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DER STANDPUNKT
RALPH SCHULZE
Die internationale Aids-Konferenz in Barcelona war ein Gipfel der schlechten Nachrichten. Die Kernbotschaft lautete: Die schlimmste Epidemie der Menschheit, die Immunschwäche-Krankheit Aids, hat gerade erst begonnen. Eine Tragödie, die sich in 20 Mill. Toten, weiteren 40 Mill. Erkrankten spiegelt, und deren Opferzahl sich vervielfachen wird. Kein Allheilmittel, keine politischen Hilfszusagen - die Bilanz in Barcelona könnte kaum düsterer ausfallen. "Bei Aids handelt es sich um einen Krieg gegen die Menschheit", donnerte Südafrikas frü-herer Präsident Nelson Mandela zum Abschluss der größten Tagung, die jemals zu diesem Drama stattfand. Und sein prominenter Freund Bill Clinton forderte eindringlich: "Das erste Mal in der Geschichte muss die Welt die Verantwortung für eine globale Gesundheitskrise übernehmen." Doch am Verantwortungsbewusstsein mangelt es: Der UNO und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fehlt das Geld, um die weltweite Ausbreitung der tödlichen Immunschwäche-Krankheit wenigstens zu bremsen.
Dass die wohlhabende Welt sich relativ wenig für das Aids-Todesdrama in den armen Ländern interessiert, hat einen einfachen Grund: Auf den Wohlstandsinseln ist die Behandlung der HIV-Erkrankten weitgehend gesichert. Sie können auf Medikamente zurückgreifen, die inzwischen meist ihr Leben erhalten. 98 Prozent der Kranken in der Entwicklungswelt haben diese Chance nicht. Abhilfe kann nur ein globales Bündnis schaffen, eine Allianz gegen den Tod. Die internationale Front gegen den Terrorismus, die nach dem 11. September auferstand, ist ein gutes Beispiel dafür, was an Geld und Willen mobilisiert werden kann, wenn viele Menschenleben in Gefahr sind. Die Herausforderung und Bedrohung der Welt durch die Aids-Epidemie ist zweifellos nicht von geringerem Ausmaß.
© SN.
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