| Mario Matt, Retter der österreichischen Ski-Herren-Ehre, hat seine zweite WM-Slalom-Goldene "bewusster" erlebt und genossen als die erste im Jahr 2001. "Damals ist alles so schnell und fast von selbst gegangen. Jetzt weiß ich, wie hart mein Weg zurück war, und erlebe das alles viel bewusster", meinte der 27-Jährige, der nach seinem WM-Titel vor sechs Jahren durch ein hartnäckiges Tief musste.
Matt nützte in der Stunde seines Triumphes die Gelegenheit, sich ganz deutlich hinter das Herren-Trainerteam rund um Chefcoach Toni Giger zu stellen. "Dieser Sieg war wichtig für die ganze Mannschaft und die Trainer, die sehr hart und sehr gut mit uns arbeiten. Das war eine Bestätigung für alle." Die heftige mediale Reaktion nach den Abfuhren in Abfahrt und Riesentorlauf hatte Matt ein wenig überrascht. "Es kam doch sehr viel Kritik. Aber man darf nicht vergessen, was diese Leute in den letzten zehn Jahren geleistet haben. Bei einem Großereignis kann nicht immer alles aufgehen."
Der "Adler vom Arlberg" blickte nach dem eindrucksvollen Triumph (1,81 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Manfred Mölgg/ITA) auch noch einmal auf seinen Leidensweg zurück. Begonnen hatte dieser am 20. Jänner 2002 mit einem Sturz beim Einfahren zum Kitzbühel-Slalom. "Ich bin trotzdem gestartet. Und beim Start habe ich mir dann die Schulter ausgekugelt und es sind alle Bänder gerissen." Die genaue Diagnose hatte damals für die rechte Schulter gelautet: Komplettabriss der Gelenkskapsel, Bizeps-Abriss, Oberarmkopf-Abriss, Riss aller Kapselbänder.
Der Traum von Olympia 2002 war brutal beendet worden. Der Kampf zurück verlief nach der ersten Operation gut. Allerdings nur bis Herbst, denn dann stürzte Matt beim Training in Neuseeland neuerlich auf die lädierte Schulter - OP Nummer zwei war die Folge. "Wirklich verzweifelt war ich nie. Aber da wollte ich dann erst einmal nichts mehr vom Skifahren wissen und Abstand gewinnen."
Vom Skifahrerischen her hätte das Comeback an der Weltspitze weitaus früher passieren können. "Denn ich habe gewusst, dass mich nur das Material aufhalten kann." Und das tat dieses auch. Matts Rückkehr in die Weltspitze ist ein klassisches Beispiel dafür, wie wichtig die Materialabstimmung im Skisport ist. "Das Zusammenspiel zwischen Ski und Schuhe muss passen." Die lang ersehnte Lösung gab's zu Weihnachten 2006, beim Schuh wurde vor allem die Kanteneinstellung verändert.
Allgemein gesehen habe sich punkto Material seit seinem Titel 2001 natürlich einiges getan, seinen Fahrstil hat Matt aber nicht umgestellt. Zumindest nicht bewusst. "Das Material hat sich stark verändert. Dadurch wird eine direktere Linie gefahren und der Schwung ist kürzer geworden. Dadurch sieht alles ein bisschen anders aus." Matt persönlich habe sich natürlich ebenfalls weitentwickelt. "Ich bin reifer. Sportlich und menschlich."
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