|
Kandahar, Kabul und Dschalalabad
Neu Delhi (dpa) - Die afghanischen Städte Kandahar,
Kabul und Dschalalabad waren Ziele der ersten US-Angriffe
auf Afghanistan. Kabul im Osten ist zwar die Hauptstadt,
Kandahar im Südwesten war aber während der
vergangenen Jahre die Machtzentrale. Dschalalabad ist
wegen seiner Nähe zu Pakistan wichtig.
Von Kandahar aus regierte Taliban-Anführer
Mullah Mohammad Omar bislang fast ganz Afghanistan.
Hier begann er 1994 seinen Feldzug gegen die Mudschahedin-Gruppen,
die in einen Bürgerkrieg verstrickt waren. Kandahar
galt lange Zeit auch als Wohnort des mutmaßlichen
Terrordrahtziehers Osama Bin Laden.
Kandahar war im Krieg gegen die sowjetischen Truppen
schwer zerstört
worden. Deutschland half beim Wiederaufbau. Kandahar
ist nach Kabul die
zweitgrößte Stadt Afghanistans und hat etwa
500.000 Einwohner. Die Stadt macht
den Eindruck eines großen Dorfs. Sehr junge Taliban
mit den typischen
schwarzen Turbanen sind überall in der Stadt zu
sehen.
Kabul wirkt im Vergleich dazu selbst heute
noch, obwohl es zum größten Teil in Trümmern
liegt, sehr viel städtischer. 1,8 Millionen Menschen
leben in Kabul. Fast niemand sieht ausreichend ernährt
aus, die Menschen wirken ausgezehrt, verbittert und
verzweifelt.
Die zahlreichen Verwaltungs- und Repräsentationsbauten
aus der Zeit von
König Sahir Schah, der bis 1973 regierte, und aus
der sowjetischen
Besatzungszeit sind nur notdürftig wiederhergestellt.
Hier haben die Taliban
ihre Ministerien.
Die Straßen Kabuls sind in den vergangenen Jahren
ausgebessert worden.
Strom aus einem Wasserkraftwerk ist die wichtigste Energiequelle
der Stadt,
die viele Menschen in den kalten Wintern auch zum Heizen
nutzen. Kaum ein
Fenster ist mehr ganz. Die Stadt war nicht im Krieg
gegen die sowjetischen
Truppen, sondern im Bürgerkrieg der Mudschahedin
zerstört worden.
Auf halbem Weg zwischen Kabul und der pakistanischen
Grenze liegt Dschalalabad. Wegen der Nähe
zu Pakistan hat sich die Stadt am schnellsten von den
Folgen des Krieges erholt. Die Gegend um Dschalalabad
ist berüchtigt als Anbaugebiet für Schlafmohn,
aus dem Heroin hergestellt wird. In diesem Jahr sollen
die Taliban den Anbau jedoch unterbunden haben.
|