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Hubert Gantioler hat das Sportgen von seinem Vater geerbt. Der wurde im Alter von 77 Jahren noch Doppelweltmeister bei der Senioren-WM der Skilangläufer. Und heute, im 79. Lebensjahr, trainiert er noch täglich ein bis zwei Stunden. "Schließlich will er ja 100 Jahre alt werden", sagt sein Sohn.
Hubert Gantioler hat selbst gerade eine Gewaltleistung als Läufer hinter sich: 240 Kilometer durch kräfteraubenden Wüstensand, bei sengender Hitze und kalten Nächten. Der Marathon des Sables, der jährlich in der marokkanischen Sahara stattfindet, ist für viele Läufer weltweit zu einer ultimativen Herausforderung geworden, der man sich zumindest ein Mal im Leben stellen will.
Gelaufen wird auf sechs Etappen in sieben Tagen. Dabei sind jeweils zwischen 25 und knapp 80 Kilometer zurückzulegen. Mit Karte und Kompass geht es dabei über Sanddünen, durch Palmenhaine, kleine Oasen und über felsige Hügel. "Tagsüber kann es schon 50 Grad heiß werden", erzählt Gantioler. "Den Proviant für die sieben Tage mussten wir in einem Rucksack mittragen. Nur das Wasser bekamen wir täglich von den Veranstaltern zugeteilt." Als Zwölfter mit drei Stunden und 30 Minuten Rückstand auf den Sieger unter 700 Teilnehmern legte der 44-jährige Oberösterreicher aus Straß im Attergau eine Spitzenleistung hin.
Bis vor einem Jahr arbeitete Gantioler noch als Förster und sah sich "nur" als ambitionierter Hobbysportler. Mittlerweile geht er etwas professioneller an seine sportlichen Vorhaben heran und trainiert bis zu 20 Stunden pro Woche. Dazu betreut er noch 80 Sportler, macht Leistungstests und hilft bei der Trainingssteuerung. Daneben arbeitet er in einer Firma, die Nahrungsergänzungsmittel erzeugt - speziell auch für Sportler.
Sein Talent als Langstreckenläufer entdeckte er beim Triathlon. Schlagzeilen machte er erstmals mit dem 24-Stunden-Berglaufweltrekord, den er hält. Dabei legte er auf dem Lichtenberg in St. Georgen im Attergau jeweils 12.100 Höhenmeter hinauf und hinunter zurück. Also fast eineinhalb Mal den Mount Everest - rauf und runter.
Wie schafft man das neben einem vollen Beruf? Während Gantioler noch als Förster arbeitete, ging praktisch die ganze Freizeit für sportliche Aktivitäten drauf. Seine beiden Töchter hat er mit ins Sportprogramm eingebunden. "Beim Schwimmen war ich nie so gut. Da sie die Technik früh lernten, hatte ich ganz schön zu kämpfen, um mitzuhalten. Wenn ich gelaufen bin, sind sie meist mit dem Rad gefahren." Heute sind sie 14 und 16 Jahre alt und als erfolgreiche Triathletinnen wie ihr Vater vom Sportvirus infiziert.
Sich in einem Alter, in dem andere längst in Sportpension gehen, noch einmal verstärkt dem Leistungssport zu verschreiben: Was treibt Hubert Gantioler an?
"Es gefällt mir, an meine Leistungsgrenzen heranzugehen, dabei aber nicht zu übertreiben", sagt er. "Wenn man weiß, was der Körper leisten kann, gibt das viel Kraft für alles im Leben. Ich weiß, ich kann alles schaffen, wenn ich es nur will."
Schaffen will er jedenfalls noch einige sportliche Ziele, wie in vier Wochen einen 12-Stunden-Lauf in Radkersburg. Für das nächste Jahr stehen Ultraläufe in Afrika oder in Asien auf dem Programm: 160 Kilometer im Himalaya bis auf rund 5000 Meter Höhe hinauf zum Beispiel...
© SN/APA.
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