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Olympia 2006

Vancouver setzt auf "Multikulti" und die "Wildnis"
27. Februar 2006 | 15:20

Nachdem die Olympische Flamme in Turin erloschen ist, will Vancouver alles dafür tun, dass 2010 der Funke überspringt. "Wie in Peking für die Sommerspiele 2008 laufen auch die Vorbereitungen in Vancouver exzellent. Ich habe hohe Erwartungen an die nächsten Spiele", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge zum Abschluss der XX. Winterspiele in Turin.

Mit einem achtminütigen Auftritt unter dem Motto "Come play with us" ("Spielt mit uns") warben die Kanadier im Stadio Olimpico für 2010. Wie in Italien wird die olympische Familie auch in Kanada geteilte Winterspiele erleben.

Vancouvers querschnittsgelähmter Bürgermeister Sam Sullivan nahm am Montag die weiße Olympische Fahne mit den Ringen, die er von Turins Stadtoberhaupt Sergio Chiamparino übernommen hatte, mit in den Flieger. Zum dritten Mal nach 1976 mit den Sommerspielen in Montreal und 1988 mit den Winterspielen in Calgary trifft sich die Sportwelt vom 12. bis 28. Februar 2010 wieder in Kanada - in einer der schönsten Metropolen der Welt.

Allerdings tragen die Ski-Asse und Schlittenspezialisten ihre Wettbewerbe nicht in der "Perle am Pazifik", sondern im 130 Kilometer entfernten Whistler aus. Auf dem "See zum Himmel"-Highway soll der Tross an Sportlern, Betreuern, Medienvertretern und Touristen in die Berge der kanadischen Provinz British Columbia fahren. Nur etwa 30 Kilometer von Vancouver am Cypress Montain kämpfen Freestyler und Snowboarder um die Medaillen.

"Wir haben hier sehr, sehr viel gelernt. Jetzt liegt es an uns, auf die Weltbühne zu klettern und zu zeigen, was Vancouver kann", sagte John Furlong, der Generaldirektor des am 30. September 2003 gegründeten Organisationskomitees (VANOC). Vancouver hatte sich damals u.a. gegen Salzburg durchgesetzt. Zwei Ratschläge gab Valentino Castellani, Organisationschef von Turin, den Kanadiern mit auf den Weg. "Sie sollen auf das Erbe dieser Winterspiele aufbauen, aber auch in die Zukunft schauen", sagte er. "Und sie tun gut daran, die kanadische Identität ihrer Spiele an die Öffentlichkeit zu bringen."

Bereits bei der Schlussfeier in Turin, die die Italiener als furioses Finale mit Artistik und Kultur inszenierten, wurde der Unterschied zum nächsten Gastgeber deutlich: Die 545.000-Einwohner-Metropole Vancouver setzte bei ihrem achtminütigen Auftritt auf seine Ursprünge und grandiose Natur in British Columbia. "Wir sind eine junge Stadt, kaum 120 Jahre alt. Eine Stadt, die in der Wildnis aus dem Boden gestampft wurde", betonte Sullivan. "Und bei uns gibt es so viel 'Multikulti', wie sie sich nur vorstellen können."

Das kann auch der in Vancouver als "Managing Director, Venue Operations" in höchster Ebene tätige Österreicher Herwig Demschar nur bestätigen. "In Kanada ist man willkommen, egal woher man kommt. Mich hat dort kaum noch jemand gefragt, woher ich komme", sagte Demschar, der nicht nur für die 13 Wettkampfstätten, sondern auch für die Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Medaillenzeremonien und das Geschehen auf dem Flughafen zuständig ist. Nur zwei Personen stehen in der Organisation über Demschar.

Der frühere ÖSV-Trainer war schon 2002 in Salt Lake City für die alpinen Schauplätze verantwortlich und hätte in Turin alle Sportstätten übergehabt, hätte er nicht wegen Kommunikationsschwierigkeiten im Herbst 2004 das Handtuch geworfen. Seitdem ist er voll in die Vorbereitungen von Vancouver eingebunden, lebt auch dort mit seiner Familie.

Der aus Oberösterreich stammende Wahlsteirer ist längst Weltbürger und machte schon in Turin Lust auf die nächsten Spiele. "Es wird eine für die kanadische Gesinnung typische, ehrliche Annäherung an die olympische Bewegung. Der Sport wird im Mittelpunkt stehen und es werden nicht Spiele von Vancouver oder British Columbia, sondern von ganz Kanada", versprach Demschar und zerstreute auch Sorgen wegen des instabilen Wetters in dieser Region. "Der Februar ist der sicherste Monat im Jahr."

Symbol der Vancouver-Spiele ist ein "Inukshuk", ein menschenähnliches Steingebilde, das in der Schnee- und Eislandschaft schon den kanadischen Ureinwohnern als Orientierungshilfe diente.

© SN/APA.

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