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Oper aus der Neuen Welt
24. Februar 2007

KARL HARB

400 Jahre Oper: ein besonderes Datum. Wer die Geschichte von Claudio Monteverdi bis Hans Werner Henze und die junge Generation Revue passieren lässt, wird ein eigenartiges Phänomen feststellen: Oper ist "europäisch". Italienisch, französisch, deutsch, russisch - das sind die "Sprachen" der Oper. Die Neue Welt spielt - zumindest in der Alten - kaum eine Rolle. Und doch lohnte sich auch ein Blick in den (beileibe nicht Wilden) Westen. Im Theater an der Wien wird Intendant Roland Geyer am 28. Februar erstmals eine amerikanische Oper unserer Zeit vorstellen: "A Streetcar Named Desire" (nach Tennessee Williams' Drama "Endstation Sehnsucht") von André Previn. Ihn kennt der "Westen" primär als Dirigenten weltberühmter Orchester, vielleicht noch als Jazzpianisten, aber kaum als Komponisten (für Symphonisches oder für den Film).

Erst 1998 kam in San Francisco Previns erste Oper heraus, sehr konventionell in drei Akten, in Form einer dezidierten "Literaturoper" und im Klangidiom wie eine exquisite Mischung aus Puccini und Benjamin Britten. Previn hatte sein Werk - auch das sehr altmodisch - einer großen Sopranistin in die Kehle geschrieben: Renée Fleming. In der Rolle der Blanche brilliert sie kräftig und zart zugleich mit leuchtender, arioser Intensität, stellt aber die anderen Protagonisten der live aufgezeichneten Uraufführung nicht in den Schatten.

Mit Nachdruck beruft sich Previn bei Vorbildern auf den amerikanischen Komponisten Samuel Barber. Als bei den Salzburger Festspielen 1958 dessen Oper "Vanessa" in einer Produktion der Met europäische Erstaufführung feierte, bemängelte die Kritik das Epigonale, ja sogar Wertkonservative des Werks.

Wer das Festspieldokument hört, das im Sommer 2006 erschienen ist, wird sich aber des sicheren operndramatischen Instinkts einer ziemlich surrealen Geschichte um eine Frau, die 20 Jahre bei verdunkelten Fenstern auf ihre große Liebe wartet, nicht entziehen können. Immerhin: Die Wiener Philharmoniker spielten, Dimitri Mitropoulos dirigierte, Eleanor Steber und die damaligen "Jungstars" Rosalind Elias und Nicolai Gedda sangen - hörenswert.

Die Grammy-Jury 2007 hat bei der Auszeichnung des besten Opernalbums des Jahres dezidiert auf den multikulturellen Weltmusikmix einer neuen Oper gesetzt: "Ainadamar" (die "Quelle der Tränen) von Osvaldo Golijov erzählt von der Schauspielerin Margarita Xirgu (Dawn Upshaw) und ihren tragischen Erinnerungen an den spanischen Dichter Federico Garcia Lorca (Kelley O'Connor). Der Komponist nimmt ungefiltert und "verarbeitet" spanische Elemente (Flamenco) ebenso in seine Partitur auf wie effektstarke, plakative "Vertonungen" etwa von Gewehrschüssen zur Exekution. Das groß ausgestellte Gefühl wird mit politisch "korrekter" Brisanz und traumgleicher Allegorie versetzt: eine Mischung, die unmittelbar und sogartig direkt wirkt.Info: André Previn: A Streetcar Named Desire (Universal/DG); Samuel Barber: Vanessa (Orfeo/Gramola); Osvaldo Golijov: Ainadamar (Universal/DG).

© SN.

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