| Nach Olympiagold und drei Weltcup-Gesamtsiegen nun Weltmeister: Paolo Bettini ist am Ziel
OTHMAR BEHR
SALZBURG (SN). "Der Kreis hat sich geschlossen", sagte Paolo Bettini wenige Minuten nach seinem so heiß ersehnten WM-Titel und blickte entspannt in die Runde. Alles hat er in diesem Jahr dem großen Ziel untergeordnet. Als Olympiasieger und dreifacher Gesamtsieger im Weltcup der Radprofis. Und es wurde der programmierte Sieg, aber nicht nur das: Dem 32-jährige Italiener flogen die Herzen der Radfans aus aller Herren Länder zu.
Die hundertfünfzig Meter vom Ziel auf dem Mirabellplatz zum Kongresshaus wurden für Bettini nach den kräfteraubenden 6:15:36 Stunden zur letzten Herausforderung an seinem großen Tag. Eingezwängt von feiernden Fans kämpfte er sich durch, die Polizisten hatten Mühe, ihm den Weg zur obligaten Pressekonferenz zu bahnen. Die letzten Meter zum Lift - anstrengend wie ein Antritt zum Sprint. Aber für einen Paolo Bettini gibt es kein Hindernis.
"Es ist ein bewegender Augenblick, auch weil mein Freund Erik Zabel hier sitzt", sagte der Weltmeister und blickte zum zweitplatzierten Deutschen, "wir sind gute Freunde, wir respektieren einander und wir haben schon so viel zusammen erlebt".
Bettini und Zabel vereinte bis Sonntag auch, dass beide noch keinen WM-Titel erobern konnten. Das ist nun vorbei. Zabel: "Sicher überwiegt bei mir die Freude, aber beim Beginn des Sprints hast du den Traum, Weltmeister zu werden. Aber so wie alles nun ausgegangen ist, dazu die Stimmung in Salzburg, das Wetter, ich bin zufrieden."
Ein Sprinterkönig ist Bettini schon seit vielen Jahren. Sein Spitzname in der Profiradszene lautet "il grillo", "die Grille". Wegen seines Antritts galt er für lange Zeit in Eintagesrennen als unschlagbar. Und im Frühjahr hatte Bettini bei der Besichtigung der WM-Strecke im SN-Interview ohne Wenn und Aber gemeint: "Das ist mein Kurs."
Wie geht es mit dem Mann, der in seinem Sport nun alles erreicht hat, weiter? "Also Etappenrennen werde ich keine mehr fahren", sagte Bettini. In der persönlichen Wertung bleibt der Olympiasieg 2004 in Athen die Nummer eins.
© SN/APA.
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