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Gesundheit - Sportmedizin

Fettstoffwechsel ist nicht alles
08. August 2002 | 11:00

IN FORM

GERHARD SCHWISCHEI

Wie kann man nur Sport treiben, ohne zu schwitzen? Wenn man sich in Fitnessstudios auf Crosstrainern, Ergometern und Laufbändern umschaut, findet man nicht wenige, auf deren Stirn sich kaum ein Schweißtropfen findet und deren Leiberln auch nach einer halben Stunde Training noch überwiegend trocken sind. Die meisten denken dabei wohl auch noch, dass gerade diese geringe körperliche Belastung die Fettpölsterchen am besten schmelzen lässt.

Training im Fettstoffwechsel, lautet die Zauberformel, der offenbar viele auf den Leim gehen. Zeit, an dieser Stelle mit einigen Fehlmeinungen Schluss zu machen.

Zunächst grundsätzlich: Sportmediziner betonen immer wieder, dass Sport allein nicht das Allheilmittel gegen überflüssige Kilos ist. Wenn man bedenkt, dass ein Kilogramm Fett rund 9000 Kalorien entspricht und man mit einer Stunde Joggen oder Radfahren kaum mehr als 600 bis 700 Kalorien verbrennen kann, ist leicht auszumalen, wie wenig Pfunde durchschnittliche Gesundheitssportler durch Bewegung verlieren. Regelmäßiger Sport hilft aber sicherlich dabei, den Kalorienverbrauch zu erhöhen und ergänzend zu einer Diät ein einmal erreichtes Gewicht leichter zu halten.

Was das vielfach propagierte Training im Fettstoffwechselbereich betrifft, ist eines zwar richtig: Je geringer die Intensität, desto mehr Fettsäuren werden zur Energiegewinnung herangezogen. Richtig ist aber auch: Je höher die Intensität, umso mehr Kalorien werden pro Zeiteinheit verbraucht. Und will man abnehmen, dann zählt allein eine negative Energiebilanz. Das heißt: Man muss dem Körper regelmäßig weniger Kalorien zuführen, als er pro Tag benö-tigt. Demnach wäre auch "Vollgas"-Training zur Gewichtsreduktion am wirkungsvollsten.

Doch die Trainingsintensität sollte sich in erster Linie nach dem Trainingszustand und nicht nach einem angestrebten Körperfettabbau orientieren, betont der Innsbrucker Sportmediziner Kurt A. Moosburger. Training im niedrigen Intensitätsbereich hat natürlich seine Berechtigung - vor allem für Anfänger, die bei hohen Belastungen sofort Gelenks- und Muskelbeschwerden riskieren. Aber auch Fortgeschrittene müssen darauf achten, dass nach einem intensiven Training die Regenerationsphase deutlich länger dauert als nach einer lockeren Einheit.

So genanntes Fettstoffwechseltraining über mehrere Stunden hinweg ist besonders für Radfahrer oder Marathonläufer wichtig, um die Ausdauerfähigkeit zu erhöhen. Für Gesundheitssportler hat das weniger Relevanz. Ihnen muss der Sport Freude bereiten, sie müssen sich dabei wohl fühlen. Und sie müssen wissen: Kurzes Fettstoffwechseltraining bis zu einer Stunde Dauer heißt ohne begleitende Diät noch lange nicht Fettabbau.

© SN.

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