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Die Rückkehr der Mönche zum Wein
20. August 2005

Das Stift Admont stieg in Slowenien ins Weingeschäft ein. Bewirtschaftet werden jetzt wieder Güter, die bereits im 13. Jahrhundert den Benediktinern aus der Steiermark gehörten. Dem schwierigen Aufbau widmet sich Erich Krutzler aus der burgenländischen Winzerfamilie mit großem Elan. GERALD STOIBER

Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Ein Beispiel für diesen oft leicht dahingesagten Spruch geben die Mönche des Stifts Admont in Slowenien. Zehn Autominuten südlich von Spielfeld, in Jarenina, machten sich die Benediktiner aus der Obersteiermark in den vergangenen Jahren daran, alte Besitzungen wieder zu bewirtschaften, wie sie es über Jahrhunderte getan haben. Ein Schwerpunkt ist Weinbau. Dem Unternehmen gab das Stift den programmatischen Namen "Dveri-Pax intrantibus". Keine Missionierung also, sondern ein Willkommensgruß ("Friede allen Eintretenden"). "Es gibt eine jahrhundertelange Verbundenheit mit der Region. Das Stift war Vermittler der Kultur und der Prosperität. Wir wollen dort wieder Zeichen setzen", sagt Helmuth Neuner, Wirtschaftsdirektor des Stifts Admont. Der Forstwirt managt rund 1000 Mitarbeiter.

Im Zuge der "Denationalisierung" in Slowenien bekam das Priorat Marburg, eine 1937 gegründete Filiale des Stifts St. Paul im Lavanttal, in der ehemaligen Untersteiermark mit insgesamt rund 320 Hektar zurück, die schon im Mittelalter in kirchlichem Besitz standen. Das Stift Admont hat das Nutzungsrecht. Für das Stift ist der Weinbau heute eine neue Sparte. Doch Admonter Mönche früherer Jahrhunderte verstanden sich im heutigen Slowenien und in Niederösterreich schon auf die Kunst des Weinbaus.

Sitz von Dveri-Pax ist der Jaringhof. Das Anwesen wurde im 11. Jahrhundert für die Güter der Admonter Stiftsherren in der damaligen Untersteiermark gegründet. Über der Tür prangt das rot-weiße Wappen der Admonter mit den beiden Rhomben. Das heutige Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert - nun soll das halb verfallene Barockschloss neuen Glanz erhalten.

Für die Aufbauarbeit gewann das Stift einen Vollblutwinzer aus dem Südburgenland: Erich Krutzler (37) aus Deutsch-Schützen. Seine Eltern Hermann und Martha Krutzler standen seit mehr als zehn Jahren mit ihrem "Perwolff" in der ersten Reihe. Die Topcuvée auf Blaufränkisch-Basis zählt zu Österreichs besten Rotweinen. "Daheim war nur für einen Platz", sagt Erich. Sein jüngerer Bruder Reinhold führt heute das elterliche Weingut, Erich ging auf Wanderschaft. Ab 2001 als Konsulent für Admont tätig, ist er seit 2004 alleinverantwortlich für Dveri-Pax. Er ist Chef im Weingarten, im Keller und im Verkauf. Der "Falstaff" streute dem ambitionierten Winzer jüngst Rosen: "Er gilt als Verfechter der Regionalität und Natürlichkeit im Wein und ist ein erklärter Gegner von Uniformität und allzu viel Kellertechnik."

Eine vielleicht gängige Vermutung wischt Erich Krutzler in seinem spartanischen Zimmer im Jaringhof, das Büro, Besprechungsraum und Verkostungsecke zugleich ist, vom Tisch: "Ich will keine steirischen Weine machen." Sein Ziel sind weniger fruchtig-duftige Tropfen, sondern subtilere Weine, die als Essensbegleiter ihre Klasse ausspielen.

Über rund 60 Hektar Weingärten verfügt das Stiftsweingut. Die Flächen befinden sich um Jarenina (Region Marburg) und im Gebiet Ljutomer-Jeruzalem-Ormož sowie in der Region Radgona (südlich von Bad Radkersburg). Hier wird heuer der erste Blaufränkische geerntet und dann kann Krutzler zeigen, was er daheim gelernt hat. Erfahrung hat er - seinen ersten Wein kelterte er mit 16 Jahren.

Einen eigenständigen Weg geht Dveri-Pax schon jetzt. Die Palette reicht vom unkomplizierten Einsteiger "Janez", einem traditionellen, rassigen Gemischten Satz, bis zum eleganten Riesling. "Der Sauvignon wächst 200 Meter von Tements Zieregg entfernt", erzählt Krutzler über die südsteirische Toplage, und seine Augen funkeln dabei. "Eisenthür" ist eine Cuvée aus Grauburgunder (Sivi Pinot) und Furmint (Sipon) von der in der Habsburgermonarchie berühmten Lage bei Jeruzalem.

Derzeit reifen die Trauben des vierten Jahrgangs. Die erste Dveri-Pax-Ernte 2002 war bescheiden, rund 6000 Flaschen wurden gefüllt. Im Vorjahr waren es bereits 60.000.

Wenn Direktor Krutzler durch den alten, 30 Meter langen Keller des Jaringhofs führt, gerät er ins Schwärmen. "Das wird der Lagerplatz für die Barriques." In klei-nen Eichenholzfässern reifen schwere Rotweine. Die Renovierung soll das Gebäude auf die wichtigste Bauphase aus der Barockzeit zurückführen. Die Ideen dazu entwickelte das Wiener Architekturbüro Albertoni. In den leeren, einst prunkvollen Sälen des Jaringhofs hat Krutzler schon die Pläne aufgehängt.

Nicht weniger als sechs Millionen Euro wollen die Benediktiner in den Jaringhof investieren. Das Anwesen soll nicht nur der Produktion dienen, sondern auch den Weintourismus ankurbeln. Vorbild ist der Boom der vergangenen Jahre in der Südsteiermark. Natürlich erhofft sich Dveri-Pax EU-Förderungen. Bis zu 40 Prozent sind möglich, mit einer Entscheidung wird im Herbst gerechnet. Doch Wirtschaftsdirektor Neuner lässt durchblicken, dass ein Nein nicht das Aus für die Rückkehr der Mönche zum Wein bedeuten würde. Allenfalls langsamer könnte es gehen. Weil in Klöstern eben in Jahrhunderten gedacht wird.Bezugsquellen: Wein & Co, magazin, Stangl, Döllerer, Morandell Internet: www.dveri-pax.com

© SN.

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