| Sechs Jahre nach St. Anton stand Mario Matt am Samstag wieder ganz oben auf dem WM-Podest. Mit einer rot-weiß-roten Fahne in der Hand und einem Lachen übers ganze Gesicht, dem Tiroler waren nach der zweiten Slalom-WM-Goldenen seiner Karriere Freude und Genugtuung deutlich anzusehen.
"Ich bin überglücklich, dass ich es noch einmal geschafft habe. In diesen sechs Jahren hat es sehr schwierige Zeiten für mich gegeben. Aber ich habe immer an mich geglaubt. Ich habe immer gewusst: Wenn das Material passt, bin ich einer der schnellsten Slalom-Läufer der Welt", betonte Matt.
Es war eine wahre Slalom-Demonstration, die der 27-Jährige in den schwedischen WM-Schnee zauberte: phänomenale Laufbestzeit im ersten Durchgang (1,14 Sekunden Vorsprung), überlegene Laufbestzeit trotz Startnummer 30 auch im zweiten Durchgang (0,48). "Dass ich auch im zweiten Lauf der Schnellste war, hat mich schon überrascht. Das ist sensationell. Der Vorsprung ist ein Wahnsinn, ich kann ihn mir gar nicht richtig erklären", gestand selbst Matt, dass er trotz seiner Hochform mit einer derartigen Überlegenheit nicht gerechnet hatte.
Fischer-Renndirektor Siegfried Voglreiter meinte zur Galavorstellung seines Schützlings: "Der Hang ist maßgeschneidert für ihn. Und die Form passt eben auch." Auf Fischer unterwegs ist übrigens auch Silber-Gewinner Manfred Mölgg.
Dabei war der zweite Durchgang von Matt nicht einmal "Vollgas" - für die am Samstag wahrlich zertrümmerte Konkurrenz ein weiterer Schlag ins Gesicht. "Ich habe bei den heiklen Passagen nicht Vollgas gegeben und nicht alles riskiert. Aber die Linie war sauber, es war eine passable Fahrt." Dass es das Rennen seines Lebens war, wollte er nicht behaupten. "Vor meiner Verletzung war ich auch einmal in einem Durchgang eine Sekunde voran. Aber mit so einem großen Vorsprung habe ich natürlich noch nie gewonnen."
Nervosität ist für Matt also auch diesmal ein Fremdwort gewesen, auch bei einer Führung von 1,14 Sekunden vor dem WM-Finaldurchgang. "Natürlich hatte ich im Kopf, dass ich mir einen Traum erfüllen könnte. Aber dann hab' ich mir ein paar Läufer im Fernsehen angeschaut und dann war das Renngefühl schon wieder da."
Körperlich und gesundheitlich war Matt in Aare gar nicht zu hundert Prozent auf der Höhe. "Vor zwei Tagen hatte ich Halsweh, und gestern auch noch. Da habe ich mir gedacht; nicht schon wieder so etwas wie bei der WM in Bormio. Da bin ich eine Woche im Bett gelegen." Und die Rückenprobleme beim Flirscher sind ja nach wie vor nicht abgeklungen.
Die WM-Goldenen 2001, als Matt quasi zu Hause in St. Anton triumphiert hatte, und 2007 glänzen für Matt natürlich beide hell, aber Unterschiedene gibt es schon. "Gold bei einer WM vor der Haustüre kann es nur einmal im Leben geben. Das war schon etwas ganz Besonderes. Aber dass ich es nach meinen Verletzungen noch einmal geschafft habe, ist ein Traumgefühl", betonte Matt, der 2002 durch eine schwere Schulterverletzung weit zurückgeworfen worden war.
© SN/APA.
|