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Ergeht’s euch wohl, so denkt an mich
10. Juli 2004

Hermann Prey zum 75. Geburtstag. Sein wunderbarer Bariton mit dem unverkennbaren Timbre, die heitere Ausstrahlung des Sängers, der sich zwischen Oper, Lied und leichter Muse mit der ihm eigenen Leidenschaft auf höchstem Niveau bewegte, ist unvergessen. KARIN WOLFSBAUER

Ergeht’s euch wohl, so denkt an mich . . ." Wie oft hat Hermann Prey diese Worte in dem Schubertlied "Der Sänger" aus J. W. Goethes "Wilhelm Meister" auf den großen Konzertbühnen der Welt gesungen. Am 11. Juli 1929 in Berlin geboren, hätte der große deutsche Bariton heuer seinen 75. Geburtstag gefeiert. Sein plötzlicher Tod, elf Tage nach seinem 69. Geburtstag, hatte ihn aus dem Herbst seiner noch äußerst aktiven Sängerlaufbahn gerissen und die Musikwelt einer der schönsten Stimmen des 20. Jahrhunderts beraubt. Er hatte noch viele Pläne und wollte zu seinem 70er sein eigenes Bier brauen - es war ihm nicht mehr vergönnt. Zu seinem Andenken findet heute, Samstag im Münchner Stadtteil Krailling, wo Prey mit seiner Frau Barbara, den Töchtern Franziska und Annette und Sohn Florian lebte, ein Konzert statt, in dem sein Sohn, der Bariton Florian Prey, Arien des Papageno aus Mozarts "Zauberflöte", einer der Lieblingsrollen seines Vaters, singen wird. In der Pause des Konzertes wird eine Bronzestatue enthüllt werden: Prey als Papageno. Vom 11. Juli bis Ende August wird eine Ausstellung im Kraillinger Rathaus mit bisher unbekanntem Fotomaterial und unveröffentlichten Tonaufnahmen an Kunst und Leben des großen Baritons erinnern.

Amerika war der Beginn der Karriere Hermann Prey hatte an der Hochschule für Musik in Berlin mit Günther Baum und Harry Gottschalk studiert. Seine Mutter liebte den deutschen Bariton Heinrich Schlusnus sehr und sagte zu ihrem Sohn: "Wenn du mal singst, dann musst du so singen wie der Heinrich!" Mit nur 23 Jahren gewann Prey den Wettbewerb "Meistersinger von Nürnberg", der vom Rundfunk übertragen worden war und er erzählte: "Nach dem Konzert rief eine betagte Dame im Studio an, ich solle unbedingt zu ihr kommen. Es war die Witwe von Heinrich Schlusnus. Ich hatte sie an ihren kürzlich verstorbenen Mann erinnert. Ich folgte ihrer Einladung und sie gab mir einige Noten und Erinnerungsstücke ihres Mannes mit auf den Weg und schrieb später in der Schlusnus-Biografie, dass ich der Einzige wäre, der Schlusnus’ Nachfolger sei. So ist der Wunsch meiner Mutter, die früh verstarb und das leider nicht mehr erlebte, in Erfüllung gegangen." Mit dem Wettbewerb waren Auftritte in Amerika verbunden. Das war der Beginn von Preys bedeutender Karriere in den Vereinigten Staaten, die 1960 mit der Interpretation des Wolfram in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" an der Metropolitan Opera in New York einen Höhepunkt erreichte. Wolframs "Lied an den Abendstern" war ihm, wie er selbst sagte, "auf den Leib geschrieben". Fünf Jahre später sang Prey diese Partie am "grünen Hügel" in Bayreuth. Seine Interpretation des Beckmessers in Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" in Bayreuth 1981 und 1989/90 an der Mailänder Scala zählte zu den größten persönlichen Erfolgen des Sängers. Der Theaterintendant und Regisseur Günther Rennert spielte in der Karriere von Hermann Prey eine wichtige Rolle. Er hatte den jungen Prey 1953 an die Hamburgische Staatsoper geholt und führte Regie in der legendären Produktion der "Zauberflöte" an der Met, mit Prey als Papageno in den Bühnenbildern und Kostümen von Marc Chagall. Prey erhielt zahlreiche Auszeichnungen, war Kammersänger der Bayrischen Staatsoper und Ehrenmitglied des Wiener Musikvereins, eine Ehre, die nur wenigen Sängern zuteil wird. Er hat zuletzt in Meisterklassen immer versucht, seine Erfahrung und sein profundes Wissen, speziell auch um den Liedgesang, an jüngere Sängergenerationen weiterzugeben. Über Sohn Florian, der auch den Sängerberuf ergriff, sagte Prey: "Er hat genau meine Stimme - er klingt genau, wie ich früher klang." Florian sagt über seinen Vater: "Ich hatte das Glück, mit meinem Vater eine sehr offene, liebevolle Vater-Sohn- Beziehung zu haben. Gerade in den letzten Jahren haben wir uns oft gegenseitig künstlerisch inspiriert . . . er fehlt mir sehr."

Hermann Prey war auch ein Liebling des deutschsprachigen TV- Publikums mit seinen beliebten Musikshows, wie "Schaut her, ich bin’s", zu denen er immer prominente Gäste aus Oper und Operette lud. Prey verstand sich als "Entertainer" und hatte immer versucht, den Kontakt zu seinem Publikum so breit wie möglich zu halten, was ihm wie seine Vielseitigkeit von manchen Kritikern vorgeworfen wurde. Gegenüber dem anderen "Großen" des Liedgesanges, dem vier Jahre älteren Bariton Dietrich Fischer-Dieskau, gab es eine gewisse Rivalität, die sich mit den Jahren jedoch in gegenseitige Wertschätzung wandelte.

Prey-Wunderlich: eine große Freundschaft Unvergessen sind seine herausragenden Operninterpretationen, wie die des Papageno in Mozarts "Die Zauberflöte", mit dem Prey weltweit Furore machte. Tamino war in vielen Produktionen sein bester Freund - Fritz Wunderlich. Die beiden hatten das Schubertlied "Dioskuren, Zwillingssterne" zum Motto ihrer Freundschaft erkoren und waren auf der Bühne wie privat bis zu Wunderlichs allzu verfrühtem, tragischen Unfalltod im September 1966, unzertrennlich. Der Mozart-Figaro in der legendären Regie von Jean Pierre Ponnelle von Mozarts "Le nozze di Figaro", wie auch der von Rossini in "Il Barbiere di Siviglia", mit dem er an der Mailänder Scala unter Claudio Abbado Furore machte, waren ihm auf den Leib geschrieben - er spielte sie nicht - er WAR Figaro. Beide Interpretationen sind auf DVD verewigt. Seine Partner auf der Opernbühne waren die größten Sängerinnen und Sänger der damaligen Zeit, wie Christa Ludwig, Mirella Freni, Elisabeth Schwarzkopf, Lisa della Casa, Lucia Popp, Brigitte Faßbaender, Sena Jurinac, Nicolai Gedda, Walter Berry. Prey hinterlässt eine große Zahl an Opernfilmen und mehrere hundert Plattenaufnahmen, sowohl von Oratorien und Liedern als auch von Opern und Operetten und Volksmusik. Zwei musikalische Höhepunkte daraus sind "Die Fledermaus" von Johann Strauß unter Carlos Kleiber und der Film von Carl Orffs "Carmina Burana", bei der der Komponist als Supervisor mit dabei war, mit der wunderbaren Lucia Popp als Partnerin.

"Ein Minnesänger der Moderne" Und dann der große Liedinterpret Hermann Prey: Viele Konzertbesucher, die ihn in einem seiner Liederabende bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala, in London, Paris, Berlin oder New York erlebt haben, kennen seither die Bedeutung des Wortes "Sternstunde". Gleich einem modernen "Troubadour", einem "Minnesänger", verstand Prey es, sein Publikum in "eine bess’re Welt zu entführen", wie er im Schubertlied "An die Musik" sang.

Schubert - in diesem Komponisten fand der Sänger seinen Meister, seine Lebensaufgabe. Er gründete die Schubertiade Hohenems und als seine Pläne, Schuberts Gesamtwerk aufzuführen, dort scheiterten, rief er die Schubertiade im Wiener Musikverein ins Leben, wo er seinen Lebenstraum, die Aufführung sämtlicher Werke Schuberts in chronologischer Reihenfolge, verwirklichte. "Ein Traum geht in Erfüllung. Dafür bin ich den Wienern dankbar", schreibt der Künstler darüber in seiner Autobiografie "Premierenfieber". Seine Partner am Klavier in den unzähligen Liederabenden, die Prey von Japan über Wien bis New York gab, waren Alfred Brendel, Wolfgang Sawallisch, Alexis Weissenberg, Karl Engel, Gerald Moore und in den letzten Jahren besonders Leonard Hokanson und Helmut Deutsch.

Schubert als Lebensmittelpunkt Prey, der davon überzeugt war, dass nur ein guter Opernsänger auch ein guter Liedsänger sein kann, sagte über seine Lieder: "Wenn man in einen Liederabend geht, geht man wie in eine Bildergalerie. Man steht vor dem ersten Bild, das ist das erste Lied, dann geht man zum zweiten, das ist das zweite Lied. So muss man für jedes Lied ein Bild sehen. Worte, Bilder, Vorstellungen, die der Musik Seele und Geist einhauchen, wie die Musik dem Wort. Wahrscheinlich steht mir das deutsche Lied deshalb so nahe, weil mich die Dichtung gleichermaßen bewegt wie die Musik." Den Erfolg eines Abends maß Prey nicht am Applaus, sondern an der Stille, in der das berührte Publikum nach seiner "Winterreise" sekundenlang verharrte.

Christian Lange, der mehr als vier Jahrzehnte der Manager von Hermann Prey war, erinnert ihn "als Liedsänger, der mit seinen Liedinterpretation auch für kommende Sängergenerationen Maßstäbe gesetzt hat". Die mitreißenden Loewe- Balladen, die Prey sehr liebte, wer kann sie je vergessen? Die Schubertzyklen . . ., "Die schöne Müllerin", "Schwanengesang" . . . Seine Interpretation von Franz Schuberts "Die Winterreise", die er in aller Welt mehrere hundert Mal gesungen hatte, war Zeugnis der Meisterschaft eines Künstlers, der immer ein "Wanderer" war, der seiner Kunst immer neue Höhen abrang, ein "Suchender", der immer Neues entdecken musste und wollte.

Wir sind ihm gerne dabei gefolgt und danken ihm dafür.

© SN.

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