| OTHMAR BEHR
Eine Woche so fad wie Schlummern auf der Couch, eine Woche wie gewürzt mit Red Hot Chili Pepper - es wurde also doch noch eine richtige Ski-WM in Aare. Eine mit Gold, mit Tränen und mit tief fliegenden Hackeln. "Hast das gehört vom Maier? Der hat den Assinger vielleicht aufputzt im Internet!" "Olles egal, jetzt hamma Goldene!" "Aber der Klammer Franz kann a no austeilen!" "Soll er, solange wir die Größten sind!" Die WM als Gesprächsstoff: Zeitweise war es wie früher, als der Skisport dem Land nur ein Thema gab. Das Riesenslalom-Debakel der österreichischen Herren war ohnehin das Beste, das uns TV-Sportlern passieren konnte. Plötzlich gab es wieder Sätze zu hören, die nicht wie in der Kuppelshow "Herzblatt" nach Abstimmung im Vorfeld klangen. Auch Sportidole sind Menschen mit Emotionen. Wir hatten es nur in der Flut der automatisch gegebenen Antworten bereits vergessen. Vorbei war es plötzlich auch mit den streichelweichen Befragungen im WM-Studio. Moderator Rainer Pariasek, jahrelang auf Schönwetterkurs programmiert, nahm den mächtigen Alpindirektor Hans Pum fest in die Zange und stieg am Samstag auch gegen den allmächtigen ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel mit geschärften Krallen in den Ring. Vor einer Woche hatten wir Pariasek die Goldmedaille für den Weltmeister der Beschwichtigung umgehängt. Diesen Titel ist er wieder los. Das bessert die Medaillenbilanz dieser WM aus rot-weiß-roter Sicht weiter auf.
© SN/APA.
|