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Bildung

Land der Technikmuffel: Bei Opern ist man kritischer
30. September 2005

Mehr Naturwissenschafter und Techniker täten Österreich bitter not. Die Lust auf diese Studienrichtungen hält sich in der Alpenrepublik trotzdem in Grenzen.

erika pichlersalzburg (SN). "Man kann hierzulande durchaus damit kokettieren, kaum Kenntnisse der Mathematik, der Funktionsweise der eigenen Armbanduhr oder des Navigationssystems im Auto zu haben. Bei Mozart-Opern ist man da kritischer. Das ist ja durchaus sympathisch, für die Innovationskraft einer Volkswirtschaft ist es allerdings weniger zuträglich", sagt Peter Skalicky, Rektor der Technischen Universität Wien.

Diesen Eindruck werden nicht nur die meisten teilen, es bestätigen ihn auch Studien: Österreich nimmt in den Statistiken die hintersten Ränge ein, wenn es um den Anteil von Studierenden in Technik und Naturwissenschaften geht. Das gilt insbesondere für Frauen. Im Verhältnis zu skandinavischen Ländern, wo 30 bis 40 Prozent der Studierenden im Technik- und Nawi-Bereich weiblichen Geschlechts sind, beträgt hierzulande der Frauenanteil magere fünf Prozent. Insgesamt stagniert nicht nur die Zahl derer, die sich an solche Ausbildungen wagen, sondern sinkt sogar.

Der zitierten Volkswirtschaft bleibt nur zu warnen: "Dieser Mangel bremst Innovation und schwächt die Attraktivität Österreichs als Industriestandort", sagt etwa der Bildungssprecher der Industriellenvereinigung. "Gerade Hochtechnologie-Branchen müssen heute bereits verstärkt global rekrutieren, weil auf dem österreichschen Arbeitsmarkt die benötigte Qualifikation nicht oder nicht entsprechend vorhanden ist."

Die Ursachen so meinen Verantwortliche an Technik-Unis und Fachhochschulen, die darüber mit ihren Studierenden im Gespräch sind hängen zum einen mit dem "schwierigen" Image dieser Studienrichtungen zusammen, das aus den Köpfen nicht so leicht zu vertreiben ist und dem auch die Medien zu wenig entgegensetzen.

Zum anderen scheint es an Österreichs Schulen noch immer nicht zu gelingen, Fächern wie Mathematik, Physik oder Chemie den Nimbus des notwendigen Übels zu nehmen. "Die heutigen Schüler haben keine besondere Angst vor Mathematik. Aber Mathematik gilt als uncool, als fad, als lebensfern", sagt in einem Interview Mathematikprofessor Rudolf Taschner, in Österreich vergangenes Jahr zum "Wissenschafter des Jahres" gewählt. Taschner hat im Jahr 2002 die Initiative "math.space" ins Leben gerufen, um Kindern und Jugendlichen die Faszination der Mathematik nahezubringen. Das Projekt steht unter dem Motto "Mathematik ist Kultur" und erfreut sich größter Beliebtheit, wie man etwa bei einem Blick ins Internet an den ausgebuchten Veranstaltungen im Wiener Museumsquartier erkennt.

Während sich die Kleinsten dort unter der Obhut von Spielpädagogen "durch die Zahlen spielen", lernen die Größeren Mathematik als Kulturfach begreifen. Oberstufenschüler sprechen mit Wissenschaftern über die Mathematik der Zukunft und bekommen eine Idee, wie es wäre, selbst an diesem Zukunftsszenario mitzuwirken.

Dies nur ein Beispiel für derzeit noch sehr rare Bemühungen, die nicht deshalb löblich sind, weil sie dazu beitragen, den Arbeitskräftepool der Industrie aufzustocken und gleichzeitig Studierenden zu besseren Jobs zu verhelfen. Die Auffassung, dass jeder nur das lernen muss, was "nützlich" ist, entstammt schließlich dem Zeitalter der Ständeordnung und ist seit der Aufklärung passé.

Die Popularisierung von Nawi und Technik sollte aber bewirken, dass Menschen latente Begabungen nicht brach liegen lassen und sich nicht einer Chance begeben. Der Nutzen der Wirtschaft stellt sich dann von selbst ein.

© SN.

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