| Geroldsteiner-Teamchef Holczer nach dem Dopingskandal bei den heimischen U23-Fahrern: "Das ist der Sumpf, den wir trocken legen müssen."
Michael Smejkal Interview Hans-Michael Holczer (53) ist Chef des Teams Gerolsteiner und gilt als eine der profiliertesten Persönlichkeiten im Radsport. Die SN sprachen mit ihm am Rande der Rad-WM in Salzburg.
Dienstag eröffnete Pat McQuaid die WM mit der Hoffnung, dass Salzburg in Sachen Doping eine Wende darstellen möge. Donnerstag wurden drei österreichische U23-Fahrer überführt. Hört das nie mehr auf? Holczer: Das ist der Sumpf, den wir trockenlegen müssen und werden. McQuaid hat die Spitze der Pro Tour gemeint. Daneben dürfen wir aber auch nicht die Basis vergessen. Dass schon U23-Fahrer im EPO-Sumpf stecken, hat mich wirklich erschüttert. Die wissen ja gar nicht, was die dem Radsport antun. Glauben Sie, dass diese Geschichte die Sponsoren hier freut? Es fehlt auch im zweiten Glied die Sensibilität für Doping. Wie der österreichische Verband bisher mit dem Fall Jaksche ungegangen ist, da fehlt jegliche Klarheit. (Anm.: Der Deutsche Profi Jörg Jaksche ist in den spanischen Dopingskandal verstrickt und wurde daher von der Tour de France ausgeschlossen. Weil er wegen seines Wohnsitzes in Kitzbühl mit österreichischer Lizenz fährt, ist der ÖRV für die Verfolgung zuständig.) Kann es den viel beschworenen Neubeginn überhaupt geben? Holczer: Ja, und wir sind auch schon mitten drin. Jetzt kann man über die Pro Tour diskutieren, ob da alles sinnvoll ist oder nicht. Aber ich sage ihnen: Ohne Pro Tour ist der Kampf gegen Doping nicht zu gewinnen. Wir müssen die Teams in die Pflicht nehmen. Das beginnt bei Ethik-Codes, etwa dass man keinen überführten Fahrer mehr beschäftigt. Bis jetzt gibt es da nur eine große Heuchelei. Nach dem Dopingskandal bei der Tour hat nur T-Mobile Konsequenzen gezogen und Jan Ullrich gefeuert. Alle anderen Teams zahlen ihre überführten Stars weiter, so wie es Bjarne Riis mit Ivan Basso macht. Die fahren halt nicht, aber stehen auf der Lohnliste. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben. Die normalen juristischen Mittel reichen längst nicht mehr aus, da müssen wir selbst tätig werden. Und das werden wir, verlassen Sie sich darauf.
Lassen die anderen Teams nicht T-Mobile und Gerolsteiner den Kampf gegen Doping führen, um selbst unbemerkt weiterzumachen? Holczer: Nein, das geht nicht. Hinter uns kann sich niemand verstecken. Was wir fordern, müssen die anderen mittragen, auch was die medizinische Betreuung in den Teams angehen wird.
"Ich kann meinen Sportlern nur meine Überzeugung vorleben" Sie gelten als Saubermann im Radsport. Fürchten Sie sich nicht vor einem Dopingfall in ihrem Team? Holczer: Das mit dem Saubermann-Image ist Quatsch. Ich kann nur meinen Sportlern meine Überzeugung vorleben und hoffen, dass sie das verstehen. Dann kann ich Fahrer verpflichten, denen ich vertraue. Aber was die dann im Zimmer machen, das weiß ich doch nicht.
Spürt der Radsport finanzielle Konsequenzen nach den ständigen Dopingenthüllungen?
Holczer: Das große Ausstiegsszenario sehe ich nicht.
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