| Fünf von sechs Slaloms in der heurigen Weltcupsaison hat Marlies Schild gewonnen, auch beim heutigen WM-Rennen ist sie Favoritin. Das ist ihre größte Bürde.
Michael Smejkal berichtet aus Aare Die Ausgangslage ist eigentlich ganz einfach: Titelverteidigerin Janica Kostelic ist nicht mehr am Start, Anja Pärson hat zuletzt die schnellen Disziplinen forciert und ist damit im Slalom etwas außer Tritt geraten, und Marlies Schild hat die Rolle der Seriensiegerin übernommen. Fünf von sechs Saison-Slaloms hat die Saalfeldenerin heuer gewonnen, im sechsten Rennen auf dem Semmering dominierte sie die Konkurrenz erst recht nach Belieben, doch nach einem Ausrutscher belegte sie nur Rang drei. Damit ist sie auch beim WM-Nachtslalom (17/20 Uhr) heute, Freitag, die erklärte Anwärterin auf Gold - und damit gehen auch die Probleme an. Denn Schild muss mit dieser Ausgangssituation erst fertig werden.
Die Salzburgerin, die in der Kombination in Aare schon die Bronzemedaille gewonnen hat und im RTL ausgeschieden ist, gilt als extrem ehrgeizig und als echte Perfektionistin. "Da ist dann der Weg nicht weit, bis man verkrampft", meinte ihr Mentalbetreuer Thomas Wörz, der ihr gegen die Nervosität ein einfaches Bild mit auf den Weg gibt: "Sie kann vor dem Start ruhig nervös und angespannt sein, in dem Moment, in dem sie aus dem Starthaus geht, sollte sie diese Nervosität abstreifen und sich einfach auf ihr Gefühl verlassen."
Für Schilds Coach Bernd Brunner müsse sie nur eine ganz normale Leistung bringen. "Das reicht. Sie darf nur ja nicht glauben, dass sie hier etwas Besonderes machen muss." Ihre unglaubliche Serie mit fünf Siegen ringt auch ihm Respekt ab. Was waren heuer Schilds beste Einzelfahrten? "Das Rennen am Semmering bis zum Fehler und der Nachtslalom in Zagreb. Das waren eigentlich unglaubliche Läufe."
Dennoch sieht er keinen so großen Unterschied zwischen Schild und Hosp, die ja auf einen Mentalbetreuer verzichtet. "Das heißt nicht, dass jemand sensibler ist als eine andere Person. Das heißt nur, dass jemand eine Situation lieber selbst bewältigt als mit anderen darüber zu sprechen."
Gesprochen hat Schild mit Thomas Wörz auch über ihren Sturz im Riesentorlauf, der eine schmerzhafte Hüftblessur nach sich gezogen hat. "Aber das habe ich im Griff, ich denke nicht, dass mich das behindert", sagte sie. Auch zwei der drei weiteren ÖSV-Slalomdamen sind nicht ganz fit. Nicole Hosp plagt sich mit einer leichten Erkältung, Kathrin Zettel mit einer veritablen Verkühlung samt Fieber. Ganz fit ist nur Michaela Kirchgasser, die sich auch auf dieses Rennen besonders freut: "Ich habe ja nichts zu verlieren", sagt die Strahlefrau aus Filzmoos voller Zuversicht.
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