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Bildung

Dem Ruf der Welt folgen
30. September 2005

Egal ob Praktikum oder Auslandssemester: Einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen, gehört heute für die Studenten zum Hochschulstudium dazu.

katharina fischerWien (SN). Fünf Monate war Johann in Bordeaux. Für ein Auslandssemester. Er grinst: "Das war eine großartige Zeit. Dort waren Leute aus der ganzen Welt." Eigentlich studiert Johann Jus in Wien. Aber schon seit Beginn seines Studiums wollte er auch "woanders" studieren. Bordeaux habe sich angeboten: "Ich spreche die Sprache und es gab einen Platz an der Uni dort."

Ein Auslandsaufenthalt ist mittlerweile beinahe ein "Muss" beim Studium. Sprachkenntnisse, andere Kulturen kennen lernen, den eigenen Horizont erweitern: Die Vorteile sind bekannt. Im Lebenslauf ist die Zeit im Ausland unbezahlbar. Das wissen auch die Studenten. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis sieht es aber anders aus: Diejenigen, die im Ausland studieren, sind immer noch in der Minderheit. 3347 Studierende zog es im Rahmen internationaler Abkommen im Wintersemester 2004 hinaus aus Österreich. Zum Vergleich: Allein an der Uni Wien zählt man mehr als 63.000 Studierende.

Das Bildungsministerium schränkt allerdings ein: Wie viele Österreicher im Ausland studieren, kann man nicht genau sagen. Denn wenn jemand selbstständig in ein anderes Land geht, erfährt das Ministerium davon im Regelfall gar nichts. Zu den 3347 "Auslandsakademikern" dürften also einige dazukommen, die dem Ruf der Ferne auf eigene Faust folgen.

Trotzdem: Internationale Kooperationen sind für viele das Tor zur Welt. Mit Abstand am wichtigsten ist "Erasmus", ein Programm der EU. Auch Johann fuhr mit "Erasmus" nach Frankreich. "Es war zwar ziemlich viel Bürokratie, aber im Endeffekt zahlt es sich echt aus." Daneben gibt es zahlreiche andere Programme, zum Beispiel "CEEPUS" in Zentraleuropa. Aber auch für die USA, Australien oder Asien gibt es Kooperationen. Ganz wichtig: Studierende, die im Rahmen solcher Kooperationen ins Ausland gehen, sind in Österreich von der Studiengebühr befreit.

Einen ganz anderen Weg hat Eva gewählt: Nach einem Tourismus-Kolleg in Salzburg-Klessheim wollte sie noch weiterstudieren. "In Österreich gibt es aber kein aufbauendes Studium in dieser Richtung." Also ging sie nach Holland, um dort ihr Bakkalaureat zu machen. Zwar ganz ohne "Erasmus", aber trotzdem im Geiste der EU. Ab Oktober wird Eva nun in London arbeiten.

Durch einen Aufenthalt im Ausland "bekommt man die Gelegenheit, das eigene Fach aus einer anderen Perspektive zu sehen", sagt Cornelia Blum. Wichtiger sei aber eigentlich "das Leben in einem anderen Land, das Kennenlernen einer anderen Kultur. Das kann man gar nicht aus Büchern lernen". Dem stimmt auch Johannes zu: "Das Drumherum war das Spannende, zu sehen, wie etwas woanders abläuft."

Aber es muss gar nicht immer die Universität sein: Alex studiert Handelswissenschaften an der Wiener WU. Im Juli und August war er in New York. Als Praktikant an der österreichischen Außenhandelsstelle. Alex lacht. "Nebenbei kann man eine geniale Stadt kennen lernen."

Bei einem sind sich alle einig: Wer einmal dem Ruf der Fremde gefolgt ist, den zieht es wieder fort.

© SN.

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