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Armut trotz Arbeit
12. Februar 2004

Drei Jobs, um ein Mal zu leben - erstmals wurde das Phänomen der "Working Poor" in Österreich untersucht. Die ärmsten "Arbeiter"? Die Bauern.

INGE BALDINGER

Wer hätte das gedacht. Dass man in der Landwirtschaft normalerweise eher schlecht als recht verdient, ist seit langem bekannt. Dass die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung aber die in Österreich mit Abstand am meisten von Armut bedrohte und betroffene Erwerbsgruppe ist, ist in dieser Drastik neu. Die erste wissenschaftliche Untersuchung über die "Working Poor" (arbeitende Arme) förderte just das das zu Tage: Obwohl nur etwa sieben Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung in der Landwirtschaft tätig sind, machen sie 20 Prozent oder 11.500 der trotz Arbeit Armen in Österreich aus.

Ein weiteres Ergebnis der von den Wirtschaftswissenschaftern Karin Heitzmann und Michael Förster im Auftrag der Sozialministeriums erstellten Studie (Daten aus 1998, publiziert Ende 2002) macht betroffen: Während es andere Erwerbstätige trotz schlechter Jobs oder schwieriger Zeiten meist nach einer gewissen Zeit schaffen, die Armut zu überwinden, bleiben Bauern und Bäuerinnen mit Abstand am längsten arm - meist jahrelang. Das ist deshalb besonders schlimm, weil in Bauernfamilien die meisten Kinder leben - und damit immer gleich zwei bis drei Mal so viele Menschen arm oder armutsgefährdet sind.

Die nächstgrößten Gruppen, die von Langzeitarmut bedroht sind, sind die anderen selbstständig Erwerbstätigen und (in geringerem Ausmaß) die Gastarbeiter. Erst dann kommen die nur geringfügig und befristet Beschäftigten, die "freien" Dienstnehmer, die so genannten Werkvertrags-Nehmer - und generell Leute, die in Niedriglohnbranchen beschäftigt oder nur Hilfsarbeiter sind.

"Grundsätzlich hilft Erwerbstätigkeit gegen Armut", sagt Studienautorin Heitzmann. Nur sechs Prozent der arbeitenden Bevölkerung, aber 15 Prozent der nicht erwerbstätigen Bevölkerung waren 1998 armutsgefährdet oder arm. Aber: Mit der Zunahme der atypischen und Teilzeit-Beschäftigungen wachse eben auch die Zahl jener, die trotz Arbeit nicht genug Geld zum Leben verdienen. Das sei dann der Fall, wenn die "McJobs" nicht bloß das Zubrot sind, sondern das einzige Einkommen darstellen - von dem möglicherweise auch noch mehrere Menschen leben müssen.

57.000 verdienen zu wenig zum Leben

Die Wissenschafterin hat hochgerechnet, dass in Österreich etwa 1,6 Prozent der Erwerbstätigen - 1998 waren das rund 57.000 Menschen - nicht genug zum Leben verdienen. Ein Fünftel davon sind, wie erwähnt, die Bauern und Bäuerinnen. Etwas kleiner - aber angesichts der "Kleinheit" der Erwerbsgruppe jedenfalls beträchtlich - ist der Anteil der Selbstständigen. Mehr als zwei Drittel der "Working Poor" kommen aus dem Heer der unselbstständig Erwerbstätigen. Zählt man zu diesen 57.000 Armen trotz Arbeit die im Haushalt lebenden Kinder und Angehörigen dazu, sind schon rund 178.000 Menschen mit Armut konfrontiert.

Was die Studie im Detail ergab: Bei Arbeitnehmern mit unbefristeten Dienstverhältnissen ist die "Armutsgefährdungsquote" mit vier Prozent lediglich halb so groß wie bei Personen mit befristeten Arbeitsverträgen (neun Prozent). Teilzeitbeschäftigte mit bis zu 20 Stunden Wochen-Arbeitszeit haben ein drei Mal so hohes Armutsrisiko wie Personen, die zwischen 30 und 40 Stunden wöchentlich arbeiten. Und grundsätzlich ergibt auch diese Studie, was alle anderen zum Thema Armut ergeben. Erstens: Wer keine Ausbildung (fertig) macht, bekommt oft nur einen schlecht bezahlten Hilfsarbeiterjob und ist in wirtschaftlich flauen Zeiten der Erste, der "eingespart" wird. Zweitens: Mit der Zahl der Kinder wächst das Armutsrisiko der Familie - ganz besonders dann, wenn nur ein Verdiener da ist.

© SN/APA.

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