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Aus dem Land, für das Land
29. Oktober 2005

Hubert von Goisern dokumentiert seine umjubelte Trad-Tour, die Reise zur volksmusikalischen Essenz seines Werkes, auf der CD "Ausland". Als Draufgabe gibt's als DVD den Reisefilm "Warten auf Timbuktu". BERNHARD FLIEHER

U nd i hear di nit wischpern/und i hear di nit schrein/ja du wirst halt schon längst/über d'granitzn sein." Dann noch ein Jodler. Dann ist es still. Kein Laut mehr. Pause. Ende - zumindest vorläufig. Die letzten Worte auf "Ausland" (Lawine/SonyBMG) klingen nicht nur wie ein Abschied, sie sind es auch. Die Beschäftigung mit der reinen Lehre, also der Erarbeitung traditionellen Liedguts in Goisernscher Interpretation, ist vorerst vorbei. Überhaupt will Hubert von Goisern bis 2007 nichts tun. Was freilich nur bedeutet, dass er nichts von dem tut, was sein auffälligster Job ist: eigene Musik aufnehmen und auf Konzerttour gehen.

Mehr als die Studioaufnahmen "Trad" (2001) und "Trad II" (2003) hält "Ausland" (weil dort aufgenommen und zwar in "Bad Aibling, Würselen, Freiburg, Oldenburg, Trier, Soest und Wien - für diese Musik nicht weniger Ausland", wie im Booklet steht) für eine CD lang den Ort fest, an den Hubert von Goisern geraten ist.

Die Essenz einer zwei Jahrzehnte andauernden Suche nach einem adäquaten Ausdruck für Heimat und Ferne, für sehnsüchtig gewünschtes Dort und gar nicht so schlechtes Hier, für Weggehen(-müssen) und Daheimsein(-wollen) gelingt auf höchstem Niveau.

Die Lieder - allesamt aus der volkskulturellen Schatztruhe seiner engeren Heimat im inneren Salzkammergut - stammen aus einer Welt lange vor unserer Zeit. Die Sounds wurzeln in den Erfahrungen, die Hubert von Goisern gesammelt hat. Mantrahafte Schleifen, arabische Sprengsel und afrikanische Rhythmen bekommen da die gleiche Bedeutung wie Polka und Zwiefacher. Die Welt in ihren wesentlichen Bestandteilen ist überall die gleiche. Nur hören muss man das halt.

Auf "Ausland" klingt Goiserns Volksmusik in ihrer bisher intensivsten Ausformung, die immer persönlich daherkommt und sich nie anbiedert. Die Präzision der Band (Bernd Bechtloff, Max Lässer, Arnulf Lindner, Monika Drasch), das Gespür von Soundmann Wolfgang Spannberger und vor allem das klar definierte Ziel, die Musik der Heimat mit den Mitteln globaler Klänge zu vermessen, ohne in "Traditionsdümmelei" oder in Weltmusikwahnsinn zu verfallen, bestechen.

Als Draufgabe nach rund 100 Konzerten der Trad-Tour zog Hubert von Goisern mit seinen Musikern im Jänner dieses Jahres in die Sahara in Nordmali zum "Festival au desert". Die Zugabe zum Live-Mitschnitt ist eine bei diesem Tuareg-Festival vom Salzburger Kameramann Peter Pfund gedrehte und von Hubert von Goisern gestaltete Dokumentation. "Warten auf Timbuktu" heißt sie. Der Titel ist Programm. Einerseits geht es um die Sehnsucht, in der Nähe der mythologisch verklärten Wüstenstadt Timbuktu eine fremde Welt kennen zu lernen. Anderseits zeugt das "Warten" im Titel von der schieren Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens.

An einem gern als Ende der Welt definierten Ort treffen (Musik-)Kulturen aufeinander, um sich am Ende der Reise ein klein wenig besser zu verstehen, was freilich - und auch davon erzählt dieser Film - unter anderem durch Missverständnisse und Enttäuschungen passiert. Ein stiller, nachdenklicher Reisefilm ist es geworden, der sich vor allem der Frage widmet, warum man glaubt, aufbrechen zu müssen. Warum? Weil wir nicht anders können, wenn wir Neues wissen und Unbekanntes spüren wollen.

Am 18. November wird "Warten auf Timbuktu" (im Paket mit dem bereits im TV gesendeten Film "Trad") im Rahmen des zwölften Bergfilmfestival "Abenteuer Berg - Abenteuer Film" im Salzburger "Das Kino" seine Leinwandpremiere feiern.

© SN.

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