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Rad-WM 2006

Radsport als Volksfest:Wir sind Weltmeister
25. September 2006 | 11:00

Die Salzburger und ihre Gäste waren von der WM begeistert. "Eine Party", schwärmten Italiener. Einige waren nur wegen der Stimmung angereist.

Lisa Helmreich

Christoph ReiserSalzburg (SN). Am Wochenende herrschte in Salzburg Volksfeststimmung: Kein Verkehrschaos, traumhaftes Wetter und begeisterte Fans. 150.000 Zuschauer pilgerten allein am Sonntag zur WM-Strecke: Mit dem Rad, mit dem Zug, in den seltensten Fällen mit dem Auto. Zwischen Hallwang und Elixhausen herrschte schon vor Rennbeginn dichter Andrang. Viele Familien verbanden das Zuschauen an der WM-Strecke mit einem Radausflug. Sämtliche Feuerwehren der Umgebung warfen die Griller an und schenkten Getränke aus. Auf dem Bahnhof Hallwang-Elixhausen trafen die vollbesetzten S-Bahn-Garnituren im Viertelstundentakt ein. Die Tribünen auf dem Salzburger Mirabellplatz waren ohnehin schon seit Wochen ausverkauft, am Kurs durch die Stadt standen die Menschenmengen dicht gedrängt.

Die Italiener verwandelten die Bergstraße in der Salzburger Altstadt vor dem Sieg ihres Idols Paolo Bettini am Sonntag bereits Samstagnacht in eine Partymeile. "Unglaublich. Eine sensationelle Veranstaltung. So etwas brauchen wir in Salzburg", meinte etwa der Wirt des Fidelen Affen, Robert Maurer - und das trotz eines Umsatzrückgangs während der WM-Woche.

Kritik gab es kaum - im Gegenteil. Viele Salzburger waren von den tollen Bildern der Stadt und des Flachgaus während der Weltmeisterschaft begeistert. Das verkehrsmäßig am meisten betroffene Andräviertel - vom Rest der Stadt eigentlich völlig abgetrennt - lud Fußgänger zum Flanieren ein: Der Autoverkehr war auf ein Minimum reduziert.

Auch in den Besucherzentren in Hallwang feierten tausende Radsportfans. Bunt bemalte Gesichter, Kostüme, Plakate und Maskottchen - die Wiesen neben der WM-Rennstrecke in Tiefenbach glichen einem fröhlichen Karnevalsfest: Italiener mit Pinocchio-Eselsohren und riesigen Kuhglocken, skandinavische Wikinger, orangefarbene Marsmenschen und Russen mit blonder Perücke - auch Nichtradinteressierte dürften durch diese Show auf ihre Kosten gekommen sein.Boris, Sven, Martin und Dieter waren kaum zu übersehen: Ihre Gesichter strahlten in schwarz-gelb-rot, ihre Körper und Köpfe waren in die gleichfarbige belgische Flagge eingehüllt. "Heute ist der schönste Tag des Jahres", sagte Boris begeistert. "Besonders, wenn Tom Boonen Weltmeister wird." Um sein Idol anzufeuern, schwenkte der Belgier unaufhörlich sein selbstgemaltes Schild mit der Aufschrift: "Wolfgang Amadeus Boonen". Die Belgier feierten Arm in Arm mit Italienern und Dänen. "Wir sind eine große Familie", sagte Sven. "Seit 1999 treffen wir uns immer bei der Rad-WM."Die sommerlichen Temperaturen sorgten für entspanntes Freibad-Flair: Viele Fans lagen auf der Wiese und nutzten die Pausen für ein Sonnenbad. "Schöner könnte es nicht sein", meinten Anja und Britta aus Bayern. Sie machten es sich mit Liegestühlen und eisgekühltem Prosecco an der Strecke bequem. "Wer gewinnt ist uns egal. Wir sind wegen der Stimmung da."

© SN/APA.

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