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Wenn das Familienglück zerbricht, verlieren alle, besonders die Frauen
GERTRAUD LEIMÜLLER
Nur ja keinen Krieg mit dem Vater der beiden Kinder. Nicht immer dieses Theater, wenn er sie am Wochenende abholt. "Schließlich bleiben wir beide ihre Eltern", sagte sich Andrea H. damals bei der Scheidung - und gab nach neun Monaten Nervenkrieg auf voller Länge nach. Heute sitzt die Wienerin auf 100.000 Euro Schulden. Bei der Bank und beim Arbeitgeber. Gehaltsvorauszahlung auf zehn Jahre. "Eigentlich ein Wahnsinn", sagt die 40-Jährige. Bleibt sie nicht bis 50, muss sie Geld zurückzahlen. Der Lohn dafür: Sie und ihre beiden Teenager können in jener Wohnung bleiben, die die Eltern Andreas seinerzeit für die junge Familie errichtet hatten. Dass sie und ihr Partner damals nur einen Pappenstiel dafür bezahlt hatten, war vor dem Scheidungsrichter nicht relevant. Andreas Ex-Mann verlangte die Hälfte vom Verkehrswert und basta. "Am schwierigsten war es, dieses Geld aufzutreiben", erinnert sich die Frau: Sie hatte null Reserven. Wie denn auch mit Babypausen, Teilzeitverdienst und jahrelanger Gratisarbeit zu Gunsten der Karriere ihres Mannes? Als Teilzeitbeschäftigte bekomme sie keinen Kredit, nicht einmal dann, wenn sie ihre Wohnung belaste, beschied ihr die Bank. Grund: Eine Mutter von zwei Kindern ist im Fall des Falles nicht delogierbar, solange sie die Betriebskosten bezahlt. Wieder voll berufstätig zu sein war keine Alternative: Der Mehrverdienst würde von den Kosten der Nachmittagsbetreuung der Kinder voll aufgefressen. Also sprang Andreas Vater als Bürge ein.
Kino und auswärts essen - ein Problem
Neue Abhängigkeiten, wenn man sich eigentlich losstrampeln will. Persönliche Einschränkungen so und so. Ein Auto, zweiwöchige Urlaube im Ausland, essen im Restaurant, Kinobesuche mit den Kindern. All das kann sich Andrea seit der Scheidung nicht mehr leisten. Sie muss sparen, damit die Kinder in der Schule "überall mitmachen" können und die "Sonderkosten" gedeckt sind: Schulskikurs um 300 Euro, Bastelbeiträge, Logotherapie. Mit der Zeit ist Andrea erfinderisch geworden. Sie nimmt kleinere Zusatzjobs an und jagt Sonderangeboten nach. Könnte sie nochmal von vorn anfangen, würde sie auf Gütertrennung bestehen. Getrennte Konten und Erspartes aus der Zeit, bevor die Kinder kamen. Das sei ihr Rettungsanker bei der Trennung gewesen, sagt auch Barbara S., 35, Alleinerzieherin von zwei Volksschulkindern und ebenfalls teilzeitbeschäftigt. Obwohl ihr Ex-Partner wesentlich mehr für die Kinder bezahlt als der von Andrea, kommt auch sie finanziell nur schwer über die Runden. Der Alltag - Weihnachtsgeschenke, Ski fahren bei Bekannten, die Kosten für die Anmeldung eines Festnetztelefones - wird vom Ersparten bestritten. Eine Überbrückungslösung. Nächstes Jahr müsse sie voll arbeiten, sagt Barbara. "Bei einer Trennung verlieren beide. Das Leben wird teurer." Barbara würde sehr gerne Fortbildungen besuchen. Doch das sei jetzt "undenkbar".
© SN/APA.
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