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Bildung

"Mehr Frauen in die IT!"
30. September 2005

An den Fakultäten für Informatik und Elektro-technik beträgt der Frauen Anteil keine zehn Prozent. Eindrücke aus der Frauen-IT-Sommerakademie "ditact".

gudrun weinzierlsalzburg. Die dritte "ditact", das ist die IT-Sommerakademie für Frauen an der Universität Salzburg, ist Anfang September zu Ende gegangen. Die 32 ausschließlich von Frauen angebotenen Veranstaltungen rund um Informations- und Kommunikationstechnologien brachten auf hohem Niveau Einblick und Wissen aus Projektmanagement, Grundlagen, Anwendungen, Gender, Soft Skills und Didaktik. Zur Teilnahme eingeladen waren Studentinnen, Wissenschafterinnen, aber auch Schülerinnen.

Dass Frauen in "typischen" Männerberufen postalisch öfters mit "Herr" angesprochen werden, ist bekannt, dass eine Informatiklehrerin von ihren Schülern - also von Angesicht zu Angesicht - auch als "Herr Lehrer" tituliert wird, mag eine Seltenheit sein. Es passierte Heidrun Strohmeyer, der für IT-Angelegenheiten zuständigen Sektionschefin am Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, als sie noch an Schulen unterrichtete.

Strohmeyer eröffnete die ditact und lieferte mit dieser kleinen Begebenheit aus ihrem Leben etwas Typisches: Frau und Technik war und ist eine seltene Kombination und beweist, wie festgefügt das Denken in Rollenbildern ist.

Mehr "Technik-Frauen" in Industrie und Lehre Als weitere Eröffnungsrednerin betonte Monika Kircher-Kohl, Vorstandsmitglied für Finanzen, Forschung und Personal der Infineon Technologies Austria AG, dass sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft es sich fortan nicht leisten könnten, interessierte und begabte Mädchen von Technik- und Technologieberufen fernzuhalten. Eine berufliche, technik-orientierte Höherqualifizierung sei das beste Mittel gegen Beschäftigungslosigkeit und bringe eine wesentlich bessere Einkommenssituation als in den traditionellen Frauenberufen. Auch sei der Fachkräftemangel in technischen Berufen durch die Frauen zu lösen. Im Vergleich mit Asien hinke nicht nur Europa, sondern auch Amerika den asiatischen Technikerinnen und IT-Expertinnen nach. In Malaysia und Indonesien überwiege bereits der Anteil an universitär ausgebildeten Technikerinnen gegenüber männlichen Kollegen.

Laut Kircher-Kohl braucht die Industrie künftig aber nicht nur akademisch gebildete Technikerinnen in führenden Positionen, sondern vor allem auch Frauen, die technische Lehrberufe bzw. technische Fachschulen absolvieren. Der Chip-Hersteller Infineon bilde beispielsweise derzeit verstärkt Mädchen in technischen Lehrberufen aus.

Ansporn sich mit Technik auseinanderzusetzen liefern oft Verwandte, die in technischen Berufen arbeiten. Zumeist sei es der Vater, sagen einige ditact-Teilnehmerinnen. Sie bestätigen damit eine aktuelle Umfrage des Gallup-Institutes für die Firma Festo, ein Unternehmen der Automatisierungstechnik.

Diese Studie zum Thema "Frauen in die Technik" sollte unter anderem klären, woher bei Mädchen die Entscheidung für einen technischen Beruf käme. Weibliche Vorbilder sind rar, Frauen-Netzwerke für Technikerinnen beginnen erst langsam zu wirken. Wenig scheint die Empfehlung der Bildungsberater an Schulen zu greifen. An der ditact 2005 hat unter den über 160 Teilnehmerinnen nur eine Handvoll Schülerinnen teilgenommen, ob aus Mangel an Interesse oder einer zu großen Schwellenangst, ist bis dato ungeklärt.

Auch für Schülerinnen prinzipiell interessant Die technische Mathematikerin Claudia Breitenfellner leitete an der ditact fünf Kurse. Sämtliche ihrer Workshops und Vorträge wären auch für Schülerinnen geeignet gewesen, anwesend war keine. Über den Umgang mit Viren und Würmern lernten und informierten sich vor allem Studentinnen aus nicht-technischen Studien, aus den Bereichen Jus, Wirtschaft, Medizin und Politik. Auch das Installieren eines Apache-Webservers habe nur Linux-Grundkenntnisse und kein universitäres Wissen vorausgesetzt. Im Kurs C/C++ seien nur htlm-Kenntnisse gefordert gewesen, auch das hätten Schülerinnen gut bewältigen können.

Breitenfellner dazu: "Notwendig für meine Workshops ist die Bereitschaft, etwas lernen zu wollen und sich für die jeweils kurze Zeit eines Kurses in das Thema verbeißen zu können, absitzen alleine reicht nicht. Das sind also auch für Schülerinnen gute Voraussetzungen. Unter allen Teilnehmerinnen habe ich aber sehr viel Interesse festgestellt, wir haben zum Teil sogar die Mittagspausen durchgearbeitet, weil soviel Engagement vorhanden war. Ich war also auch als Vortragende gefordert."

Kurse wie die Programmierung von C/C++ hingegen oder die von Christel Ketelsen gehaltene Einführung in die Programmierung mit Java waren als Hilfen für die Bewältigung der Programmierhürde in der Anfangsphase eines Informatikstudiums gedacht. Auch im Web-Engineering konnte man bei Breitenfellner einen Einstieg in die Webprogrammierung mit Perl absolvieren und so Websites von der Programmierebene her kennenlernen. Die kreativ-gestalterische Seite lernten Anfängerinnen bei "Flash and Actionscript", die Umsetzungs- ebene bei Regina Kainz mit "Web Usability - Erfolg ist strukturiert" kennen.

© SN.

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