| Der freie Uni-Zugang ist Geschichte - In acht Studienrichtungen gibt es höchst unterschiedliche Zugangstests und Beschränkungen
WIEN (SN-schli). Der allererste Aufnahmetest seit dem Fall des freien Hochschulzugangs in Österreich startete am 12. September an der Wiener Veterinärmedizin (VUW) ausgerechnet in "Pferdewissenschaften". Der freie Zugang war damit auch in diesem Studiengang, in dem auch zuvor hohe inoffizielle Zugangshürden aufgetürmt worden waren, offiziell gekippt. Nicht unbedingt wegen der "deutschen Gefahr". In Pferdewissenschaften waren schon in den letzten Jahren 50 Prozent der Studierenden aus Deutschland gekommen.
Der Rektor der VUW, Wolf-Dietrich von Fricks, kommt auch aus Deutschland. Schon vor vielen Jahren hat er von dort das österreichische Ministerium gewarnt, dass die Regelung, mit der EU-Ausländer vom Studium in Österreich ausgeschlossen wurden, nicht zu halten sein werde. Nun ist Fricks zumindest sicher, dass in dem an seiner Uni angewandten mehrstufigen Zulassungsverfahren (Ausgewählte Schulnoten, "Motivationsschreiben", "Charaktertest") an der Veterinärmedizin "letztlich kaum jemand" abgewiesen werde, der das Studium ernsthaft anstrebe.
Das traut sich an den nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs heillos überlaufenen Medizin-Universitäten niemand zu sagen.
An der Wiener Medizinischen Universität schaffte man es mit einem "patriotischen Trick", durch ein Vorziehen der Einschreibung auf ein Datum vor dem absehbaren EuGH-Urteil, 1127 Österreicher und nur 267 Deutsche zuzulassen.
An der Innsbrucker Med-Uni zählte ebenfalls der Zeitpunkt der Anmeldung. Abgefragte Zusatzqualifikationen (Noten, medizinisch-soziales Engagement) wurden letztlich nicht herangezogen. Zuletzt wurden aus 70 gleichwertigen Anmeldungen 24 Studienplätze ausgelost (22 gingen an Deutsche, zwei an Österreicher). Auch die Südtiroler wurden ausgetrickst. Zu Beginn der Bewerbungsfrist in Innsbruck waren noch nicht alle Maturaprüfungen in Südtirol abgeschlossen. Nur 13 von 77 vorangemeldeten Südtiroler Studenten erhielten einen Medizin-Studienplatz. Eine Reihe von Schülern - teilweise mit lauter Einsern im Matuarzeugnis - wurde von der Uni fehlinformiert, nach der Rückkehr von der Maturareise war es dann zu spät für eine erfolgreiche Anmeldung. Aus Österreich kommen nun 260 Innsbrucker Medizin-Erstsemestrige, aus Deutschland 249.
Die Situation an der Grazer Medizin wurde recht treffend als "Sperm-Race" beschrieben - In Graz werden alle - bisher rund 3000 - angemeldeten Studenten im ersten Semester zugelassen, ins zweite Semester kommen nur 100 weiter.
Am 7. Juli hatte der EuGH die Diskriminierung von Studienbewerbern mit nichtösterreichischer Matura verboten. Tags darauf wurde im Parlament eine Novelle verabschiedet, die Beschränkungen in acht Studien (Human-, Zahn- , Veterinärmedizin, Biologie, Psychologie, Pharmazie, Betriebswirtschaftslehre und Publizistik) bringt.
Bunter Wildwuchs von "Notmaßnahmen" Es entstand ein Wildwuchs von mitunter offen als "Notmaßnahmen" titulierten Zugangsverfahren, die - siehe oben - zum Teil in letzter Minute zurückgenommen wurden.
An der Universität Wien wird es in Psychologie und Pharmazie ein Auswahlverfahren auf Basis mehrerer Knock-out-Prüfungen im ersten Semester geben. Die Kapazitätsgrenzen von 600 (Psychologie) bzw. 140 (Pharmazie) Studienplätzen wurden bei den Anmeldungen deutlich überschritten. Die Realität hat auch bisher so ausgesehen, dass etwa in Psychologie im Rahmen einer einführenden Ringvorlesung in Prüfungen massiv ausgesiebt worden war. In den Fächern BWL, Biologie, Publizistik blieb es in Wien bis zuletzt spannend, ob die Kapazitätsgrenzen überschritten würden.
Auch an der Wiener Wirtschaftsuni flogen schon bisher in der Studieneingangsphase viele Studenten aus dem System. Diese Auslese wird nun - gesetzlich gedeckt - fortgesetzt. Beim Übertritt zum zweiten Studienabschnitt stehen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Kapazitätsbeschränkungen an.
An der Uni Graz stammt mehr als ein Drittel der Psychologie-Interessenten aus Deutschland. Zu den Multiple-Choice-Auswahltests in Psychologie (529 Anmeldungen für 252 Plätze) und BWL (561 für 476) tauchten 480 angemeldete Bewerber nicht auf, so dass die Tests zwar abgehalten, dann aber alle Teilnehmer aufgenommen wurden. In Pharmazie wird nach einem zweiwöchigen Einführungsblock Mitte Oktober ein Test über die Zulassung entscheiden. In Biologie werden alle zugelassen, über das Weiterkommen (160 Plätze) entscheiden Knock-out-Prüfungen am Ende des ersten Semesters.
Die Universität Innsbruck lässt alle Bewerber zu. Bei Überschreitung der Kapazitätsgrenzen werden in BWL, Biologie, Pharmazie und Psychologie nach einer Studieneingangsphase "Studierfähigkeit" und "Allgemeinbildung" geprüft.
An der Universität Salzburg fand in der letzten Septemberwoche nur in Psychologie eine Aufnahmeprüfung, die "studienbezogene Basisfähigkeit" abtestete, statt. Bonuspunkte waren für gute Schulnoten vorgesehen. Da 70 Personen nicht erschienen, musste von den verbliebenen 276 Bewerbern für 296 Plätze niemand abgewiesen werden.
Die Klagenfurter Uni lässt nach einem Qualifizierungssemester in Psychologie und Publizistik im 2. Semester nur mehr "gleich viele Studierende wie bisher" zu.
Die Uni Linz plant keine Beschränkungen. Die Anmeldesituation wird "vorerst nur beobachtet".
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