| Mit sechs Mann und viel Lampenfieber geht Österreichs Herrenteam am Sonntag in den Kampf um die WM-Medaillen im Rad-Straßenrennen.
Michael SMejkalSalzburg (SN). Bernhard Eisel (25), René Haselbacher (29), Bernhard Kohl (24), Christian Pfannberger (26), Georg Totschnig (35) und Peter Wrolich (32): Das ist nach Ansicht vieler Experten das beste heimische Radsportteam seit langem, das am Sonntag (10.30) zum Höhepunkt der Rad-WM in Salzburg in den Kampf um WM-Gold einsteigt.
Der Kurs zwischen Mirabellplatz, Hallwang, Tiefenbach, Elixhausen und via Lengfelden zurück zum Mirabellplatz ist 22,1 Kilometer lang und gilt als der schwierigste der letzten zehn Jahre. Der Kurs muss zwölf Mal absolviert werden, damit steht der Weltmeister nach 265 Kilometer fest.
Obwohl fünf der sechs Fahrer bei ProTour-Teams unter Vertrag stehen und somit über reichlich Erfahrung verfügen, ist das heimische Sextett ungewohnt angespannt. "Die Heim-WM ist ein Extrakick, es ist schön, dass man das als Profi einmal erleben darf", meinte Bernhard Eisel. "An Motivation wird es sicher nicht mangeln", fügte Peter Wrolich an, für den sich in Salzburg ein ganz besonderer Kreis schließt: Mit 13 Jahren verfolgte er 1987 die bisher einzige Rad-WM in Österreich in seiner Kärntner Heimat. Er war davon so fasziniert, dass er beschloss, Radprofi zu werden. Nun steht er Sonntag im Nationalteam.
"Wir werden aber auch an diesem Wochenende den Radsport nicht neu erfinden", kommentierte Eisel mit Blick auf das ungewöhnlich hohe Medieninteresse, welches den Radsportlern in den Tagen der WM entgegenschlägt. Womit man auch schon bei der Ausgangslage wäre: Die Österreicher sind zwar absolute Außenseiter, dennoch hat sich im Vorfeld eine Erwartungshaltung aufgebaut, die viele an den Gewinn einer Medaille glauben lässt. "Eigentlich ist das ein negativer Druck, der auf uns lastet. Wir haben auf dieser Strecke keinen Heimvorteil, aber trotzdem ist die Erwartungshaltung weit größer als bei einer anderen WM", meinte Haselbacher.
Sollten die Österreicher tatsächlich eine positive Überraschung - und das würde schon einen Platz unter den besten zehn - abliefern, dann müssen die heimischen Profis die richtige "Post" im Rennen erwischen. Einigkeit herrscht unter den Österreichern nur über den Ablauf der ersten 200 Kilometer. Eisel: "Es wird früh eine Gruppe hinausgehen, die bis zu zehn Minuten Vorsprung haben kann. Im Hauptfeld werden sich die Favoriten zurückhalten, ehe Tempo gemacht wird und bei Kilometer 200 beginnt das Rennen neu."
Danach könnte es verschiedene Szenarien geben: "Gelingt einer Gruppe fünf bis sechs Runden vor Schluss die Flucht aus dem Hauptfeld, dann könnte es kritisch werden. Denn wenn die sich einig sind, dann bringen sie den Vorsprung in das Ziel", meinte Eisel. Kommt keine Spitzengruppe vorzeitig weg, wird sich auf der Schlussrunde eine Fluchtgruppe bilden, die nach Ansicht von Eisel "maximal 15, 20 Leute umfasst".
Bemerkenswert ist eine Aussage Haselbachers: "Das Rennen wäre ganz anders, wenn das Ziel in Hallwang wäre. Aber so geht es noch sechs Kilometer hinunter nach Salzburg, da können große Teams die Verfolgung organisieren."
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