| Ein Feuerspucker schickt seinen heißen Atem als zwei Meter hohe Fontäne in den Nachthimmel. Umkreist wird er von brennenden Spiralen.
Mit dem Feuer zu spielen ist erlaubt. Dies ist das Credo der österreichischen Feuerkünstlergruppe "Das Spielvolk". Der einzigartige Performancetrupp spielt professionell mit dem heißen Element. Das Publikum ist Feuer und Flamme.
"Am Anfang kannten uns nur Tankwarte, denn bei Tankstellen haben wir unser Petroleum geholt. Wir haben ihnen erklärt, dass wir Feuerkünstler sind, dass wir das Petroleum zum Entzünden unserer Schwinggeräte brauchen und haben auf unsere Antworten erstauntes Lächeln geerntet", erklärt Armin Brugger vom Spielvolk. Die 20-köpfige Performancegruppe ist mit ihrem beeindruckenden Flammenreigen aus schwingenden Feuerbällen und Funken sprühenden Feuerstäben, dem "volkseigenen" Feuerspucker sowie eigens gestalteter Choreographie und Musik mittlerweile vom Geheimtipp innovativer Veranstalter zu einer in Österreich, Deutschland und Italien bekannten Gruppe avanciert. Bei der Eröffnung der Snowboard-WM im steirischen Kreisberg, dem "Festival of Fiery Arts in Graz" oder bei der Eröffnung der neuen Sprungschanze am Berg Isel erntete die Gruppe glühende Begeisterung.
Wenn im Finstern Feuerkreise rotieren, Funken in der Petroleum erfüllten Luft flottieren und Sicherheitskräfte "schwitzen", dann ist das Spielvolk im Einsatz. Eine Frau - begleitet von Gesang, Trommeln, Didgeridoos - beginnt zu tanzen. In ihren Händen trägt sie Feuerschalen. Ihr brennt der Hut, ein ganz besonderer. An seinen Enden steht der Kopfschmuck in Flammen. Wen wundert es, dass der Tanz, mit dem die Künstlerin das Publikum begrüßt, immer schneller wird? Während dieser Feuertaufe des Bühnenraumes entzünden weitere Künstlerinnen und Künstler ihre "Devilsticks" genannten Feuerstäbe, ihre Schwinginstrumente an diesem Lichtkranz. Ein Feuerspucker schickt seinen heißen Atem als zwei Meter hohe Fontäne in den Nachthimmel. Umkreist wird er dabei von den brennenden Spiralen, Achtern, Wirbeln, Schleifen des Spielvolks. "Wenn wir mit unseren Schwinggeräten Feuerräder fabrizieren und Funken herumsprühen, liegt der Reiz für die Zuschauer sicher auch darin, dass unsere Kunst, so leicht sie erscheint, selbstverständlich auch gefährlich ist. Wer sich mit seinem brennenden Jongliergerät verheddert, kann schon mal ein paar Brandblasen abkriegen", so Tina Salzgeber vom Spielvolk. Für die Sicherheit des Publikums besteht keine Gefahr. Das Spielvolk geht mit seiner feurigen Gerätschaft äußerst sorgsam um. Minutiös wird auf Sicherheitsstandards geachtet. "Dafür legen wir die Hand ins Feuer", betont Brugger.
Die kreativen Feuerköpfe entwickeln eigene Choreographien und Kostüme, konzipieren die Musik für die Auftritte selbst, erarbeiten Schwarzlicht-Shows für "nichtbrennbare" Auftritte in Innenräumen, wie zum Beispiel Hotelhallen. Mit Feuerforschung der anderen Art, der Entwicklung neuer Geräte zum Schwingen und Jonglieren, ist die Gruppe ohnehin ständig beschäftigt. Die neuesten Kreationen sind sogar teilweise unbrennbar: Seifenblasen-"Poi" und Buntlicht-Feuerstäbe sowie "Poi" speziell für Auftritte in Innenräumen. "Poi" ist das Maori-Wort für "Ball". Die vom Spielvolk praktizierte neue Form der Feuerkunst leitet sich zum Teil von der Maori-Kultur Neuseelands ab. Der Fama nach haben die Maori-Frauen mit den kreisenden Lichtern dieser Bälle ihre auf See weilenden Männer von der Küste aus wieder nach Hause "beordert". Poi-Tanz - allerdings mit nicht brennenden Bällen - ist in Neuseeland weit verbreitet. Das Spielvolk hat dieses Element der Maori-Kultur weiterentwickelt. Die langen Stäbe, mit denen die Showgruppe jongliert, sind ein Element japanischer Kampfkunst.
Beim "Trockentraining" jonglieren die Mitglieder mit "Drachen-Poi", Bälle, die an Schnüren befestigt sind. Am Ende der Schnur ist ein Griff, mit dem man die Schwinggeräte in die Hand nehmen kann. Am Ende des Balls sind lange, bunte Schleifen angebracht. Werden die Poi geschwungen, entstehen wunderschöne, bunte Bahnen in der Luft und diese erinnern an einen Drachen. Bei der Feuershow selbst brennt dieser Schwanz des Drachen. In dieser Show kommen auch lange Feuerstäbe aus Holz oder Metall und "Devilsticks" zum Einsatz. Bei den "Devilsticks" wird ein Stab mit zwei anderen, kleineren, durch schnelle Bewegungen hin und her jongliert, in die Luft geworfen, wieder aufgefangen. Könner unter den "Devilisten" lassen diesen Teufelsstecken in der Luft kreisen und fangen ihn scheinbar mühelos wieder auf. In Wahrheit sind gute Körperbeherrschung, geschmeidige Handgelenke, sehr viel Gefühl und monatelanges Training Voraussetzung für all diese Kunststücke. GABRIELE RAMPL Das Spielvolk tritt am Freitag, den 3. Dezember, um 19.00 Uhr, bei der Eröffnung der neuen ArgeKultur in Salzburg auf. Das Motto des Abends lautet "First-Fire." Siehe: www.argekultur.at/neubau;www.dasspielvolk.at.
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