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Schwarz-Blau knapp vor dem Ziel - Stadler will Haider als Vizekanzler - Haider will Schüssel ärgern
WIEN (SN-pur).
Aus Schaden wird man klug, also gelobten einander die Koalitionsverhandler von ÖVP und FPÖ am Dienstag zwar noch nicht die ewige Treue, aber zumindest befristetes Schweigen. Hatten am Montag schrille Misstöne (Stichwort: blauer Innenminister) die Gespräche begleitet, vereinbarte man nun, überhaupt nichts mehr zu sagen. In aller Stille und in unterschiedlicher Zusammensetzung wurde im Parlament weiterverhandelt, am Nachmittag wurden in Klubsitzungen die Abgeordneten über den Verhandlungsstand informiert. Wenn die Promis schweigen, schlägt die Stunde der Randfiguren: In Innsbruck ging Tirols Arbeiterkammer-Präsident Fritz Dinkhauser seiner Lieblingsbeschäftigung nach, auf seine Partei zu schimpfen. Anlass diesmal: Die ÖVP-Vorstellungen zur Pensionsreform . In Wien ging FPÖ-Volksanwalt Ewald Stadler seiner Lieblingsbeschäftigung nach, seiner Partei Schwierigkeiten zu bereiten. Instrument diesmal: Er rief dazu auf, Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider zum Vizekanzler der neuerlichen schwarzblauen Regierung zu machen. Das würde "maximale Stabilität" garantieren, so Stadler. In Klagenfurt ging Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider seiner Lieblingsbeschäftigung nach, Pressekonferenzen zu geben. Thema diesmal: die Bundespolitik, aus der sich Haider im abgelaufenen Jahr acht Mal zurückgezogen hatte. Die Aufforderung Stadlers, als Vizekanzler unter Wolfgang Schüssel nach Wien zu gehen, wies der Landeshauptmann zurück. "Ich fühle mich hier (in Klagenfurt, Anm.) sehr wohl", so Haider. Die Aufregung über seine sonntägigen Attacken auf Kanzler Schüssel ("Im Siegesrausch") und Finanzminister Grasser ("Moralischer Flachwurzler") verstehe er nicht. Er sage nur, dass sich Schüssel bei den Sondierungen seltsam verhalten und die anderen Parteien gedemütigt habe. Das sei keine Majestätsbeleidigung, sondern eine normale Diskussion. Auch sonst sagte Haider einiges, um Schüssel zu ärgern. Die in seiner Landespartei geborene Idee, die FPÖ möge doch von der ÖVP das Innenministerium verlangen, bezeichnete Haider als "durchaus vorstellbar". Pikanterie am Rande: Das Amt des Innenministers ist das Lebensziel von Peter Westenthaler, im Streit von der FPÖ und von Haider geschiedener Ex-Klubobmann und nunmehriger Bundesliga-Manager. Er hat ein Comeback in der Politik nie ausgeschlossen. Von den Koalitionsverhandlungen war lediglich zu erfahren, dass derzeit beinahe rund um die Uhr in Untergruppen verhandelt wird. Die Gespräche werden von Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) und Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FPÖ) vorangetrieben. Eine Einigung wird nur noch als Frage von Tagen angesehen.
© SN/APA.
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