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Ein Solo für Super-Mario
19. Februar 2007 | 10:00
Sechs Jahre nach der WM 2001 in St. Anton holte ein auch menschlich gereifter Mario Matt wieder Gold im Slalom - und das mit 1,81 Sekunden Vorsprung.

MICHAEL SMEJKAL berichtet aus Aare Als Länderspiel "Schweden gegen Österreich" war der WM-Slalom angekündigt worden, doch die bestbesuchte WM-Veranstaltung vor über 15.000 Zuschauern am Samstag in Aare wurde zum Solo: Der Tiroler Mario Matt zertrümmerte mit zwei Bestzeiten in einem echten K.-o.-Slalom mit 66 Prozent Ausfallquote die Konkurrenz und stand schließlich mit 1,81 Sekunden Vorsprung auf Manfred Mölgg als neuer Weltmeister fest.

Ein Gefühl, das Matt bereits kennt: Auch 2001 setzte er sich in St. Anton beim abschließenden WM-Slalom die Krone auf - und doch sind diese beiden Ereignisse miteinander kaum zu vergleichen. Matt selbst bekam in den letzten Jahren vornehmlich die Schattenseiten des Skisports zu sehen. Zwei schwere Schulterverletzungen (darunter eine in Kitzbühel, wo er sich beim Abstoßen aus dem Starthaus alle Bänder in der rechten Schulter gerissen hatte) kosteten ihn zwei Jahre. In dieser Zeit hat sich die Kurssetzung grundlegend geändert. "Die Kurse wurden schneller gesteckt, man musste jetzt noch direkter und härter fahren", meinte Matt. Doch genau dies traute sich Matt nicht mehr zu. "Ich wusste nicht, ob meine Schulter einen weiteren Sturz überstehen würde, der Gedanke fuhr immer im Kopf mit."

Wer aber im Slalom nicht mit dem letzten Risiko fährt, wird in den Ergebnislisten gnadenlos durchgereicht - ein Teufelskreis begann. Dieser Kreislauf wurde erst in den jüngsten Weihnachtsfeiertagen endgültig durchbrochen, als Matt die letzten Detailabstimmungen an seinem Schuh vorgenommen hat. Es ging um den Kantingwinkel: Damit verändert der Fahrer die Position im Schuh, und diese Position definiert die Druckverteilung auf dem Ski. Seitdem war der Tiroler bei allen Slalombewerben auf dem Podest und Matt gewann auch die Superkombination von Wengen.

Diese sechs Jahre haben Matt aber auch menschlich sehr geprägt. Er kehrte von seiner wasserstoffblonden Signalfrisur wieder zur eigentlichen Haarfarbe zurück, er fand in seiner Araberzucht in zweites berufliches Standbein, und er nahm den ganzen Skizirkus nicht mehr so wichtig wie zuvor. "Es wäre schön, wenn ich jetzt noch einige Jahre im Sport ganz oben haben könnte. Aber in der Zeit meiner Verletzung habe ich auch gesehen, dass es schöne Momente ohne Skisport gibt." Vor allem in den einsamen Stunden mit seinen Pferden. "Wenn ich zu Hause ankomme, dann denke ich überhaupt nicht mehr an den Skisport", sagt Matt, "wahrscheinlich ist das die Voraussetzung, dass ich den Kopf für das Skifahren wieder frei habe."

Hinter Matt verpassten Benjamin Raich (4.) und Manfred Pranger (5.) eine Medaille nur knapp, Reinfried Herbst schied im ersten Durchgang mit sehr guter Teilzeit aus. Aber das Schicksal teilte er mit Lokalmatador Byggmark und einem Gutteil der Slalomelite auf einem Hang, den einst Kalle Palander als zu leicht für eine WM bezeichnet hatte. Übrigens: Auch Palander flog raus.

© SN/APA.

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