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Lehen gilt als Sorgenkind. Leere Geschäftslokale, sinkende Wohnqualität und wenig Investitionen prägen heute das Erscheinungsbild des jungen Stadtteils.
SALZBURG.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Lehen nicht mehr als ein schwach besiedelter Landstrich. Erst die Verkehrserschließung des Stadtteils durch den Bau der Ludwig-Viktor-Brücke und die Anlage der Ignaz-Harrer-Straße brachten eine Veränderung - die vor allem um die Jahrhundertwende zu einem Bauboom mit spätgründerzeitlicher Ausrichtung führte (die Fassaden vieler Häuser zeugen noch heute davon). Zur Ausbildung bürgerlicher Villenviertel wie am südlichen und westlichen Stadtrand Salzburgs kam es allerdings nicht. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach die rege Bautätigkeit mit einem Schlag und führte in weiterer Folge zu einer Krise auf dem Wohnungsmarkt. Die Stadt sah sich gezwungen, Notquartiere auf städtischem Grundbesitz und in öffentlichen Gebäuden zu errichten. So finanzierte sie den Bau der "Lehenerbaracken" mit insgesamt 65 Wohnungen. In bescheidenem Rahmen bahnte sich damit eine Entwicklung an, die den Wohnbau der Zwischenkriegszeit in allen österreichischen Städten kennzeichnete: die wachsende Bedeutung des kommunalen Wohnbaus bei gleichzeitigem relativen Rückgang der privaten Wohnbautätigkeit.
Scherzhauserfeldsiedlung: Kleinwohnhäuser für Arme
Da die in Lehen und anderen Stadtteilen errichteten Gemeindewohnungen nicht für alle Wohnungssuchenden erschwinglich waren, beschloss der Gemeinderat 1928 die Errichtung von Kleinwohnhäusern für Bedürftige - was 1929 zum Bau der "Scherzhauserfeldsiedlung" führte. Die Siedlung wurde vor einigen Jahren abgerissen. Die Wahl des Standortes auf hochwassergefährdeten Gründen an der damaligen Stadtgrenze sowie die äußerst bescheidene Ausgestaltung verbannte die Bewohner der Siedlung gleichsam in ein Ghetto der Armut und Abgeschiedenheit. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die bauliche Entwicklung von Lehen noch einmal für ein Jahrzehnt. Schließlich verursachten die Bombenangriffe auch im Lehener Bereich beträchtliche Zerstörungen. Die Wiederaufbauphase nach dem Ende des Krieges veränderte die Stadtlandschaft im Bereich von Lehen innerhalb von drei Jahrzehnten weit mehr als die vorangegangenen 100 Jahre. Die Behebung der Wohnungsnot wurde jetzt als das Gebot der Stunde angesehen. Die weitgehende Vernachlässigung städteplanerischer Gesichtspunkte bei der überstürzten Verbauung zeitigte eine für Salzburger Verhältnisse außergewöhnliche Verminderung der Wohnqualität in diesem Stadtteil. Die vor 1945 immerhin gegebenen Vorteile "vorstädtischen" Wohnens wurden nun durch eine überdurchschnittliche Wohndichte und eine ständig anwachsende Verkehrsbelastung abgelöst. Heute wird intensiv darüber nachgedacht, wie Lehen an Attraktivität gewinnen kann. Städtebauliche Szenarien und Konzepte werden dabei von Experten und der Lehener Bevölkerung auf ihre Potenziale und Zukunftschancen hin abgeklopft. Frei nach dem Motto "die Ignaz-Harrer-Straße kann mehr sein, als ein von Blechlawinen, Verkehrslärm, Gestank und verfallenen Fassaden geprägter Asphaltkanal" setzt das Projekt @fallnhauser einen wichtigen Impuls zur Stadtteilentwicklung in Lehen.
Innovatives Projekt @fallnhauser startet im Mai
"Das bauliche Konzept kombiniert attraktive Wohn- und Arbeitsformen und setzt sie mit den Mitteln zeitgenössischer Architektur um", erklären man sich im Architekturbüro Halle 1 überzeugt. "Agile Bevölkerungsschichten und junge Familien sollten dadurch angesprochen und dazu animiert werden, wieder in den Stadtteil zu ziehen." So kann man zwischen (Klein-)Wohnungen und Maisonetten mit eigenen Arbeitsräumen oder Gemeinschaftsbüros in Verbindung mit Kleinwohnungen wählen. "Flexibles Wohnen und Arbeiten, ob alleine, zu zweit oder in einer Gemeinschaft - alles ist möglich", versprechen Architekt und Bauträger. Das Raumangebot verteilt sich dabei auf drei Gebäude, die am 2.500 Quadratmeter großen Areal errichtet werden. Sie orientieren sich an der bestehenden spätgründerzeitlichen Blockrandstruktur und kombinieren diese mit zeitgemäßen Mitteln und Ausdrucksformen. In den Binnenräumen entstehen lärmgeschützte Höfe, die Dachflächen werden als Terrassen genutzt. Diese stehen der Gesamtanlage als Freibereiche mit Swimming-Pool, Fitnessräumen, Solarium und Sauna zur Verfügung. Serviceeinrichtungen wie Wäsche- und Haushaltshilfen oder Reparaturdienste sollen den Wohnkomfort der Anlage weiter erhöhen.
Als Bauträger fungiert die Gemeinnützige Wohn- & Siedlungsgenossenschaft "Salzburg", ausführendes Architektenbüro ist HALLE 1. Der Startschuss ist bereits im vergangenen Herbst gefallen.
© SN.
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