| Die Staatsanwaltschaft Turin ist in Sachen Walter Mayer aktiv geworden. Dem in der Psychiatrischen Abteilung des LKH Klagenfurt befindlichen ehemaligen ÖSV-Trainer wurden in aller Eile die bisherigen Untersuchungsergebnisse zugestellt. Für Verwirrung sorgt jedoch die unzureichende und nicht beglaubigte Übersetzung aus dem Italienischen. Das Verfahren gegen Mayer könnte deshalb kippen.
"Die italienischen Behörden sind dazu verpflichtet, die Ermittlungsergebnisse an den Betroffenen weiterzugeben", erklärte der Mediensprecher des Landesgerichts Klagenfurt, Norbert Jenny. Ansonsten läge ein Nichtigkeitsgrund vor.
Um eine in Italien gesetzlich vorgeschriebene Frist einzuhalten, setzte die Staatsanwaltschaft Turin offenbar alle Hebel in Bewegung, um dem wegen Dopingvorwürfen ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen ehemaligen Langlauf- und Biathlontrainer die Ergebnisse ihrer Ermittlungen mitzuteilen. Über Vermittlung des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag langten die nötigen Unterlagen am Freitag am Landesgericht Klagenfurt ein und wurden dann Mayer sofort zugestellt.
Der Ex-Trainer hat drei Tage Zeit, um die Unterlagen anzunehmen oder nicht. Die Frist verstreicht am Montag im Laufe des Tages. Da die Schriftstücke jedoch offenbar nur unzureichend übersetzt und von keinem beeideten Dolmetscher beglaubigt sind, könnte Mayer die Annahme der Dokumente durchaus verweigern. Das wiederum käme einer Nichtzustellung durch die Behörden gleich, was zur Folge hätte, dass das Verfahren gegen Mayer in Italien überhaupt kippen könnte.
Walter Mayers Anwalt, der Villacher Herwig Hasslacher, verteidigt den ehemaligen ÖSV-Trainer: "In Italien findet eine Hetzkampagne gegen meinen Mandanten statt", erklärte der Jurist am Montag gegenüber der APA. Ob er die von der Staatsanwaltschaft Turin übermittelten Unterlagen annehmen werde, wisse er jedoch noch nicht. "Mir ist nichts von einer Frist bekannt", so der Rechtsanwalt.
"Die italienischen Unterlagen sind jedenfalls fragwürdig", erklärte Hasslacher, der jetzt in der Causa Mayer eng mit einer Turiner Anwaltskanzlei zusammenarbeitet. In diversen Formularen würden Geldbeträge gar noch in Lire und nicht in Euro ausgewiesen, so der Strafverteidiger. Zudem sei das Zustandekommen des Hausdurchsuchungsbefehls im Quartier der österreichischen Sportler ebenfalls "suspekt".
Hasslacher brachte am Montag bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gegen die Weltdopingagentur (WADA) ein. Mitarbeiter der WADA hatten am 29. Jänner - und damit vor den Olympischen Spielen - Mayers Pension "Erzherzog Johann" in der Ramsau durchsucht.
Die Fahnder hätten sich nicht einmal ausweisen können und damit gegen die eigenen Richtlinien des Weltdopingverbandes verstoßen, erklärte der Villacher Rechtsanwalt im Gespräch mit der APA. Zudem sei ein normales Laktatmessgerät fälschlich als Blutdoping-Maschine identifiziert worden. Hasslacher: "Dieser Fehler machte in der Folge erst den Hausdurchsuchungsbefehl für die Doping-Razzia im Olympia-Quartier der österreichischen Langläufer und Biathleten in Pragelato möglich."
Die Mutmaßungen rund um die Causa bezeichnete Hasslacher als "vergleichbar mit dem Kennedy-Mord". Da werde auch jedes Jahr ein neuer Attentäter präsentiert, so der Jurist. Laut Hasslacher entpuppte sich ein in Mayers Auto sichergestellter verdächtiger Gegenstand als "Werkzeugkoffer, der in jedem Baumarkt erhältlich ist."
© SN/APA.
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