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Wohnen in Salzburg

Neues Wohnbauförderungsgesetz stärkt Sanierungsmöglichkeiten
28. Februar 2004

Wohnbaulandesrat Dr. Othmar Raus nimmt im SN-Gespräch Stellung zu aktuellen Themen rund ums Bauen, Wohnen und Renovieren in Salzburg.

HERWIG STEINKELLNER

INTERVIEW

SN: Sehr geehrter Herr Landesrat, das abgelaufene Jahr hat vor allem für 4000 Salzburger Käufer von

Eigentumswohnungen böse Überraschungen gebracht. Sie erhielten nachträgliche Gebührenvorschreibungen von bis zu 7000 Euro. Eine schö-ne Bescherung?

Raus:

Das stimmt. Mehr als 100 Salzburger Familien haben diese Vorschreibungen tatsächlich erhalten, über 3900 schwebte das Damoklesschwert. Es handelte sich dabei um eine Aktion des Justizministeriums. Das Ministerium hatte seine Rechtsansicht geändert und war plötzlich der Auffassung, dass für den Kauf einer geförderten Eigentumswohnung Gebühren für die Eintragung der Pfandrechte in das Grundbuch fällig sind. Bisher waren die Käufer von diesen Gebühren befreit. Das Unglaubliche daran: Man entschied, fünf Jahre rückwirkend diese Gebühren nachzuverlangen. So fielen viele Familien aus allen Wolken, als sie plötzlich zusätzlich zu den Kaufkosten rund 4000 Euro berappen mussten. Mittlerweile ist es mir aber gelungen, weitere Zahlungsaufforderungen abzublocken. Ich hoffe, dass ich das Justizministerium überzeugen werde können, endgültig auf diese zu verzichten.

SN: Gab es im Jahr 2003 noch

andere negative Überraschungen im Bereich des Wohnbaus?

Raus:

Ich muss zugeben, dass die Bundesregierung uns mit ihren Überraschungen auf Trab hält. Erst vor wenigen Wochen hat Finanzminister Grasser angekündigt, die Einnahmenausfälle der Steuerreform durch Kürzungen bei der Wohnbauförderung kompensieren zu wollen. Wörtlich sagte er, dass die Wohnbauförderungsgelder sich "dafür anbieten" würden. Bei den Finanzausgleichsverhandlungen geht es nun darum, in den Länder, vor allem in Salzburg, Widerstand zu leisten. Der Mittelstand würde, so glaube ich persönlich, unter der Kürzung der Wohnbauförderung am meisten leiden. Für viele wäre der Traum vom Eigenheim oder einer Eigentumswohnung ausgeträumt. Aber man soll nicht übertreiben: Trotz dieser Probleme entwickelt sich der Wohnbau in Salzburg ganz ordentlich. Vor allem zeigte das letzte Jahr, dass der Einbruch in der Baukonjunktur langsam überwunden wird.

SN: Können Sie konkrete Zahlen

vorlegen?

Raus:

Im Land Salzburg gibt es bereits mehr als 240 000 Wohnungen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 20 Prozent gegenüber dem Zeitpunkt vor 10 Jahren. Die Wohnungen sind heute von besserer Qualität und auch größer. Wir haben es geschafft, dass 88 Prozent der Wohnungen der Kategorie A entsprechen.

Die durchschnittliche Quadratmeterfläche der Wohnungen liegt bei 89 Quadratmetern. Die Wohnbauförderung ist entscheidend dafür, am Bau die Arbeit nicht ausgehen zu lassen. Deswegen war es meine Politik, jeden Euro der Wohnbauförderungsgelder auch tatsächlich im Wohnbau einzusetzen.

SN: Es mehren sich aber die Berichte über eine größer werdende Anzahl von Wohnungssuchenden.

Raus:

Das stimmt. Vor allem in den Ballungszentren, und hier vor allem in der Landeshauptstadt, gibt es immer mehr Menschen, die sich für eine geförderte Mietwohnung angemeldet haben. Wir haben grundsätzlich genügend Wohnraum in unserem Land, der Druck des Marktes in Richtung günstiger Mietwohnungen mit unbefristeten Verträgen nimmt aber wieder zu. Auch aus diesem Grund habe ich dafür gesorgt, dass beim Mietwohnbau vor allem der Zentralraum bedient wird. Die Nachfrage nach Mietwohnungen nimmt zwar im ganzen Land langsam wieder zu, einen echten Engpass gibt es aber zur Zeit nur in der Stadt Salzburg und Umgebung. Allein für dieses Jahr habe ich Fördermittel für rund 600 Mietwohnungen freigegeben.

SN: Können wir von einem allgemeinen Trend hin zur Mietwohnung sprechen?

Raus:

Hier gilt es zwei Dinge zu beachten. Erstens wissen wir aus unseren unzähligen Beratungsgesprächen, dass die Salzburgerinnen und Salzburger weiterhin vom Eigentum träumen. Die jungen Familien streben heute ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung an. Die Zahlen der realen Entwicklung zeigen aber, dass dieser Wunsch immer weniger erfüllt werden kann. Das liegt zum einen am nötigen Eigenkapital, zum anderen aber auch an der Lebenssituation vieler Bürger, die zu mehr Mobilität gezwungen sind. Eigentum zu erwerben und dann den Ort zu verlassen ist finanziell sehr problematisch. Deswegen zeigt sich auch, dass vor allem die Mietwohnungen in Salzburg immer stärker nachgefragt werden. Sie nahmen in den vergangenen 12 Jahren um 32 Prozent zu. Alle anderen Wohnformen sind weniger stark gewachsen.

SN: Spiegeln sich darin auch

steigende Preise für Eigentums-

wohnungen wider?

Raus:

Nein, das ist nicht der Fall. Tatsächlich gelingt es uns seit einiger Zeit, am Salzburger Wohnungsmarkt relativ stabile Preise für Eigentumswohnungen zu halten. Sowohl die von den gemeinnützigen Genossenschaften als auch von den gewerblichen Bauträ-gern errichteten Gebäude erzielen relativ konstante Preise.

Auch auf dem Markt mit gebrauchten Wohnungen ist kein wesentlicher Preisanstieg festzustellen. Tatsächlich liegen wir heute noch deutlich unter den Höchstmarken, die zu Beginn der 90er-Jahre erzielt wurden. Das ist nicht für alle positiv. Für junge Familien, die nun den Einstieg am Wohnungsmarkt erleben, ist es sicher etwas Gutes, wenn die Preise niedrig sind. Aber ich bin auch mit vielen Menschen konfrontiert, die in der Hochpreisphase Eigentum erworben haben und dieses nun verkaufen wollen oder müssen. Für diese Menschen sind die sinkenden Preise keine gute Nachricht. Deswegen ist mein Ziel auch, langfristig möglichst stabile Verhältnisse zu erreichen und große Schwankungen zu verhindern.

SN: Welche konkrete Politik betreiben Sie, um diese stabilen Verhältnisse zu garantieren?

Raus:

Dazu gehört ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Am wichtigsten ist es, bei der Genehmigung von neuen Förderungen für Eigentumswohnungen, Mietwohnungen oder im immer wichtiger werdenden Bau von Seniorenheimen die richtige Mischung zu finden. Diese Investitionen sorgen dafür, dass gebaut wird und dass sich am Wohnungsmarkt Angebot und Nachfrage die Waage halten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von individuellen Instrumenten der Wohnbauförderung, die ich einsetze. Besonders populär wurden in den vergangenen Jahren so genannte Miete-Kauf-Angebote. Dabei entstanden einige Probleme aus noch wenig entwickelten Vertragsmodellen. Mit Hilfe des neuen Wohnbaugesetzes wird in Zukunft mehr Sicherheit geschaffen.

Das neue Wohnbauförderungsgesetz stärkt außerdem die Sanierungsmöglichkeiten, was aus der Sicht der Betriebskosten, einer besseren Umwelt und eines schöneren Wohnens wichtig ist. Schließlich wird die Wohnbeihilfe auf 2000 zusätzliche Haushalte erweitert. Das ist - relativ gesehen - nicht viel. Für die 2000 Haushalte bedeutet es aber, dass ihnen die Mietbelastungen nicht über den Kopf wachsen werden.

SN: Herr Landesrat, wie schätzen Sie die Gesamtentwicklung der

Wohnbaubranche in Salzburg ein?

Raus:

Ich bin nun seit 15 Jahren zuständig für den Wohnbau und kenne die meisten der handelnden Akteure gut. Ich kann festhalten, dass man in der Salzburger Wohnbranche sehr viele seriöse Persönlichkeiten antrifft - was zu einem großen Vertrauensverhältnis zwischen Firmen und Konsumenten geführt hat. Diese Stabilität und Seriosität der Branche spiegelt die Qualität wider, die sich auch im heimischen Wohnbau findet.

SN: Vielen Dank für das Gespräch!

© SN.

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