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Bildung

"Braindrain" einmal anders
30. September 2005

Biologie, Genetik oder Chemie damit kann man "ganz schön in der Welt herum kommen", auch als Österreicher und auch schon während des Studiums.

benedikt mandlSalzburg. Ob ein Durchbruch in der Krebsforschung in Kalifornien, ein neues Förderprogramm für Zellbiologie in Singapur oder die jüngsten Erfolge beim Klonen embryonaler Stammzellen in Südkorea Spitzenforschung in den Lebenswissenschaften folgt schon längst nicht mehr nationalen Grenzen. Die Wissenschaft ist international geworden, und besonders deutlich ist dieser Trend in den Biowissenschaften zu erkennen: Kaum eine Publikation von Rang erscheint heute noch auf Deutsch.

"Forschung ist gut und macht Spaß, aber um erfolgreich und bedeutend zu sein, muss sie kommuniziert werden - und das Mittel dazu ist nun mal Englisch", meint Alexander Lang. Welche Möglichkeiten sich durch den Fall der Sprachbarrieren für die Karriere öffnen, hat der Tropenökologe am eigenen Leib erfahren: einem kurzen Aufenthalt in Panama folgten die Diplomarbeit, ein Forschungsprojekt des FWF und schließlich viele Monate im Regenwald Zentralamerikas für die Dissertation.

Englisch als Unterrichtssprache An zahlreichen Universitäten Europas ist Englisch zumindest für Magister- und Doktorstudiengänge offizielle Unterrichtssprache ein Zugeständnis an die Internationalität heutiger Forschungseinrichtungen. Auf diese Weise werden einerseits Studenten an die Sprache der Wissenschaftsgemeinde heran geführt, andererseits die Institute für Forscher aus aller Welt zugänglich gemacht.

Seit dem Bologna-Abkommen von 1997 werden bürokratische Hürden seltener und der Wechsel immer unkomplizierter.

Sandra Wintersteller studiert Genetik und hat diesen Sommer fünf Wochen lang an der Mount Sinai Medical School in New York gearbeitet. Die Stelle als Praktikantin vermittelte ihr eine österreichische Mikrobiologin, die am Mount Sinai forscht. Obwohl sich Wintersteller den Aufenthalt selbst finanzieren musste, ist sie von der Erfahrung begeistert: "Das Tolle ist, dass das Sinai motivierte Leute aus aller Welt aufnimmt. Und wer gute Arbeit leistet, der darf wiederkommen." Dann auch bezahlt - was das Fernweh an Österreichs Uni angesichts schrumpfender Budgets und schlecht bezahlter Doktorandenstellen noch verstärkt.

Schnell ist da vom "Braindrain" die Rede, dem Abwandern der klügsten Köpfe ins Ausland. Eine Entwicklung, die durchaus nicht nur negativ ist: die Lebenswissenschaften zählen weltweit zu den dynamischsten Disziplinen in der Forschung, und das Wanderleben von Wissenschaftlern ist in allen Ländern normal. Mittlerweile verfügen auch heimische Universitäten über die Autonomie, sich für Spitzenforscher aus aller Welt attraktiv zu machen und Abwanderungstendenzen so auszugleichen.

Japan als Basis für Zukunft in Österreich Erica Danzl-Robles wollte eigentlich nur für etwas länger als ein Jahr an die Osaka University gehen. Ein Forschungsprojekt und ihr Interesse an Neuem lockten die Biochemikerin nach Japan. Dem Projekt folgte 2003 der Einstieg ins Doktoratsprogramm der Universität. Doch obwohl Danzl-Robles mittlerweile fließend Japanisch spricht und die Forschungsgruppe selbst auf Englisch geführt wird, möchte sie nicht dauerhaft in Japan bleiben. "In vielerlei Hinsicht ist mein Aufenthalt eine Bereicherung, ich würde für das Studium wieder ins Ausland gehen. Trotzdem: die Entfernung von Familie und Freunden bedrückt."

Unterdessen ermutigen Fulbrightstipendien, Förderungen der Akademie der Wissenschaften und zahlreiche andere Preise immer mehr junge Biologen zum Sprung ins Ausland.

"Der Gelehrte hat ein Vaterland, aber die Wissenschaft nicht", sagte der Mikrobiologe Louis Pasteur. Mehr als ein Jahrhundert später hat sich der Satz umgekehrt, und österreichische Biologen starten ihre Laufbahn oft als begehrte und durchaus gut bezahlte Arbeitskräfte in Ländern, die zu Pasteurs Zeiten noch kaum an Europa angeschlossen waren.

© SN.

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