|
Nordallianz gibt sich weiter siegessicher

Die Taliban auch aus Südwest-Afghanistan verjagen.
KABUL (SN, dpa). Die Moral seiner Soldaten ist für Abdol-Madschid "wie verwandelt". Der Führer eines Trupps der Nordallianz in der südafghanischen Provinz Nimrus führt dies auf die rasche militärischen Erfolge gegen die Taliban zurück. "Der Frust in den letzten Wochen war groß, denn ohne Erfolge auf den anderen Fronten, konnten wir uns nicht leisten, große Schlachtpläne zu schmieden", sagt der Usbeke.
"Aber jetzt ist alles wie verwandelt, nicht nur bei uns, sondern auch bei den Taliban-Truppen auf der anderen Seite der Front ... die Gegenwehr ist sichtlich weniger heftig", berichtet er. Abdul-Madschid ist die rechte Hand des Kommandeurs der Nordallianz in Nimrus, Karim Barahui. Und dieser ist überzeugt, die Taliban nun auch bald aus der strategisch wichtigen Provinz im Südwest Afghanistan mit einer langen Grenze zum Iran verjagen zu können. "Nur noch ein paar Tage, dann befreien unsere Truppen auch die Provinzhauptstadt Sarandsch und damit die gesamte Nimrus Provinz", gibt er sich im 35 Kilometer entfernten Chahar Bordscheh siegessicher.
Abdolraschid Baschardust, ein Sicherheitschef im Taliban-Einflußgebiet, winkt ab und sieht die Zuversicht des Gegners als unbegründet und reine Polemik. "Städte wie Masar-i-Scharif und Bamian waren mehrmals kurz in Händen der Nordallianz, wurden aber immer wieder von den Taliban zurückerobert", sagt er und meint: "Wir haben die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung, unsere Brüder in Pakistan werden uns bald zur Seite stehen, die Nordallianz hat jedoch nur den scheinheiligen Beistand der gottlosen Amerikaner." Und er fügt hinzu: "Die Vertreibung der Sowjets sollte doch eine Lehre sein für alle, die immer noch von ausländischen Dominanz in Afghanistan träumen."
Molana Abdolhamid Schahbaksch, religiöser Führer von sunnitischen Moslems in der iranischen Grenzprovinz Sistan-Baluchistan, warnt vor voreiligen Schlüssen aus den Erfolgen der Nordallianz. "Die Taliban sollten nicht unterschätzt werden", sagt er. "Sie können sich, wie während der sowjetischen Invasion, in den Bergen verstecken und zu gegebener Zeit dann wieder zuschlagen."
Doch Kommandeur Barahui ist fest entschlossen: "Die Taliban werden besiegt und vertrieben, die Loja Dschergeh (Staatsrat) gebildet, ein Termin für demokratische Wahlen unter der Aufsicht der UNO festgelegt." Ein neuer domokratischer Staat werde geschaffen.
© SN
|