| OTHMAR BEHR
W o werden die Blutbeutel am Montag gefunden? Wo die Spritzen und die Tablettenpackungen? Im Biomüll oder im Restmüll? Jeder Wettbewerb hat die Fragen, die er verdient. Von der großen Tour de France bis zum kleinen österreichischen U23-Team zieht sich heuer das aufgeputschte Radsportthema Doping. Dafür ist die zweitwichtigste WM-Frage schon beantwortet. Es gibt wunderschönes Wetter über Salzburg und alle singen mit: Dopingtest und Sonnenschein, wer traut sich ins Labor hinein?
A ber wie wäre es einmal mit einem Dopingtest unter den Zuschauern? Substanzen wie die Kopfwehtablette im Blut? Energydrink im Magen? Restalkohol von gestern Abend? Da sieht die Dopingwelt gleich anders aus. Das Problem ist nur: Kein Gesetz und keine Regel verbietet im Büro die fünfte Tasse Kaffee vor dem Mittagessen. Das chemisch untermauerte Nachhelfen im Sport ist ein Vergehen.
K ein Politiker, kein Filmstar, kein Popstar muss zum Dopingtest. Bei Sänger Pete Doherty von den "Babyshambles" wäre wahrscheinlich jedes Analysegerät überfordert. Er müsste zum Test getragen werden, so voll gepumpt tritt er auf. Er ist Mitte zwanzig und verdient sein Geld in der Öffentlichkeit - eine Parallele zum Profisportler.
Also Freigabe von stimulierenden Substanzen im Sport oder gleiches Recht für alle? Sind großjährige Profisportler von der Gesellschaft anders einzustufen als Großjährige in allen anderen Berufen? Wer darf für seinen Körper selbst verantwortlich sein? Wer die Antwort darauf findet, schafft auch den Bau eines kugelförmigen Würfels.
© SN/APA.
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