Nahrichten


01 Nachrichten
02
03
04
05
06
07
08
  Sonntag, 12. Februar 2012 PLATTFORM FÜR SALZBURG Werbung   
0104 Wochenende

Aktuell

Salzburg

Zeitung

Wochenende
...Auto-Motor
...Buch/CD/Spiel
...Feuilleton
...Haus&Garten
...Immobilien
...Karriere
...Kulinarium
...Reisen
...Schönheit
...Wuwawi

Schwerpunkte

Sbg. Woche

Cartoon

Weblogs

imBild

Archiv

Google
Web salzburg.com

Feuilleton

SCHAFFT ARBEIT LEBENSSINN?
05. November 2005

ANJA KEGLEVIC Parolen wie "Jeder kann gewinnen", und "Wer einen Job will, findet auch einen", stempeln nicht nur diejenigen zum Versager ab, die es nicht schaffen, sondern verstellen den Blick auf neue Sichtweisen und Alternativen. Die "Reise nach Jerusalem" ist schon längst kein Kinderspiel mehr. Interview mit Maria Wölflingseder.

Was fällt Ihnen zum Begriff Arbeit ein? Wölflingseder: "Arbeit" heißt im Germanischen "verwaist sein, ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdingtes Kind sein", im Neuhochdeutschen "Mühsal", "Plage", "unwürdige Tätigkeit". Das französische "travailler" und das spanische "trabajo" leiten sich aus dem lateinischen "tripalium" ab: eine Art Joch, das zur Folter von Sklaven eingesetzt wurde. Das russische "robota" leitet sich von "rob"- "Sklave", "Knecht" - ab. Bis zur Antike gab es den Begriff "Arbeit" überhaupt nicht. Er entstand erst als Bezeichnung einer fremdbestimmten Tätigkeit unter Aufsicht und Befehl von anderen Personen. Davor gab es keine Abstraktion, die die Verausgabung von Arbeitskraft bedeutet, deren Inhalt dem Ausführenden gleichgültig zu sein hat. Während in vorkapitalistischen Zeiten die Arbeit als nötiges Übel angesehen wurde, war der Beginn der Neuzeit der Anfang ihrer ideologischen Verklärung. Mit aller nur erdenklichen brachialen Gewalt wurde den Menschen das Arbeitsprinzip, Arbeitsethos eingebläut. Heute ist es in den industriell entwickelten Ländern nicht mehr notwendig, Zwang auszuüben, er wurde gänzlich verinnerlicht.

Welchen Stellenwert hat Arbeit in unserer Gesellschaft und welchen Zweck erfüllt Sie? Wölflingseder: Arbeit dient immer weniger dazu, für die Menschheit Sinnvolles und Notwendiges herzustellen oder zu verrichten, sondern das einzige Kriterium ist - Was lässt sich verkaufen? Das ergibt selten Mensch- und Naturverträgliche Produkte und Produktionsweisen. Im Kapitalismus ist es oberstes Prinzip, Geld zu verdienen, also Profit zu machen, Mehrwert zu schaffen. Unsere Wirtschaftsweise führt zur Durchkommerzialisierung aller Lebensbereiche. Wer hätte es je für möglich gehalten, dass Post, Bahn, Schulen, Unis, Krankenhäuser nach beinharten marktwirtschaftlichen Kriterien funktionieren müssen?Welche Alternativen sehen Sie zur gegenwärtigen Arbeitsmarktpolitik? Wölflingseder: Reichtum existiert in der modernen kapitalistischen Gesellschaft immer doppelt: als sinnlich-stofflicher Reichtum (Nahrung, Häuser, Kleidung) und als Geldreichtum. Der sinnlich-stoffliche Reichtum hat aber keine eigene Existenzberechtigung, sondern nur eine als abstrakter Geldreichtum, also, wenn er zur Ware wird. Es wäre überhaupt kein Problem, genug Güter, genug Nahrung, gesunde Lebensbedingungen für alle bereitzustellen. Es ist nur ein Problem, sie immerzu in Geld, in Ware, in Wert zu verwandeln. Die Reichtumsproduktion wurde also von der Arbeit entkoppelt. Wenn man den Zwang, aus Geld immer mehr Geld machen zu müssen oder den Zwang, Geld haben zu müssen, hinter sich ließe, könnten problemlos alle Menschen auf der Erde mit geringem zeitlichen und personellen Aufwand gut versorgt werden. So aber klafft das, was für die Wirtschaft gut ist und das, was für die Menschen gut ist, immer weiter auseinander. Die mörderische Warenlogik, der Zwang, dass alles erst zur Ware werden und gekauft werden muss, bevor es genossen werden darf, ist totalitär geworden. Trotzdem wagt heute kaum jemand, über das kapitalistische System hinauszudenken. Für die meisten Menschen ist eine selbstbestimmte Produktion und Verteilung von Gütern ohne Tausch und ohne Zwang undenkbar. Aber nur so kann es ein gutes Leben für alle geben. Auch mit einem Grundeinkommen würde die mörderische Warenlogik noch nicht durchbrochen werden, weil das Geld, das verteilt wird, ja unter kapitalistischen Bedingungen erwirtschaftet werden muss.

Welchen Anteil hat Arbeit an der Identität des Menschen und was passiert, wenn sie als fixer Bestandteil "abhanden" kommt? Wölflingseder: Die Menschen sind heute Sklaven des Zwangs, Geld haben zu müssen. Sie sind genötigt, jeden noch so sinnlosen, entwürdigenden Job anzunehmen, der immer seltener zum Überleben reicht. Da in unserer Gesellschaft nur jemand mit Arbeit als vollwertiges Mitglied gilt, fühlen sich alle ohne Job minderwertig und ohne Lebenssinn. Aber was glauben Sie, wie die Menschen aufblühen würden, wenn sie nur mehr das machten, was dem Wohl von Mensch und Natur diente, und sie viel Zeit und Muße hätten für das "eigentliche Leben", die ureigensten Interessen, die Kunst und vor allem für andere Menschen.

Maria Wölflingseder, Dr. phil., geb.1958, Studium: Pädagogik und Psychologie. Mitherausgeberin des Sammelbandes Dead Men Working - Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs, Unrast Verlag, Münster 2004, (2. Auflage 2005), 302 Seiten, 18,60 Euro. Seit 1995 Redakteurin der Zeitschrift "Streifzüge" (www.streifzuege.org) und zur Zeit auf Arbeitsuche.

© SN.

artikel: drucken | als mail verschicken
 

imBild

Die aktuellsten Bilder auf einen Blick
...früher imBild

Anzeigen

Immobilien

Karriere

Motor

Andere

Tourismus

Mehr Info
Anreise (TT-MM-JJ)
Nächte Zimmer Pers

Spiel des Monats

Klixx

Kultiges Klickspiel:
Super-Skicards gewinnen!
 

Premium Promotions

Blickpunkt


Web-Tipps

Link-Tipps

Netd@ys 2006/2007

Nachrichten + Aktienkurse

Sbg. Fenster

 
© 1997-2007 Salzburger Nachrichten      Kontakt   Sitemap   Impressum   AGB   Newsletter      realisiert von conova

Werbung