendem Stil erbaut. Zuvor befand sich hier umgeben von ertragreichen Äckern u.a. ein altes Bauerngut, der Abfalterhof, das vermutlich erbaut 1635 erbaut worden war. Die dortigen landwirtschaftlichen Betrieben wurde hier immer weiter von den wachsenden Siedlungsteilen eingeschlossen.

Der Preuschenpark ist heute teilweise ein öffentlicher Park. In Abfalter befindet sich heute auch eine Volksschule und ein städtischer Kindergarten (Dr.-Petter-Straße 19 und 21). Die Salzach nahen Straßen von Abfalter sind nach bekannten Bildhauern benannt.

Brauchtum

Erwähnenswertes

Toyota Lexus Center, Diakonissen-Krankenhaus und Landestheater-Werkstätten

Bildergalerie

Ein Bauernhof an der Aigner Straße im Wandel

Weblinks

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Aigen"


Quellen

Stadtteile und Landschaftsräume der Stadt Salzburg