| Auch am Schlusstag der XX. Olympischen Winterspiele hat es noch eine Medaille für Österreich gegeben. Michail Botwinow gewann im 50-km-Langlauf mit 0,9 Sekunden Rückstand auf Sieger Giorgio di Centa aus Italien und 0,1 Sekunden hinter auf dem Russen Jewgenij Dementiew die Bronze-Medaille.
Mit diesem dritten Platz holte Österreich insgesamt 23 Medaillen in Turin (9 Gold/7 Silber/7 Bronze) und verzeichnete das beste Olympia-Abschneiden der Geschichte. Im Medaillenspiegel bedeutet das für das ÖOC-Team hinter Deutschland und den USA Rang drei.
Botwinow rannen Tränen über die Wangen, ÖSV-Sportdirektor Markus Gandler fand keine Worte. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille hat sich der 38-Jährige am Sonntag bei seinen letzten Olympischen Winterspielen einen Traum erfüllt. Nach einer Woche voll von Doping-Anschuldigungen gegen die ÖSV-Langläufer und Biathleten gab der Wahl-Salzburger eine sportliche Antwort. Er sprintete knapp eine Sekunde hinter Sieger Di Centa zu seiner zweiten Olympia-Medaille nach Silber in Salt Lake City 2002.
"Ich habe gedacht, ich muss alles geben heute. Bis zur Ziellinie habe ich nicht gewusst, ob ich es schaffe oder nicht. Ich bin nicht gewohnt, dass ich im Sprint gegen die Jungen gewinne", meinte Botwinow und rang um Fassung. Dank privaten Glücks - Botwinow hat einen einjährigen Sohn namens Luca Nicolas - erlebt er auch sportlich einen neuen Frühling. "Unser Team hat es verdient, dass so ein Ergebnis eingefahren wird", freute sich der Jungvater mit Betreuern und Skitechnikern.
Botwinow war erst am Freitag zu Mitternacht aus Obertauern in den Olympia-Ort zurückgekommen, den er nach dem Auftaktrennen (Rang sieben in der Doppelverfolgung) zwei Wochen zuvor wegen einer Erkältung verlassen hatte. Eine Woche konnte er wegen Fieber nicht trainieren, doch in den vergangenen Tagen fühlte er sich neu gestärkt. "Dass ich die Doping-Affäre nur aus der Ferne mitbekommen habe, hat mir viel Kraft und Energie gespart", sagte er.
Er hatte das Rennen ab der Halbdistanz mitbestimmt, mehrfach versucht, sich in Steigungen abzusetzen. Eine vorzeitige Entscheidung schien die einzige Chance für das Kraftpaket, das zuvor mehrmals in wichtigen Rennen im Sprint den Kürzeren gezogen hatte. Doch das gelang nicht - nach 48 Kilometern und nach der letzten Steigung waren immer noch rund ein Dutzend Läufer vorne dabei.
Als Fünfter ging Botwinow in die letzte Abfahrt, doch nach der letzten Kuppe war er plötzlich ganz vorne. Nicht zuletzt dank seiner optimal präparierten Ski. Auf der langen Zielgeraden schien er zunächst zurückzufallen, flog aber im Finish mit voller Kraft sprintend förmlich an seinen Rivalen vorbei. Nur eine Zehntelsekunde trennte Botwinow schließlich von Silber, das er vor vier Jahren hinter Christian Hoffmann erobert hatte. Di Centa versöhnte die am Vortag von Giorgio Rocca enttäuschten Azzurri-Fans mit der insgesamt fünften Goldmedaille für die Gastgeber.
Markus Gandler war zunächst sprachlos. "Da fällt jetzt so viel herunter. Dass der Boti so gut sprinten kann ..., ich habe keine Worte mehr. Alle Hüte, die ich habe, muss ich heute vor ihm ziehen. Das Team, das ich hier gehabt habe, das war sensationell", meinte der ÖSV-Sportdirektor. "Der Fünfziger war Botwinows letzte Chance auf eine Olympia-Medaille und die hat er genützt wie ein Profi. Unvorstellbar. Wenn mich nicht alles täuscht, muss ihm IOC-Präsident Jacques Rogge die Medaille umhängen", sagte Gandler voller Genugtuung. "Wichtig ist, dass wir jetzt doch noch mit einer Medaille wegfahren von da."
© SN/APA.
|