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Ballhausplatz großräumig abgesperrt - Schüssel-Fans stahlen Gegendemonstranten die Schau
WIEN (SN).
Der Unterschied zur Angelobung im Jahr 2000 hätte kaum größer sein können: Die Regierung Schüssel II schritt am Freitag oberirdisch und beklatscht zur Angelobung. Das Interesse der ausländischen Medien hielt sich in engen Grenzen, Interesse seitens der Regierungen der anderen EU-Staaten war nicht auszumachen. Einzig die Miene von Bundespräsident Thomas Klestil konnte vielleicht Erinnerungen an die Ereignisse vor drei Jahren aufkommen lassen. Sie war steinern wie damals. Dass die schwarzblaue Regierung diesmal nicht den unterirdischen Gang in die Hofburg benutzen musste, hatte zwei Gründe: Zum einen hatte die Polizei den Ballhausplatz zwischen Kanzleramt und Präsidentschaftskanzlei wesentlich großräumiger abgeriegelt als im Jahr 2000. Hatte man die Demonstranten damals auf Steinwurf-Weite an den Platz herangelassen, wurden die Absperrungen diesmal um rund 100 Meter weiter hinaus geschoben. Zum anderen waren viel weniger Demonstranten gegen Schwarz-Blau gekommen als vor drei Jahren. Mehr als 200 dürften es nicht gewesen sein. Seit dem Vormittag hatten sich Redner redlich bemüht, die Demonstranten in Stimmung zu bringen, etwa durch die Falschmeldung, dass FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf - ein Burschenschafter - in die Regierung einziehen würde. Als Kanzler Schüssel und die übrigen Regierungsmitglieder über den Ballhausplatz gingen, waren zwar ein Pfeifkonzert und Knallkörper zu hören, mehr passierte aber nicht. Auch wurde den Demonstranten die Schau gestohlen: Neben ihnen hatten sich an den Absperrungen rund 200 ÖVP-Sympathisanten postiert, die mit Schildern wie "Jung und Alt für Schüssel" oder "Kurs halten" und "Wolfgang, Wolfgang"-Rufen Pro-Regierungsstimmung verbreiteten. Einige Schüssel-Fans hatten sogar den Weg durch den Polizeikordon gefunden und drängten sich an den Kanzler und seine Mannschaft heran, um der neuen Regierung kamerawirksam Applaus zu spenden. Einige der Schüssel-Akklamierer trugen ÖVP-Anoraks, waren also nicht gerade repräsentativ für die österreichische Bevölkerung. Das waren die "Widerstand, Widerstand" rufenden Demonstranten mit den roten Che-Guevara-Flaggen aber schließlich auch nicht.
© SN/APA.
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