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Gottes intelligenter Plan
30. November 2005 | 10:00

Papst Benedikt XVI. und Kardinal Schönborn pochen auf die katholische Lehre: Die Evolution habe einen Plan und ein Ziel - und das Leben damit einen Sinn.

ALEXANDER PURGER D er Weltkatechismus, die offizielle und für Katholiken verbindliche Glaubenslehre der katholischen Kirche, stellt fest: "Wir glauben, dass Gott die Welt nach seiner Weisheit erschaffen hat. Sie ist nicht das Ergebnis irgendeiner Notwendigkeit, eines blinden Schicksals oder des Zufalls."

Redaktionssekretär (sprich: Chefredakteur) dieses 1992 neu erschienenen Weltkatechismus war ein gewisser Christoph Schönborn, der eng mit einem gewissen Kardinal Josef Ratzinger zusammenarbeitete. 13 Jahre später brachte Schönborn - mittlerweile zum Erzbischof und Kardinal aufgestiegen - in Absprache mit Kardinal Ratzinger - mittlerweile zum Papst aufgestiegen - die Angelegenheit in die Schlagzeilen der Weltpresse.

In der "New York Times" schrieb Schönborn im Juni 2005: "Evolution im Sinne einer gemeinsamen Abstammung könnte wahr sein, aber Evolution im neodarwinistischen Sinne - ein ungeleiteter Prozess zufälliger Variation und natürlicher Auswahl - ist es nicht. Jedes Denksystem, das die überwältigenden Beweise für einen Plan (Intelligent Design) in der Biologie leugnet oder wegerklären will, ist nicht Wissenschaft, sondern Ideologie."

Kurz nach Erscheinen dieses Aufsehen erregenden Artikels präzisierte Schönborn in mehreren Interviews: "Es gehört zum Wesen der Religion, dass sie so etwas wie einen Schöpfer annimmt. Dass jemand hinter der unglaublichen Ordnung im Universum und im menschlichen Leben steht, der für uns mit einer unbegreiflichen Intelligenz ein Wunderwerk geschaffen hat."

Dass sich die Kirche damit auf die Seite der "Kreationisten" stelle, wies Schönborn zurück: "Versuche, mit abenteuerlichen Hypothesen die Erdgeschichte auf sechs Tage zu reduzieren, entbehren jeder Seriosität." Gleichzeitig warnte der Kardinal davor, die Diskussion über die Zielgerichtetheit der Natur in die "Kreationisten"-Ecke abzudrängen: "Man darf nicht mit Karikatur eine ernsthafte Diskussion beiseite schieben." Über einen vernünftigen Plan hinter dem Leben zu diskutieren, sei legitim: Wer das wissenschaftlich abdrehen wolle, tue genau das, was man immer der Kirche vorwerfe - Inquisition betreiben.

Schönborn weiter: Eine wissenschaftliche Theorie zum Dogma zu erheben, über das nicht mehr diskutiert werden dürfe, sei inakzeptabel. Hier würden Wissenschafter ihre Grenzen überschreiten. Aber schon Papst Johannes Paul II. habe 1985 festgehalten, dass "recht verstandener Schöpfungsglaube und recht verstandene Evolutionslehre einander nicht im Wege stehen".

Anfang November strich Schönborn in einem Interview für die römische Tageszeitung "La Repubblica" den Unterschied zwischen Glaube und Wissenschaft hervor: "Die faszinierenden Fortschritte der Wissenschaft beruhen auf einer methodischen Einschränkung. Man begnügt sich bewusst damit, nur das zu erforschen, was messbar und zählbar ist. " Daher blieben alle Fragen, die das Warum der Existenz betreffen - "Woher kommen wir, wohin gehen wir?" -, außerhalb der naturwissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeit. Der menschliche Verstand gehe aber über das Mess- und Zählbare hinaus, er erfasse auch die großen metaphysischen Fragen, etwa jene nach dem Sinn. Darwin könne eben nicht alles erklären, sagte Schönborn.

Bereits im August, bei der Katechese zum Weltjugendtag in Köln, hatte Schönborn erklärt: "Die Frage, um die niemand herumkommt, lautet: Bin ich Produkt des Zufalls, weil eines Nachts meine Eltern zufällig zusammenkamen, oder bin ich ein Gedanke Gottes?" Wenn hinter dem Entstehen des Universums und des Lebens keine Vernunft und kein Plan stünden, sondern alles bloß Zufall sei, dann sei letztlich auch alles ohne Sinn.

"Jeder ist Frucht eines Gedanken Gottes" Papst Benedikt XVI. hat keinen Zweifel daran gelassen, dass Schönborn hiermit die offizielle Position des Vatikans vertritt. Bereits in seiner Antrittspredigt im April hatte der Papst gesagt: "Wir sind nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution. Jeder von uns ist Frucht eines Gedanken Gottes."

Und anlässlich des Ad-limina-Besuchs der österreichischen Bischöfe in Rom vor drei Wochen erwähnte Papst Benedikt XVI. ausdrücklich Schönborns Wort vom "intelligenten Plan", der dem Kosmos zu Grunde liege. Er erwähnte die jüdische und altchristliche Tradition, die aus dem Staunen über die Größe und Schönheit der Schöpfung auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes schließe und er verwies auf den Text eines Kirchenvaters: "Einige, die sich vom Atheismus verführen ließen, stellten sich ein Universum ohne Führung und Ordnung vor, das dem Zufall ausgeliefert ist." Dazu der Papst: "Wie viele von diesen ,einigen‘ gibt es heute!"

© SN/APA.

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