| Elektronisches Lernen auf dem Vormarsch - Salzburger Uni gewinnt Preis für beste Hochschulentwicklung mit digitalen Medien
SAlzburg (SN-heli). E-Learning - elektronisch unterstütztes Lernen - gehört zum Studentendasein fast schon genauso wie Collegeblock und Prüfungsskript. Aus dem Universitatsalltag des 21. Jahrhunderts ist die virtuelle Lernplattform kaum noch wegzudenken:
E-Learning macht "vieles leichter" und ist zudem "total praktisch" - das meinen die Salzburger Studenten. "Man kann sich Unterlagen zu Lehrveranstaltungen runterladen oder in den Foren diskutieren", beschreibt Alex, 23, die Vorteile des medienunterstützten Unterrichts.
An der Paris-Lodron-Universität Salzburg ist man besonders stolz auf den Erfolg der Lernplattform "Blackboard": Das Gesamtkonzept der Initiative "Flexibles Lernen" hat den diesjährigen Medida-Prix gewonnen, einen Preis für mediendidaktische Hochschulsysteme.
"Dieser Preis ist der prominenteste in diesem Bereich, der Oscar sozusagen", sagt Othmar Weiskirchner, Leiter des Zentrum für Flexibles Lernen (ZFL) der Uni Salzburg. Er ist stolz auf "Salzburgs Vorreiterposition" beim E-Learning. "Es war ein hartes Stück Arbeit bis hierher", bestätigt Martin Mader, Pressesprecher des Zentrums.
Die Mühe hat sich gelohnt: 25.000 Euro hat das Servicezentrum als Preisgeld erhalten.
Jede Universität in Österreich verfügt mittlerweile über ein E-Learning-System. Vom Ministerium ist es freigestellt, welches Produkt erworben wird. In Salzburg und Innsbruck fiel die Wahl vor vier Jahren auf das amerikanische Konzept "Blackboard". Jährlich wird dafür eine Lizenz bezahlt. "Das kostet etwa so viel, wie wenn wir jedem Studenten eine Kinokarte kaufen würden", beschreibt Weiskirchner den finanziellen Aufwand.
E-Learning wird zur Trenderscheinung Nach anfänglicher Zurückhaltung steigt die Zahl der "Blackboard"-Nutzer in Salzburg nun konstant an. Die Zahlen zeigen, dass das Produkt bei Dozenten wie Studenten gleichermaßen gut ankommt: 470 Lehrveranstaltungen wurden im Sommersemester von "Blackboard" begleitet, über 700 Lehrende beziehen es in den Unterricht mit ein. Laut Othmar Weiskirchner frequentieren die Studenten die Plattform rund um die Uhr, auch nachts und am Wochenende. Immerhin verkörpert das E-Learning genau das, was die Studenten von heute anspricht: Modern, unabhängig, flexibel, kommunikativ und praktisch. "Es liegt im Trend", sagt Martin Mader.
ZFL-Leiter Weiskirchner beschreibt die Notwendigkeit des elektronisch unterstützten Lernens so: "Man muss sich dem Lauf der Zeit anpassen, und die neuen Medien sind eben allgegenwärtig."
Dennoch wird in Salzburg nicht das Konzept des reinen E-Learnings verfolgt. "Reines E-Learning heißt, überwiegend Fernlehrveranstaltungen anzubieten. Das ist nicht unser Ziel", betont Weiskirchner. ",Blackboard‘ soll Kurse nicht ersetzen, sondern unterstützen."
Für die Lehrenden gibt es Schulungen, die sie mit den Möglichkeiten des E-Learnings vertraut machen. Wie umfangreich das elektronische Lehrmittel eingesetzt wird, bleibt den Lehrenden überlassen. "E-Learning ist ein Service und soll nicht unter Druck und Zwang eingesetzt werden. Es soll da verwendet werden, wo es sinnvoll ist", erklärt Martin Mader.
Die Nutzung ist außerdem fachabhängig: "Es gibt Fachbereiche, die das ,Blackboard‘ zu 100 Prozent einsetzen, wie beispielsweise die Sportwissenschaft", sagt Othmar Weiskirchner. In der Theologie dagegen werde die virtuelle Plattform kaum genutzt.
Weiskirchner sieht im "Blackboard" außer der Lehrfunktion weitere Vorteile: "Es hilft den Studenten, ihr Studium zu organisieren. Sie haben von überall Zugriff, können Kalender verwalten und jederzeit administrative Angelegenheiten erledigen." 90 Prozent der Studenten haben privaten Internetzugang, sagt Martin Mader. Für die anderen stünden Computer in der Uni zur Verfügung.
Viele Pläne für die interaktive Zukunft Das flexible Lernen in Salzburg wird auch in Zukunft weiter ausgebaut. Es ist geplant, eine "Gebrauchsanweisung" für den ,Blackboard‘-unterstützten Kurs zu entwerfen sowie die Bibliothekssuchmaschine "Aleph" an das ,Blackboard‘ anzubinden.
Othmar Weiskirchner träumt außerdem von einer interaktiven Vernetzung mit anderen Hochschulen. Dann könnten Professoren und Studenten von verschiedenen Unis ihre Gedanken austauschen.
© SN.
|