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Managen ist mehr
30. September 2005

Wie wird man zum Manager und was unterscheidet Management von BWL oder Business Administration? Ein Gespräch mit Management- Experten Fredmund Malik.

erika pichler Interview Fredmund Malik ist Titularprofessor der Elite-Uni St. Gallen und gebürtiger Österreicher. Er leitet seit 1984 das Malik Management Zentrum St. Gallen und hat als wissenschaftlicher Autor über 150 Schriften zu aktuellen Management-Themen verfasst.

Herr Professor Malik, wie sehen Sie die heutigen Management-Ausbildungen? Kann man davon ausgehen, nach einem Management-Studium an einer seriösen Institution als fertiger Manager herauszukommen, oder braucht es dafür mehr? Malik: Ich kenne nicht viele Institutionen, die tatsächlich eine Management-Ausbildung anbieten, schon gar nicht ein Management-Studium. Das ist nicht eine Frage der Seriosität von Institutionen, sondern ein Problem weit verbreiteter Unklarheit darüber, was Management ist und sein muss und was nicht. Der äußere Anschein ist trügerisch, weil das Wort "Management" in der Bezeichnung von Ausbildungsveranstaltungen zwar häufig vorkommt, aber die Inhalte nicht der Bezeichnung entsprechen. Am deutlichsten ist das bei MBA-Programmen. Man hält sie irrtümlich für eine Ausbildung in Management, sie sind aber eine Ausbildung in Business Administration. Das sind verschiedene Dinge.

Welche Grundfähigkeiten und Charaktereigenschaften brauchen angehende Manager? Malik: Weder das eine noch das andere. Angehende Manager müssen das Handwerk erlernen oder besser gesagt, den Beruf. Der besteht aus drei Elementen: den Aufgaben, den Werkzeugen und den Grundsätzen.

Was kann man während des Studiums zusätzlich tun, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu wahren? Malik: Es hängt vom Studium ab. Falls Sie die Betriebswirtschaftslehre meinen: Erstens, wirklich studieren, echtes, fundiertes Wissen aneignen. Zu viele Studenten bleiben an der Oberfläche. Sie bringen die Prüfungen hinter sich, nicht mehr. Und sie hätscheln den Irrtum, dass durchzukommen schon eine Leistung sei.

Ideal: zuerst arbeiten, dann studieren Zweitens, möglichst viel Praxiserfahrung sammeln. Der Idealfall ist, zwei bis drei Jahre zu arbeiten, bevor man mit dem Studium überhaupt beginnt.

Wie ist Management heute definiert? Wer gilt als Manager? Malik: Die wichtigsten Ressourcen sind heute Wissen und Können. Management ist die Transformation von Wissen, Talenten, Können usw. in Nutzen, also Ergebnisse. Das ist die fruchtbarste Definition von Management. Für die Institutionen der Gesellschaft ist Management die Tätigkeit, die sie funktionsfähig macht. Für die Menschen ist es die Funktion, die sie lebenstüchtig macht.

Jede Institution, nicht etwa nur die Wirtschaftsunternehmen, braucht Management, und jede Person braucht das heute auch, weil sonst ihre Fähigkeiten und Stärken nicht genutzt werden. Selbstverständlich sind die Führungskräfte (nicht nur die Leiter) von mittleren und kleinen Betrieben Manager, auch wenn sie es selbst gar nicht so sehen. Entscheidend ist, ob sie gute Manager sind, und ein guter Manager zu sein, das kann man lernen.

© SN.

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