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Ein veränderter Riese: Die USA nach den Terroranschlägen


Das Land und sein Präsident machten tiefgreifende Wandlungen durch.

WASHINGTON (SN, dpa). Ned Cabot kann es manchmal selbst noch nicht glauben. Im Vorgarten des liberalen ehemaligen Kriegsgegners weht die amerikanische Flagge. Wie Hunderttausende anderer Amerikaner bekundet der überzeugte Demokrat damit seine Unterstützung für die Opfer der Terroranschläge und für den von Präsident George Bush erklärten Krieg gegen das Böse. Ned Cabots Wandel gehört zu den vielen dramatischen Veränderungen, die sich in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September mit mehr als 3000 Toten vollzogen haben.

Besonders augenscheinlich ist die Veränderung beim Präsidenten Bush. Noch vor einem Jahr musste der Oberste Gerichtshof der USA einschreiten, um dem texanischen Gouverneur nach der denkbar knappsten Wahl die Tür ins Weiße Haus zu öffnen, nun unterstützen ihn über 80 Prozent der Amerikaner. Selbst sein ehemaliger Rivale Al Gore bekannte, dass Bush nun sein Präsident sei.

Bush, der im Wahlkampf noch aufgezogen wurde, weil er den Namen des pakistanischen Präsidenten nicht nennen konnte, zeigt sich inzwischen weltgewandt. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Präsident nicht einen neuen Staatsgast im Weißen Haus empfängt, und sich mit dem Besucher dann selbstsicher den Medien stellt.

Und während die erste Begegnung nach seinem Amtsantritt etwa mit dem britischen Premier Tony Blair noch recht inhaltsleer ausfielen und lediglich von der gemeinsamen Vorliebe für eine bestimmte Zahnpasta geprägt waren, ist es Bush nach den Anschlägen gelungen, eine weltweite Allianz gegen den Terrorismus zu schmieden. Bushs Außenpolitik wurde dabei ganz seiner Mission untergeordnet. So wurde das einst geächtete Pakistan zum engsten Verbündeten der USA in der Region.

Die Beziehungen zu Russland besserten sich dramatisch, nachdem Washington seine Haltung zum Tschetschenien-Konflikt änderte und die einst als Freiheitskämpfer bezeichneten Rebellen in die Nähe von Terroristen rückte.

Zugleich behielt der konservative Politiker dabei seine Ziele fest im Auge. So kündigte er den 30 Jahre alten ABM-Vertrag mit Moskau zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen auf - ganz so wie er es bereits im Wahlkampf erklärt hatte, um seine Raketenabwehrpläne voranzutreiben. Und während es vor einigen Monaten deswegen noch einen lauten Aufschrei gegeben hätte, nahm es die Welt nun fast gelassen hin.

Innenpolitisch veränderte Bush die USA ebenfalls dramatisch. Im Kampf gegen den Terrorismus wurden milliardenschwere Wirtschaftspakete geschnürt. Zugleich setzte Bushs erzkonservativer Justizminister John Ashcroft mehrere Gesetzesänderungen durch, die der Polizei unter anderem bessere Möglichkeiten zum Überwachen von Telefongesprächen und E-Mails einräumen.

Zudem wurden die Möglichkeiten geschaffen, die vertraulichen Gespräche zwischen Anwälten und ihren Mandanten abzuhören. Internationale Kritik rief Bushs Entscheidung hervor, erstmals seit Jahrzehnten wieder Militärtribunale einzusetzen.

In den USA selbst wurde dagegen kaum Kritik an Bushs Politik laut. Die Nation wurde nach Ansicht von Beobachtern durch die Ereignisse vom 11. September regelrecht zusammengeschweißt. Zudem sind fast alle bereit, für ein Mehr an Sicherheit vor neuen Anschlägen auf einige Bürgerrechte zu verzichten. Lediglich innerhalb der Einwanderergruppen wächst der Protest gegen die Festnahme hunderter Ausländer nach den Anschlägen.

Trotz aller neuer Gesetze und massiv verbesserter Sicherheitsvorkehrungen ist es der Regierung allerdings nicht gelungen, ihren Bürgern die Angst vor Anthrax-Briefen zu nehmen. Über zwei Monate nach Bekanntwerden des ersten Anthraxfalls und inzwischen fünf Todesfällen fehlt von den Tätern, die innerhalb der USA vermutet werden, noch immer jede Spur. Aus Angst vor anthrax-verseuchten Briefen verzichten Hunderttausende Amerikaner in diesem Jahr darauf, Weihnachtskarten zu verschicken.

Viele Bürger befolgen inzwischen auch die Warnungen der Behörden und öffnen ihre Post nur noch mit äußerster Vorsicht, achten auf Absender und melden verdächtige Päckchen sofort der Post.

© SN

 

 
 

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